Schnabel: EZB-Reaktion auf Marktstress situationsabhängig

(Bloomberg) -- Die Reaktion der Europäischen Zentralbank auf eine Panik an den Anleihemärkten wird von den Umständen abhängen, mit denen sie zu tun hat, sagte Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Dienstag.

Dank vorhandener Absicherungen sei das Risiko der so genannten Fragmentierung - also eines “ungerechtfertigten” Anstiegs der Anleiherenditen der höher verschuldeten Mitglieder des Euroraums - heute weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Jahren, sagte Schnabel, die bei der EZB für die Märkte zuständig ist.

Trotz des Ausverkaufs bei Anleihen seit Bekanntgabe der Straffungspläne der EZB spiegeln Schnabels Äußerungen einen sich abzeichnenden Konsens im EZB-Rat wider. Demnach bringe eine vorschnelle Präsentation eines neuen Instruments kaum Vorteile, liefert die Währungshüter aber dem Risiko aus, vom Markt auf die Probe gestellt zu werden.

Die EZB gab am Mittwochmorgen bekannt, dass sie im Laufe des Tages eine Sondersitzung abhalten werde “um die aktuellen Marktbedingungen zu diskutieren”, sagte ein Sprecher.

“Wie wir letztlich auf die Risiken einer Fragmentierung reagieren, hängt ganz von der Situation ab, mit der wir konfrontiert sind”, sagte Schnabel am Dienstagabend in Paris. “Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir uns flexibel und schnell an die jeweiligen Umstände anpassen können.”

Bloomberg berichtete im April, dass die EZB an einem neuen Instrument arbeite, das im Falle eines Absturzes der Anleihen von schwächeren Ländern der Eurozone eingesetzt werden soll. Bisher hatte die EZB erklärt, lediglich Gelder aus früheren Ankäufen von Vermögenswerten verwenden zu wollen, um mögliche Probleme anzugehen.

Investoren, die sich an großformatige Marktinterventionen der EZB gewöhnt haben, sind noch nicht überzeugt, dass die Notenbank die Fremdkapitalkosten anheben und gleichzeitig die Anleiherenditen der am stärksten gefährdeten Mitglieder der Region in Schach halten kann.

Renditen von Italiens 10-jährigen Anleihen stieg diese Woche zum ersten Mal seit 2014 über 4%, während die Renditedifferenz gegenüber Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Mai 2020 geklettert ist ist.

Schnabel sagte, die EZB werde „Änderungen der Finanzierungsbedingungen, die über fundamentale Faktoren hinausgehen und die geldpolitische Transmission gefährden“, nicht tolerieren.

Als Beispiele für die Fähigkeit der politischen Entscheidungsträger, auf verschiedene Arten von Marktstress zu reagieren, verwies sie auf das Pandemie-Notkaufprogramm der EZB, welches flexibel und befristet war, sowie das Konzept der Outright Monetary Transactions.

Letztere hatte der ehemalige Präsident Mario Draghi in den Raum gestellt unter der Prämisse, “alles zu tun, was nötig ist”, um den Euro zu retten. Eine Volumenbeschränkung gab es hierfür nicht, jedoch strenge Bedingungen. Auf neue Notfälle könne die EZB mit bestehenden oder auch neuen Instrumenten reagieren, so Schnabel.

„Diese Instrumente könnten wieder anders aussehen, mit anderen Bedingungen, anderer Dauer und anderen Schutzmaßnahmen, damit wir fest im Rahmen unseres Mandats bleiben“, sagte sie.

Bei einer Inflation von derzeit über 8% deutet der abschließende Kommentar darauf hin, dass potenzielle Käufe von Vermögenswerten zur Eindämmung der Renditedifferenzen sterilisiert werden könnten. Das bedeutet, die durch den Kauf geschaffene Liquidität würde dem Markt entzogen.

Entsprechend hatte sich bereits das französische Ratsmitglied François Villeroy de Galhau geäußert.

Schnabel sagte, Geldpolitik „kann und sollte“ auf eine ungeordnete Neubewertung von Risikoprämien reagieren.

„Unser Bekenntnis zum Euro ist unser Anti-Fragmentierungs-Werkzeug“, sagte sie. „Diese Verpflichtung kennt keine Grenzen. Und unsere Erfolgsbilanz, bei Bedarf einzugreifen, untermauert diese Verpflichtung.“

Überschrift des Artikels im Original:

Schnabel Says ECB Fragmentation Response Hinges on Situation (2)

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