Scholz attackiert Merkel vor Gesprächen über mögliche große Koalition

Olaf Scholz

SPD-Vize Olaf Scholz hat vor Gesprächen über eine mögliche große Koalition Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) attackiert. Beim Scheitern der Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition habe er eine "eklatante Führungsschwäche" beobachtet, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Stern". Es sei fraglich, ob die CDU-Vorsitzende bei den Gesprächen über eine Neuauflage der großen Koalition die Kraft finde, eine Einigung herzustellen.

"Ihr politischer Stil kommt offenbar an seine Grenzen", sagte Scholz über Merkel. Die "Zeit des Durchlavierens" sei vorbei. Der SPD-Vize dämpfte zugleich die Erwartungen vor den Gesprächen mit der Union: Die große Koalition sei eine Option. "Aber es gibt keinen Automatismus, dass sie auch zustande kommt", mahnte Scholz. Wegen der schwierigen politischen Lage sei der Weg zu einer neuen Regierung lang. "Diese Zeit müssen wir uns nehmen", forderte Hamburgs Erster Bürgermeister.

Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen ist auch wieder die Neuauflage einer großen Koalition im Gespräch, die die Sozialdemokraten nach der Bundestagswahl eigentlich ausgeschlossen hatten. Am Donnerstag ist ein Spitzengespräch von CDU-Chefin Merkel, dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und SPD-Chef Martin Schulz bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geplant. Alternativen zu einer großen Koalition sind eine Minderheitsregierung oder auch Neuwahlen.