Schottischer Ausschuss prüft Urteil wegen Lockerbie-Anschlags

Trümmer der Pan Am-Maschine nahe Lockerbie

Fast 30 Jahre nach dem Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über dem schottischen Lockerbie will ein schottischer Ausschuss den Schuldspruch gegen den einzigen Verdächtigen überprüfen, der je in dem Fall verurteilt wurde. Der schottische Ausschuss zur Überprüfung von Gerichtsurteilen (SCCRC) erklärte am Donnerstag, er werde das Urteil gegen den libyschen Geheimagenten Abdelbaset Ali Mohmet al-Megrahi einer gründlichen Überprüfung unterziehen.

Al-Megrahi war 2001 wegen des Anschlags, bei dem 270 Menschen getötet wurden, zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bis zu seinem Tod im Jahr 2012 beteuerte er seine Unschuld. Einen Berufungsantrag zog er 2009 zurück, als er wegen einer Krebserkrankung aus der Haft entlassen wurde.

Al-Megrahis Familie schaltete schließlich im vergangenen Jahr den SCCRC ein. Dessen Chef Gerard Sinclair erklärte am Donnerstag, es sei "im Interesse der Justiz", dem Antrag auf eine umfassende Neuüberprüfung des Falls stattzugeben. Ein Anwalt von al-Megrahis Familie erklärte, der Ruf der schottischen Justiz sei durch die "weit verbreiteten Zweifel" an dem Urteil gegen den Libyer beschädigt worden.

Am 21. Dezember 1988 war eine Pan-Am-Maschine mit 259 Menschen an Bord über Lockerbie explodiert. Am Boden wurden elf weitere Menschen getötet. Libyen übernahm 2003 die Verantwortung für den Anschlag und zahlte 2,7 Milliarden Dollar (heute 2,27 Milliarden Euro) Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer.