Schnee erschwert Ermittlungen zu Flugzeugunglück nahe Moskau

Hunderte Bergungskräfte haben im dichten Schnee nach Trümmern der im Umland von Moskau abgestürzten Linienmaschine gesucht. Bis alle Wrackteile und Leichen der 71 Insassen geborgen sind, wird es Tage dauern. Unter den Opfern ist auch ein Schweizer

Hunderte Bergungskräfte haben am Montag im dichten Schnee nach Trümmern der nahe Moskau abgestürzten Linienmaschine gesucht. Angesichts der widrigen Bedingungen könnte es eine Woche dauern, bis alle Wrackteile und Leichen der Insassen geborgen sind, hieß es bei den Behörden. Unter den 71 Opfern waren laut Passagierliste drei Ausländer, darunter ein Schweizer. Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die Ermittler vom inzwischen geborgenen Flugdatenschreiber.

Die Antonow An-148 der russischen Fluggesellschaft Saratow Airlines war am Sonntag auf dem Weg zur Ural-Stadt Orsk kurz nach dem Start in Moskau im 70 Kilometer entfernten Bezirk Ramenski in ein schneebedecktes Gebiet gestürzt. Angaben von Augenzeugen, wonach die Maschine bereits vor dem Absturz in Brand geraten sei, wiesen die Ermittler inzwischen zurück. Die Maschine sei erst auf dem Boden explodiert und in Flammen aufgegangen.

Unklar war zunächst weiter, was zum Absturz der Maschine führte. Das russische Ermittlungskomitee nannte menschliches Versagen, schlechtes Wetter, einen technischen Defekt oder Missachtung der Sicherheitsbestimmungen als mögliche Unglücksursachen. Russland verzeichnete zuvor tagelange Rekordschneefälle, und zum Unglückszeitpunkt soll schlechte Sicht geherrscht haben.

Der Schnee erschwerte auch die Bergungsarbeiten. Teilweise mussten sich die Suchmannschaften und Ermittler durch hüfthohen Schnee kämpfen. Die Trümmerteile waren im Umkreis von 30 Hektar verteilt.

An Bord der Antonow An-148 waren 65 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Ihre Leichen seien so verstümmelt, dass eine Identifizierung nur mit Hilfe von DNA-Proben möglich sei, teilte das Ermittlungskomitee mit.

Die meisten Opfer stammten nach Behördenangaben aus dem Bezirk Orenburg, in dem Orsk liegt. Auf der Passagierliste fanden sich jedoch auch ein Ingenieur aus der Schweiz, ein Aserbaidschaner und ein Kasache. Zu den Opfern zählten zudem drei Kinder sowie eine Sängerin. Der Mitarbeiter der Schweizer Firma Burckhardt Compression war auf dem Weg nach Orsk, um den Aufbau einer neuen Turbine der dortigen Raffinerie zu betreuen, wie der Betreiber mitteilte.

Bei der An-148 des ukrainischen Herstellers Antonow handelt es sich um ein zweimotoriges Kurzstreckenflugzeug mit einer Kapazität von bis zu 85 Passagieren. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2004 wurden mindestens fünf bedenkliche Vorfälle mit dem Fahrwerk, dem Stromsystem und dem Leitsystem bekannt.

Die Maschine der Saratow-Airlines wurde 2010 gebaut und ist seit einem Jahr im Besitz der Fluglinie. Sie war demnach erst im Januar gewartet worden. Obwohl dabei kein technisches Problem festgestellt wurde, suspendierte die Fluglinie vorerst alle Flüge mit Maschinen desselben Typs.