Ist das schon die Jahresendrally?

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Ist das schon die Jahresendrally?

Der Dax ist auf Rekordjagd. Aber wie lange noch? Dass der deutsche Leitindex noch mal 300 Punkte in einer Woche zulegt, ist eher unwahrscheinlich. Und obwohl es Störfeuer geben könnte, sind Experten optimistisch.


Von Allzeithoch zu Allzeithoch – der Dax knackt eine Rekordmarke nach der anderen. Am Freitag fiel die Marke von 13.500 Punkten. Seit der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Oktober gibt es für das wichtigste deutsche Börsenbarometer kein Halten mehr. Viele Anleger fragen sich nun: Ist das schon die Jahresendrally? Und wie lange dauert die Rally noch?

Experten sind optimistisch. „Allerdings wachsen auch an den Aktienmärkten die Bäume nicht in den Himmel“, gibt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Baader Bank, zu bedenken. Immerhin hat der Dax in der abgelaufenen Woche fast 300 Punkte zugelegt – eine mehr als stolze Leistung.


Phasen der Konsolidierung, die für wieder zunehmende Schwankungen sorgen können, müsse man einkalkulieren. „Ein Crash jedoch ist nicht absehbar“, sagt Halver. „Mit Blick auf immer noch unterinvestierte Vermögensverwalter und die anlagetechnische Großwetterlage sind bis Jahresende weitere Kursgewinne zu erwarten.“

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: Es gab bisher keine Gewinnmitnahmen, die man auf solch einem hohen Niveau erwartet hätte. Vermutlich ist die Investitionsquote der institutionellen Anleger zu niedrig. Finanzmarktexperte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg & Goldberg formulierte die Lage im Laufe der Woche treffend: „Es tanzen noch längst nicht alle auf dem Vulkan. Börsianer müssten derzeit den Eindruck haben, sie befänden sich in der besten aller möglichen Welten.“


Bleibt das auch in den kommenden Tagen so? Nach dieser nachrichtenreichen Woche mit drei Notenbanksitzungen und vielen Top-Konjunkturdaten können Börsianer in der neuen Woche kaum verschnaufen, denn die Quartalszahlensaison läuft weiter auf Hochtouren. Auf Börsianer kommt eine Flut von Bilanzzahlen zu, darunter zahlreiche Konzerne aus der ersten Börsenliga. „Für den Dax könnte das bedeuten, dass es weiter nach oben geht“, sagt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse.

Am Dienstag legen unter anderem BMW und Zalando ihre Zahlen vor. Eon, Heidelberg Cement und Vonovia folgen am Mittwoch. Am Donnerstag erreicht die Quartalssaison dann ihren Höhepunkt – mit Siemens, Adidas, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Munich Re, Merck, Pro Sieben Sat.1, Continental und Commerzbank legen gleich neun der 30 Dax-Konzerne ihre Zahlen vor. Aus dem Ausland öffnen Schwergewichte wie Unicredit, Arcelor Mittal und Walt Disney ihre Bücher.

Interessant für Börsianer ist natürlich auch, ob US-Präsident Donald Trump seine vollmundig angekündigte Steuerreform tatsächlich durchbekommt. Er will Firmen, Privatleute und Familien in den kommenden zehn Jahren um mehrere Billionen Dollar entlasten. „Wenn die geplanten Maßnahmen wie von Trump angekündigt noch vor Weihnachten in ein Gesetz gegossen werden sollen, dann wird man sehr bald Fortschritte sehen müssen“, sagt Aktienstratege Basse.



Zahlenflut am Donnerstag


Volkswirtin Christine Schäfer von der DZ Bank ist allerdings skeptisch, dass der Republikaner bei seinem Vorhaben schnelle Erfolge erzielt. „Auch ohne den großen Zeitdruck, unter dem die US-Abgeordneten und der Präsident jetzt agieren, wäre das Konzipieren einer umfassenden Steuerreform eine Herkulesaufgabe“, glaubt sie. Es sei zu befürchten, dass bei einem schnell umgesetzten Kompromiss eine nachhaltige Fiskalpolitik auf der Strecke bleibe.

Befürchtungen, dass die Staatsverschuldung in den USA durch eine solche Steuerreform weiter steigt, könnten den Dollar belasten. Das wiederum dürfte dem Euro einen Schub geben. An den Aktienmärkten käme eine anziehende Gemeinschaftswährung allerdings nicht gut an, da sich dadurch die Chancen der exportfokussierten Unternehmen aus der Euro-Zone verschlechtern würden.

Auch von der Konjunkturfront gibt es Neuigkeiten. „Nachdem die wichtigsten Notenbanken getagt haben, werden die Märkte wieder verstärkt darauf achten, ob die konjunkturellen Frühindikatoren weiter überzeugen“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. In Deutschland stehen nach den Auftragseingängen der Industrie für September am Montag tags darauf die Industrieproduktion und am Donnerstag die Handelsbilanz jeweils für denselben Monat an. „Die überschaubare Makrodaten-Agenda spricht für eine Verschnaufspause an den Börsen“, so Greil.


