Schulschließungen und Homeoffice in Neu Delhi wegen dichter Smog-Wolke

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Neu Delhi eingehüllt in Smog (AFP/Money SHARMA)

Massive Luftverschmutzung nicht zuletzt wegen des Betriebs klimaschädlicher Kohlekraftwerke macht Menschen in Indien und Pakistan derzeit wieder schwer zu schaffen. In der indischen Hauptstadt Neu Delhi wurde wegen einer dichten Smog-Wolke die Schließung der Schulen bis auf Weiteres verlängert. Die pakistanische Millionenmetropole Lahore an der Grenze zu Indien war am Mittwochmorgen (Ortszeit) im täglichen Ranking des Schweizer Umwelttechnbologie-Unternehmens IQAir die Stadt mit der schlechtesten Luftqualität weltweit.

Über Neu Delhi hängt bereits seit vergangener Woche eine dichte Smog-Wolke. Die Kommission für die Regulierung der Luftqualität in der Hauptstadtregion kündigte daher am Dienstagabend an, die Schulen blieben bis auf Weiteres geschlossen. Neu Delhis Bürger wurden aufgefordert, im Homeoffice zu arbeiten. Mindestens die Hälfte der Regierungsangestellten sollen von zu Hause aus arbeiten. Mitarbeiter privater Unternehmen sind aufgerufen, es ihnen gleich zu tun.

In Gegenden mit besonders schmutziger Luft soll diese mindestens drei Mal täglich befeuchtet werden. Zudem dürfen Lastwagen mit nicht notwendigen Gütern vorerst nicht mehr in die Stadt. Auch die Arbeit auf den meisten Baustellen in Neu Delhi wurde gestoppt. Sechs der elf Heizkraftwerke in einem Umkreis von 300 Kilometern wurden aufgefordert, ihren Betrieb vorläufig einzustellen.

Indiens Wirtschaft ist noch stark von Kohleenergie abhängig. Am Samstag hatte Indien gemeinsam mit China bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow durchgesetzt, dass der gemeinsame Beschluss zur weltweiten Abkehr von dem umwelt- und klimaschädlichen Energieträger deutlich abgeschwächt wurde.

Die Regierung der Hauptstadtregion hatte am vergangenen Samstag eine einwöchige Schließung aller Schulen angeordnet. Einen vom Obersten Gericht geforderten Lockdown wegen der Luftverschmutzung lehnte sie jedoch ab. Eine solche Maßnahme sei nur sinnvoll, wenn auch die umliegenden Bundesstaaten in den Kampf gegen die Luftverschmutzung einbezogen würden, argumentierte die Regionalregierung.

Die 20-Millionen-Einwohner-Metropole Neu Delhi ist eine der schmutzigsten Städte weltweit. Zu der derzeitigen starken Luftverschmutzung tragen unter anderem Bauern aus dem Umland bei, die zu Beginn des Winters Erntereste auf ihren Felder abbrennen.

In der vergangenen Woche lag die Feinstaub-Belastung in Neu Delhi zeitweise um das 30-Fache über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut einem Bericht des Fachmagazins "The Lancet" starben 2019 fast 17.500 Menschen in Delhi an den Folgen der Luftverschmutzung.

Die Stadt mit der schmutzigsten Luft war laut IQAir am Mittwochmorgen allerdings Lahore. In der pakistanischen Stadt mit elf Millionen Einwohnern wurden die meisten gesundheitsschädlichen Feinstaubpartikel gemessen.

"Die Kinder bekommen Atemwegserkrankungen... um Himmels Willen, findet eine Lösung", rief der Arbeiter Muhammad Saeed im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP die Behörden auf. Diese beharren jedoch seit Jahren, der Smog werde von Indien verursacht oder die Angaben zur Luftverschmutzung seien übertrieben.

Ikram Ahmed, der in Lahore ein kleines Geschäft betreibt, sagte, er könne sich nicht einmal einen Arzt leisten, um die Folgen der Luftverschmutzung behandeln zu lassen. "Wenn das so weiter geht, werden wir sterben."

yb/ju

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