Schock-Reklame: Künstler zeigt, was die Profitgier in der Modeindustrie anrichtet

Auch Billignode hat ihren Preis. Doch den zahlen die Arbeiter in den Textilfabriken. (Bild: ddp Images)

In den Industrieländern fällt Weniges so leicht, wie günstig Klamotten zu kaufen. Viel und billig wird gekauft – Industrie und Konsumenten freuen sich. Doch dort, wo die Ware hergestellt wird, zeigen sich andere Bilder. Der Künstler Igor Dobrowolski hat nun Reklametafeln entworfen, die schonungslos zeigen, wo und wie die Ware hergestellt wird.

Der polnische Künstler Igor Dobrowolski will ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Auswirkungen die Profitgier der Fashion-Industrie auf die Menschen hat, die von ihr abhängig sind. Dafür hat er Bilder dieser Menschen mit den Logos bekannter Marken versehen und auf großen Reklametafeln in Warschau angebracht. Das Ergebnis ist erschütternd.

Laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeiten weltweit mehr als 60 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsindustrie, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ihre Löhne reichen kaum für Miete, Essen, Schule oder ärztliche Versorgung. Mindestlöhne von ca. 50 Euro pro Monat und Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden am Tag und 7 Tagen pro Woche sind keine Seltenheit. Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht werden in vielen Ländern kaum verfolgt und bleiben ohne Konsequenzen. Maßnahmen zum Gesundheitsschutz werden vernachlässigt.

Spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik 2013 in Rana Plaza, Bangladesch, konnte jedoch kaum jemand noch ignorieren, unter welchen Bedingungen Billigkleidung hergestellt wird. Mehr als 3000 Textilarbeiter wurden dabei verschüttet, über 1000 Menschen starben. Die Bilder des Unglücks erschütterten Menschen weltweit.

Doch wirklich geändert hat sich auch seitdem wenig. Zwar gründeten einige Modelabels nach dem Unglück Bündnisse wie das ACCORD-Bündnis, das bessere Sicherheitsstandards in Fabrikgebäuden gewährleisten soll – doch die Löhne und Produktionsbedingungen bleiben miserabel. Dobrowolski will mit seiner Kunst genau darauf hinweisen.