Schluss mit dem chinesischen Transfer-Wahnsinn

Sein Wechsel nach China hatte im Sommer für viel Wirbel in Köln gesorgt. Richtig glücklich scheint der Franzose in Asien aber nicht zu sein.

Am Dienstag stellen sich Pierre-Emerick Aubameyang und Mario Götze in Guangzhou vor, tags darauf präsentieren sich Franck Ribéry und Robert Lewandowski in Shanghai. Doch die berühmten Profis werden nicht als neue Superstars der chinesischen Top-Klubs Evergrande oder Shenhua begrüßt, sondern auf Marketingreise mit Borussia Dortmund und Bayern München. Denn der millionenschwere Transferboom, der Spitzenspieler reihenweise ins Reich der Mitte lockte, ist vorbei.

Kein Aubameyang und kein Ribéry, kein Wayne Rooney und kein Diego Costa. Nicht einmal der Transfer von Kevin Kampl hat in diesem Sommer geklappt - die einstige Spieleroase, die noch im vergangenen Winter irrwitzige Ablösesummen und verrückte Gehälter versprach, ist ausgetrocknet. Manager Alexander Rosen von Bundesligist 1899 Hoffenheim fühlt sich an den russischen Markt erinnert, "das war auch bald vorbei". Chinas Verband CFA habe den "Wahnwitz selbst reguliert".

China setzt auf Nachwuchsfußball

In der Tat: Seit Juni ist bei Spieler-Importen eine Steuer von 100 Prozent der Ablösesumme fällig, sofern der betroffene Kicker mehr als 45 Millionen Yuan kostet (5,8 Millionen Euro). Das erklärte Ziel der Regierung: "Irrationale Ausgaben" eindämmen. Die Steuer kommt der Entwicklung des Nachwuchsfußballs zugute.

Diesen hatte die CFA auch im Blick, als sie die Anzahl nichtasiatischer Spieler pro Klub auf vier reduzierte, von denen nur drei gleichzeitig eingesetzt werden dürfen. Für jeden von ihnen muss zudem ein chinesischer U23-Spieler mit auf dem Platz stehen. Die klare Botschaft: Schluss mit dem Millionen-Wahnsinn!

Die Maßnahmen hätten den Markt "gekillt", sagt Simon Chadwick, Professor für Sportgeschäfte in Manchester: "Der Staat hat gesprochen - und wenn der Staat spricht, wird erwartet, dass die Leute zuhören." Die Folge sei der aktuelle Sparkurs.

Sparkus in China erkennbar

Bis zur Schließung des Transferfensters in China am vergangenen Freitag gab die Super League in diesem Sommer gerade einmal 28,5 Millionen Euro aus - für über 110 Spieler. Dortmunds Adrian Ramos (zu Chongqing Lifan) sprengte mit zwölf Millionen Euro als einziger die Obergrenze, ab der die Steuerregel greift. Im vergangenen Winter gab die Liga noch 402,5 Millionen Euro aus, im Sommer davor 139,5 - insgesamt also 542 Millionen. Das bedeutete Platz 6 in der Welt, direkt hinter den fünf großen europäischen Ligen. Mit einem Minus von über 390 Millionen Euro lag China hinter der englischen Premier League auf Rang zwei.