Landwirtschaftsminister Schmidt will Schweinepestverordnung verschärfen

Furcht vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest

Angesichts eines mögliches Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Schweinepestverordnung verschärfen. Die Überarbeitung werde in Kürze vorgelegt und ziele unter anderem auf die Bejagung von Wildschweinen und "Desinfektionsmaßnahmen in größerem Rahmen", sagte er am Donnerstag vor einer Sonder-Agrarministerkonferenz in Berlin. Der WWF kritisierte den "Ruf nach Jagd als Allheilmittel" als "puren Aktionismus".

Bauern, Jäger sowie die Politik befürchten, dass Wildschweine insbesondere in den Grenzgebieten Wurst von infizierten Tieren fressen könnten und sich dabei anstecken. In Tschechien wurden Fälle der Afrikanischen Schweinepest rund 300 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt festgestellt.

Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich. "Aber der Mensch kann den Erreger nach Deutschland bringen, etwa unter den Schuhen oder am Autoreifen. Auch ein weggeworfenes Wurstbrot, das vielleicht in Weißrussland geschmiert worden ist, kann für einen Ausbruch in Deutschland sorgen", sagte Schmidt den Zeitungen Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Hygienemaßnahmen haben oberste Priorität."

Der Minister hält Deutschland für gut vorbereitet auf einen möglichen Ausbruch. "Wir haben mit den Ländern im November eine Übung für den Fall des Ausbruchs durchgeführt, um bestmöglich vorbereitet zu sein", sagte Schmidt den Zeitungen.

Schmidt betonte vor Beginn der Ministerkonferenz, dass es sich dabei um kurzfristige Maßnahmen handele. Zur langfristigen Bekämpfung der Seuche habe er das Friedrich-Löffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gebeten, die Forschung zu einem Impfstoff "mit allen Mitteln zu beschleunigen". Bislang gibt es weder Medikamente noch einen Impfstoff gegen die Krankheit.

"Wenn die Afrikanische Schweinepest zu uns kommen sollte, muss sie ein regionales Phänomen bleiben", mahnte Schmidt an. Daher müssten Wildschweine und Nutztiere konsequent voneinander abgeschottet bleiben.

Der Landwirtschaftsminister sagte den Zeitungen, je stärker der Wildschweinbestand in Deutschland reduziert werde, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Ausbreitung der Seuche: "Um das Ziel zu erreichen, müssen auch die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben werden", forderte Schmidt. Einige Bundesländer zahlten beispielsweise Abschussprämien - "auch das kann helfen".

Der WWF bemängelte, die Forderung nach der Tötung der meisten Wildschweine lenke von den Ursachen der gewachsenen Bestände ab: "Seit der großflächige Anbau von Mais und Raps in Deutschland stark zugenommen hat, gehen die Wildschweinzahlen durch die Decke", erklärte WWF-Naturschutzleiterin Diana Pretzell. Die Landwirtschaftsminister der Bundesländer könnten etwa Weidehaltung fördern oder vierjährige Fruchtfolgen in bestimmten Fällen verpflichtend machen, schlug sie vor.