Marchionne gibt Chefposten bei Fiat-Chrysler vorzeitig auf – Manley übernimmt


Vorzeitiger Wechsel an der Spitze von Fiat Chrysler: Rund neun Monate eher als geplant gibt der Chef des italienisch-amerikanischen Autokonzerns, Sergio Marchionne, seinen Posten aufgrund gesundheitlicher Probleme auf. Nach einer Schulteroperation sei es zu unerwarteten Komplikationen gekommen, teilte Fiat Chrysler am Samstag mit. Eigentlich war geplant, dass der 66-Jährige seinen Posten erst im April 2019 abgibt.

Die Führung von Fiat Chrysler übernimmt nun Mike Manley, der seit vielen Jahren zum Top-Management des Autobauers gehört und bisher für die Marke Jeep zuständig war. Neuer Präsident von Ferrari wird John Elkann, Angehöriger der Familie Agnelli und Fiat-Präsident. Zum Ferrari-Vorstandschef ernannte der Aufsichtsrat Louis Carey Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

„Ich bin zutiefst betrübt, von dem Gesundheitszustand von Sergio zu erfahren“, erklärte Aufsichtsratschef Elkann. „Es ist eine Situation, die bis vor wenigen Stunden undenkbar gewesen wäre, und die uns alle mit einem Gefühl von Ungerechtigkeit zurücklässt.“ Bereits am Samstagmorgen hatten Medien darüber berichtet, dass die Aufsichtsräte von Fiat Chrysler und Ferrari in getrennten Sitzungen über eine Nachfolge des krankgeschriebenen Chefs der beiden Autobauer beraten würden.


Marchionne war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte er die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein. Seit der Fusion im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent - und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen aus der Branche. Als elementares Vermächtnis von Marchionne gilt auch die Fokussierung auf Nischenmarken.

Zum Ende seiner Karriere bei dem Konzern hatte der 66-Jährige sein letztes großes Ziel erreicht und die Schuldenfreiheit des Unternehmens für Ende Juni verkündet. „Es ist ein wichtiger Meilenstein im Heilungsprozess der strukturellen Schwächen, die uns über zu viele Jahre belastet haben“, sagte der 65-jährige Spitzenmanager Anfang Juni vor Investoren. Bei dem Treffen trug der Italo-Kanadier zur Feier des Tages – Markenzeichen dunkler Pullover – kaum sichtbar eine Krawatte. Das hatte er einst versprochen, falls der Schuldenabbau gelingen sollte.

Seine anschließend vorgestellte Strategie für die kommenden fünf Jahre sieht eine Konzentration auf die Marken Alfa Romeo, Maserati, Ram und insbesondere Jeep vor. Darüber hinaus will Fiat Chrysler künftig verstärkt auf Elektroautos und autonomes Fahren setzen – hier sehen Analysten noch viel Luft nach oben. Der Konzern bestätigte auch Pläne, das bisher an die Großbank Santander ausgelagerte Geschäft mit Autofinanzierungen in den USA unter das eigene Dach zu holen. „US Finco Opportunity“ überschreibt FCA die Pläne.

In Marchionnes Zeit bei Fiat Chrysler fielen auch Vorwürfe, wonach der Autobauer ebenfalls bei Abgaswerten betrogen haben soll. Entsprechende Vorwürfe gab es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Der Hersteller wies dies stets zurück.