Schneller ukrainischer Vormarsch schlägt Russen in die Flucht

Die ukrainischen Truppen scheinen mit ihrer Gegenoffensive schneller voranzukommen als gedacht. Im Nordosten in der Region Charkiw habe man Dutzende Ortschaften zurückerobert, meldet Kiew. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen große Mengen zurückgelassenes russisches Militärmaterial zu sehen ist.

Isjum: größter Erfolg der Ukraine seit Sieg um Kiew im März

Der ukrainische Vormarsch dehnt sich nach Osten aus, Richtung Izyum, wo Russland eine Militärbasis unterhält. Videoaufnahmen der 25. Luftbrigade zeigen verlassenes Gerät am Rande der Stadt.

Die ukrainischen Soldaten haben laut US-Experten innerhalb von fünf Tagen mehr Gelände zurückgewonnen als die russischen Truppen insgesamt seit April besetzt haben. "Die Befreiung von Isjum wird der größte militärische Erfolg der Ukraine seit dem Sieg in der Schlacht vor Kiew im März", urteilte das Institute for the Study of the War (ISW) in seiner Lageanalyse am Sonntag. Damit sei der von Russland geplante Vormarsch auf den Donbass von Norden her gescheitert, meinten die Experten.

Präsident Selenskyj versicherte in seiner täglichen Videoansprache, dass die russischen Truppen die Möglichkeit haben, zu fliehen. "Die russische Armee tut das Beste, was sie kann: sie zeigt uns den Rücken. Es ist es eine gute Wahl für sie, wegzulaufen. Denn es gibt keinen Platz für die Besatzer in der Ukraine, und es wird auch keinen geben."

400 tote russische Soldaten an einem Tag

Allerdings hätten nach dem schnellen ukrainischen Vormarsch nach Angaben aus Kiew nicht alle russischen Truppen den Rückzug geschafft. "Im Raum Charkiw sind feindliche Einheiten aus dem Bestand der 3. motorisierten Schützendivision der 20. Armee von den Versorgungswegen abschnitten und in Panik", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Sonntag mit.

Zudem seien die Verluste mit 400 Toten an einem Tag auf russischer Seite hoch gewesen. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Kiews Gegenoffensive macht monatelangen russischen Vormarsch wett

Mit der seit Anfang September laufenden Offensive seien etwa 2.000 Quadratkilometer Territorium der Ukraine von den Besatzern befreit worden, sagte Selenskyj.

Details zu Stellungen und dem Ausmaß der jüngsten Rückeroberungen gab der Generalstab nicht bekannt. Russische Truppen halten nach früheren Angaben etwa 125.000 Quadratkilometer in der Ukraine besetzt. Das ist ein Fünftel des Staatsgebietes einschließlich der Halbinsel Krim.

Die russische Propaganda versucht zu zeigen, dass die Armee verstärkt wird, aber es wird immer schwieriger zu verbergen, dass Kiew in dieser 28. Woche des Krieges die Initiative ergriffen hat.

In der Region Donezk hingegen gab es russische Bombenangriffe auf Pokrowsk. Hier versucht die Ukraine vorerst, ihre Stellung zu halten.

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