Nach schmutzigem Wechsel-Poker: Modeste geht doch nach China

Nach langen Verhandlungen wechselt der Franzose Anthony Modeste, 25-mal in der vergangenen Saison für den 1. FC Köln erfolgreich, doch nach China.

Abflug nach China statt Arbeitsgericht: Anthony Modeste wird nach langem Verhandlungs-Hickhack nun doch seinen Spind am Geißbockheim räumen und nach China zu Tianjin Quanjian wechseln. Dies bestätigten die Kölner am Mittwochabend ohne Angaben zu Vertragsmodalitäten.

Nach Informationen der Bild-Zeitung wird Modeste zunächst für sechs Millionen Euro zwei Jahre ausgeliehen. Anschließend bestehe für die Chinesen eine bindende Kaufoption über 29 Millionen Euro. "Der 1. FC Köln dankt Anthony Modeste für seinen Einsatz im FC-Trikot und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute", hieß es in der Klubmitteilung. "Alle relevanten Parteien" hätten sich geeinigt.

Durch die Einigung wurde der für Donnerstag angesetzte Kammertermin vor dem Arbeitsgericht Köln hinfällig und ein trauriger Höhepunkt dieser tagelangen Schlammschlacht vermieden. "Der für morgen anberaumte Gerichtstermin ist abgesagt", sagte FC-Anwalt Stefan Seitz der Bild.

Rekordtransfer mit Modeste erreicht

Mit dem Modeste-Verkauf realisiert Köln einen Vereins-Rekordtransfer. 2012 war Lukas Podolski für 15 Millionen Euro zum FC Arsenal gewechselt. Modeste soll per annum im Reich der Mitte zehn Millionen Euro netto einstreichen. Als Ersatz hatten die Kölner bereits den Kolumbianer Jhon Cordoba vom FSV Mainz 05 für 17 Millionen Euro verpflichtet.

Modeste hatte im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens auf seine Wiederteilnahme am Trainingsbetrieb geklagt und wollte entsprechend auch ins Trainingslager der Geißböcke nach Österreich nachreisen. Der französische Goalgetter war von den Geißböcken für das Trainingslager in Bad Radkersburg nicht berücksichtigt worden.

Am Sonntag hatte sich Modeste offenbar geweigert, den vorgelegten Auflösungsvertrag zu unterschreiben. Angeblich verlangte er, dass der FC in Zukunft mögliche Steuer-Risiken in China übernehmen sollte. Davon wollte Manager Jörg Schmadtke (53) aber nichts wissen. Für eine Bestätigung des Transfers war Schmadtke am Mittwochabend zunächst nicht erreichbar.

Schon am vergangenen Donnerstag hatte es Medienberichte gegeben, wonach der Transfer nach langem Poker nach China perfekt sei. Schmadtke betonte allerdings, dass noch nichts unterschrieben sei. Modestes Vertrag in Köln hatte noch eine Laufzeit bis 2021; es gab keine Ausstiegsklausel.

Trauriger Höhepunkt eines Wechsel-Pokers

Trainer Peter Stöger hatte sich zuletzt ziemlich relaxt gegeben, wenn er auf das Transfer-Theater angesprochen wurde. "Du hast jeden Tag einen neuen Stand, daher ist das für uns kein Problem", hatte der Österreicher betont und legte am Mittwoch noch mal nach: "Ich trainiere mit den Spielern, die mir der Verein zur Verfügung stellt."

Zuletzt hatte Modeste die Domstadt wochenlang in Atem gehalten. Seine Berater sorgten mit Millionenforderungen an den FC für Verdruss beim Europa-League-Starter. Außerdem wollte Tianjin plötzlich die Ablöse nur in Raten abstottern. Zu viel für den ersten Bundesliga-Meister, der die Verhandlungen mit dem Klub aus der chinesischen Super League zwischenzeitlich für beendet erklärt hatte, um dann doch weiterzuverhandeln.

Montag vergangener Woche war Modeste von den Fans beim Kölner Trainingsauftakt noch groß gefeiert worden. Mit "Tony, Tony"-Sprechchören und "Modeste"-Reimgesängen rührten die mehr als 1000 Anhänger am Geißbockheim den 29-Jährigen zu Tränen. Am Ende verschenkte er sogar Trikot und Hose, bevor er wegen seines nicht abgesprochenen Medizincheck-Trips nach Fernost bei den FC-Bossen zum Rapport antreten musste.