Schock-Ausstieg hin oder her: Leben bei Pictet geht weiter

·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Einen Tag nach der Meldung von Pictet & Cie., dass Partner Boris Collardi gehen wird, versuchte das Management seinen fassungslosen Mitarbeitern zu versichern, dass die Schweizer Bank weiterhin das tun wird, was sie am besten kann: Kurs halten.

Auf einer Personalversammlung sagte Senior Managing Partner Renaud de Planta, dass die Strategie in der Vermögensverwaltung bei Pictet intakt bleiben und es keine Änderungen geben würde. Er wurde flankiert von Marc Pictet, einem weiteres Mitglied des Top-Managements und einem Familienerben, sowie Collardi selbst, der sich nach Angaben von mit dem Treffen vertrauten Personen emotional zu seinen drei Jahren bei der Genfer Bank äußerte.

Collardi war sichtlich bewegt, als er von seiner Zeit bei Pictet erzählte, zu der er von Julius Bär AG kam, so die Personen. Er sprach von seinen Leistungen und dem Stolz, für das traditionsreiche Institut gearbeitet zu haben. Sein Abgang sei die schwierigste Entscheidung seiner Karriere, sagte Collardi seinen noch-Kollegen nach Angaben der Personen, die darum baten, nicht genannt zu werden, da das Treffen nicht öffentlich war.

Bei der Veranstaltung sagte Marc Pictet, der Bereich Vermögensverwaltung werde weiterhin neue Banker einstellen und integrieren, so die Personen. Es würde weiterhin in Technologie investiert, um mit wohlhabenden Kunden zu interagieren.

Ein Sprecher von Collardi und ein Vertreter von Pictet lehnten Stellungnahmen ab.

Collardis zu Pictet zu holen, war damals ein Coup der verschwiegenen Privatbank. Der ehemaligen Chief Executive Officer von Julius Bär ist einen Starbanker mit weitreichendem Verständnis für die Vermögensverwaltung, insbesondere in Wachstumsregionen wie Asien.

Aber Collardi zum Partner zu machen, war auch ein Risiko. Er kam, als eine Untersuchung aus seiner Zeit als Chef bei Julius Bär nach andauerte, obschon ihm nichts nachgewiesen wurde. Sein forscher Führungsstil und sein Streben nach Wachstum und Innovation standen im Widerspruch zu der Art, wie Pictet seit mehr als zwei Jahrhunderten Geschäfte tätigt.

Während de Planta, Pictet und Collardi bei der Sitzung warme Abschiedsworte wählten, verunsichert sein abrupte Abgang den Teil der Belegschaft, der sich bereits an den frischen Wind, den der Manager mitgebracht hatte, gewöhnt hatten. Einige interpretieren seinen Ausstieg als Zeichen dafür, dass die Bank wieder ihre alten Wege einschlagen wird, sagten mit der Situation vertraute Personen.

Collardi wird die Bank wohl am 1. September verlassen, ein Termin, zu dem Pictet zwei neue Mitglieder in den höchsten Führungskreis befördert: Francois Pictet und Elif Aktug, die als erste Frau auf dieser Managementebene. Collardi selbst habe vorerst keinen neuen Job und plane, sich zunächst Zeit für persönliche Projekte zu nehmen, sagte sein Sprecher gestern.

Überschrift des Artikels im Original:After Shock Exit, Pictet Says Life Without Collardi Won’t Change

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