Wegen Scholl: Ballack kritisiert Klopp

Michael Ballack lief 98 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf

Michael Ballack hat sich in der Debatte um die Trainerkritik auf die Seite von Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl gestellt und dabei auch Kritik an Jürgen Klopp geübt.

"Die Form seiner Kritik (Scholl, Anm. d. Red.) möchte ich nicht bewerten, aber sie ist wichtig. Daher finde ich es auch nicht gut, wenn Jürgen Klopp sagt, es sei nicht wichtig, was Scholl sagt", sagte Ballack dem Kicker.

Klopp hatte mit deutlichen Worten auf die harsche Kritik von Scholl an der jungen Trainer-Generation um Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco reagiert und dabei unter anderem erklärt, dass es nicht wichtig sei, was Scholl sage.

Ballack: Viele wollen Klopp kopieren

Für den ehemaligen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Ballack ist Klopp als Top-Trainer sowieso eine Ausnahme, die für junge Trainer nicht als Vorbild geeignet ist.

"Viele orientieren sich an Klopp, haben aber weniger Qualität. Scholl war ein Weltklasse-Spieler. So wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ein Quergeist, mit dem man nicht immer übereinstimmen muss. Aber solch ein Input ist wichtig", sagte Ballack.

Seiner Meinung nach sollten viel häufiger ehemalige Profispieler in den Fußball eingebunden werden, besonders im Jugendbereich. Sie brächten im Gegensatz zur jungen Trainergeneration viel Erfahrung im Spitzenbereich mit.


"Es gibt Qualitätsgründe, warum Spieler zum Beispiel nur in der 3. oder 4. Liga gespielt haben. Danach sind sie vielleicht den Weg des Trainers gegangen, was legitim ist. Wenn wir ehrlich sind, hinterfragen wir: Sind das die Leute, die vorgeben, was richtig, was falsch ist, wo die Entwicklung hingeht?", fragte Ballack.

Ballack sieht Defizite in der Ausbildung

Wie Scholl sieht auch Ballack Defizite in der Ausbildung der jungen Spieler: "In jedem speziellen Bereich werden sogenannte Experten hinzugezogen. Aber die Qualität des individuellen Spielers an Technik, an Spielübersicht, wer gibt das weiter oder vor?"

Für Ballack ist auch weniger das Geld als die Ausbildung im Jugendbereich ein Grund, warum die Bundesliga-Teams bis auf Bayern München in den europäischen Wettbewerben oft nur mäßig abschneiden.

"Wir haben ein Qualitätsproblem. In Frankreich ist die Ausbildung im Moment anscheinend besser", sagte Ballack, dem wie Scholl die individuelle Ausbildung und die spielerische Freiheit zu kurz kommt: "Freiheit ist ein ganz wichtiges Wort. Laktatwerte, Schnelligkeitswerte, das alles gab es früher schon. Aber Reaktionszeiten werden gemessen, Stresssituationen werden simuliert, Schlafverhalten wird analysiert, Essverhalten, wie reagiert der Körper? Die Kontrolle der Spieler hat Überhand genommen."