Schmerzhafte Rückkehr auf Zeit für einstige Bewohner Marawis

Frau in den Trümmern ihres Hauses

Fast ein Jahr nach ihrer Flucht aus der umkämpften philippinischen Stadt Marawi sind am Sonntag die ersten Bewohner kurzzeitig zurückgekehrt. In den Trümmern ihrer beim Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zerstörten Häuser suchten die teils in Tränen aufgelösten Menschen nach noch Brauchbarem. Insgesamt wurde am Sonntag rund 7000 Menschen der Besuch erlaubt.

"Ich habe vor Wut und Schmerz geweint", sagt Samsida Mangcol, nachdem sie sah, was von ihrem Brautmodengeschäft übrig geblieben ist. Auf eine der Wände hat jemand "Ich liebe den IS" gesprüht. Die 44-jährige Mutter von drei Kindern klagte: "Ich habe Kleider verliehen, aber nun bin ich eine Bettlerin, die ihre Verwandten um Essen und Kleidung bitten muss."

In den nächsten Wochen dürfen Gruppen von Bewohnern jeweils für bis zu drei Tage in die zerstörte Stadt zurück, um Habseligkeiten zu retten, bevor mit dem Wiederaufbau der Stadt im Süden der Philippinen begonnen wird. Die einst 200.000 Bewohner leben entweder bei Verwandten in anderen Städten oder in Lagern.

Fünf Monate lang hatten sich Soldaten und IS-Kämpfer eine erbitterte Auseinandersetzung um die Stadt geliefert. Im Oktober hatte die philippinische Regierung die Kämpfe für beendet erklärt. Noch liegen nach Angaben der Armee 53 Blindgänger in der Stadt, hinzu kämen vom IS hinterlassene Sprengfallen.

Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch. Im Mai 2017 hatten sich Islamisten in Marawi auf der südphilippinischen Insel Mindanao festgesetzt, um dort nach dem Vorbild des IS ein Kalifat auszurufen. Die philippinischen Regierungstruppen wurden in ihrem Kampf gegen die Islamisten von den USA unterstützt.

Die muslimische Minderheit auf den Philippinen sieht den Süden des Landes als ihre angestammte Heimat an. Muslimische Rebellen kämpfen dort seit den 70er Jahren um die Unabhängigkeit oder Autonomie. Die größte muslimische Rebellengruppe, die Moro Islamische Befreiungsfront (Milf), führt indes Verhandlungen mit der Regierung für ein Ende des Aufstands und distanziert sich vom IS.