Scholl-Nachfolge offen: Sammer muss Vorbild sein

Die Weltmeisterschaft 2018 in Russland kommt näher und näher. Die ARD sucht derweil noch immer einen TV-Experten, der die Moderatoren mit Fachwissen und Hintergrundinformationen unterstützt. Die Kandidatenliste ist lang, der Maßstab darf Matthias Sammer sein. Ein Kommentar.

Mehmet Scholl und die ARD gingen kürzlich getrennte Wege. (Bild: Getty Images)

Lange hat Mehmet Scholl für die ARD markige Sprüche gerissen. Doch plötzlich endete das Engagement des ehemalige Bayern-Stars im Free-TV und es folgte ein regelrechtes Karussell an verschiedenen Ex-Profis.

Da war Thomas Hitzlsperger ebenso vertreten wie Kevin Kuranyi oder Stefan Effenberg. Die Bild bringt nun auch noch Michael Ballack ins Gespräch. Der ehemalige Mittelfeldspieler sammelte bereits Erfahrungen bei ESPN.

Zwischen Meinung und Fachwissen

Die Nachfolge von Scholl darf allerdings gerne mehr bieten als der 47-Jährige es in seiner Zeit tat. Natürlich unterhielt Scholl mit seinen Sprüchen und natürlich schoss er damit auch gelegentlich über das Ziel hinaus.

Als “meinungsstark, streitbar und originell” wurde er von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky treffend beschrieben. Dass Scholl aber einen “tiefen Einblick in den Fußball” gewährte, das darf doch angezweifelt werden.


Sammer begeistert im TV

Wie es besser geht, macht seit Beginn des Fußball-Jahres ein Mann vor, der für die ARD wohl nicht in Frage kommt. Matthias Sammer, ehemals Funktionär des FC Bayern München, wirbelt in Freitags- und Montagspartien der Bundesliga für Eurosport über den Bildschirm.

Sammer erklärt, deckt auf und hält sich dabei mit markigen Sprüchen zurück. Zu trocken? Nein! Die bisherigen Reaktionen fallen sehr positiv aus, Sammer begeistert mit seiner analytischen und differenzierten Darstellung. Und ist das nicht genau das, wofür das staatliche Fernsehen stehen sollte?

Anforderungen sind gestiegen

Somit darf und muss der 50-Jährige das Vorbild sein für den kommenden TV-Experten der ARD. Im ZDF macht Oliver Kahn schon vieles richtig, bringt der Torhüter doch Wissen aus verschiedenen Kanälen: Erfahrung als Spieler, Ausbildung zu Trainer und Manager.

Das Publikum ist, eine gute und einfache Aufbereitung vorausgesetzt, offen für Details und Fachwissen. Und wenn dann gelegentlich ein flotter Spruch gesetzt wird, ist auch das Eventpublikum bedient. Egal ob Hitzlsperger, Kuranyi, Ballack oder Effenberg: Die Anforderungen sind gestiegen.