In der Euro-Zone folgen den Produzentenpreisen zum Wochenstart am Dienstag die September-Einzelhandelsumsätze und am Donnerstag das Update der Wachstumsprognosen der Europäischen Kommission. In den USA wird am Freitag das vorläufige Michigan-Verbrauchervertrauen für November erwartet. Hinzu kommen aus China noch die Handelsbilanz für Oktober am Mittwoch sowie die Inflations- und Produzentenpreisdaten für Oktober am Donnerstag.

Großes Gesprächsthema an den Börsen wird nach Einschätzung von Analysten auch die Ernennung von Jerome Powell zum neuen Chef der US-Notenbank Fed bleiben. Der 64-Jährige soll im Februar das Amt von Janet Yellen übernehmen. „Powells Nominierung gilt als Signal für geldpolitische Kontinuität“, sagt Anna Stupnytska, Ökonomin beim Vermögensverwalter Fidelity. „Auf kurze Sicht dürfte sich daher an den sehr behutsamen Zinserhöhungen nichts ändern.“ Börsianer gehen davon aus, dass die Fed im Dezember die Leitzinsen erneut anheben wird – es wäre die dritte Leitzinserhöhung in diesem Jahr.

KONTEXT

Wie sich die Dax-Börsenmonate seit 1959 entwickelt haben

Januar-Performance

Viele Anleger glauben, der Januar sei der Börsenmonat mit der höchsten durchschnittlichen Performance. Weit gefehlt. Mit plus 0,78 Prozent ist das ein durchschnittlicher Monat, der im Vergleich zu den anderen elf nur auf Rang fünf liegt. Für die Berechnungen seit dem Jahr 1959 hat die Baader Bank den Dax seit Juni und die Vorläuferindizes der Börsenzeitung (1981 bis 1988) und den Hardy-Index (1959 bis 1981) genommen.

Februar-Performance

Bereits im zweiten Monat des Jahres halbiert sich im Vergleich zum Januar die durchschnittliche Performance und beträgt nur noch 0,33 Prozent. Das bedeutet Rang acht.

März-Performance

Wer hätte das gedacht? Der März ist der beste Börsenmonat. Durchschnittlich sind die Kurse um 1,54 Prozent gestiegen - deutlich höher als in den Monaten November und Dezember, in denen die meist lukrative Jahresendrally stattfindet.

April-Performance

Doch nur einen Monat später halbiert sich das Plus auf 0,76 Prozent - Platz sechs in der Statistik für den Monat April.

Mai-Performance

"Sell in May and go away" lautet das bekannte Börsensprichwort und bei der durchschnittlichen. Vom Jahresanfang betrachtet ist der Mai der erste Monat mit einem negativen Entwicklung- Die beträgt minus 0,12 Prozent und damit Rang neun.

Juni

Und in den folgenden Monaten geht es weiter runter: Im Juni sinkt die durchschnittliche Performance auf minus 0,27 Prozent und damit auf den neunten Platz der Börsenmonate.

Juli-Performance

Ein kurzes Comeback zeigt der Juli, die durchschnittliche Performance seit 1959 ist mit plus 0,79 Prozent wieder positiv und hieven den Zeitraum auf den vierten Platz.

August-Performance

Doch bereits im August geht es wieder abwärts mit minus 0,33 Prozent und damit der vorletzte Rang in der Börsenstatistik.

September-Performance

"Für Börsenspekulanten ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Januar, März, April, Mai, Juni und Juli, bis Dezember", sagte einst der Schriftsteller Mark Twain. Doch, zumindest im Durchschnitt gesehen, ist nur der Monat September gefährlich. Mit 1,86 Prozent übertrifft das Minus alle anderen Monate mit deutlichem Abstand, der September ist Schlusslicht.

Oktober-Performance

"Ein Crash-Monat Oktober mag zwar dramaturgisch reizvoll sein. Und sicher hat es üble Exemplare dieses Monats an den Aktienmärkten gegeben, z.B. 1987 oder 2008. Außerdem hat sich seit Jahresbeginn u.a. im DAX ein ordentlicher Kurspuffer angehäuft, der zu Gewinnmitnahmen einlädt", meint Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Doch gegenüber dem September muss der Oktober nicht gefürchtet werden. Historisch betrachtet verzeichnete der Dax in diesem Monat sogar ein Plus von 0,75 Prozent.

November-Performance

Und nun zur Jahresendrally: Der beste Monat ist dafür der November mit einer durchschnittlichen Performance plus 1,35 Prozent. Damit ist dieser Monat der zweitbeste hinter dem März.

Dezember-Performance

Gegenüber dem Monat November fällt der Dezember etwas zurück. Das durchschnittliche Plus beträgt 1,13 Prozent und damit Rang drei der Börsenstatistik.