Schleppende Sanierung: Zwei Drittel aller Kölner Radwege sind marode

Der Fahrradanteil am Gesamtverkehr liegt nur bei 15 Prozent.

Wer auf den insgesamt 600 Kilometer langen Radwegen in der Stadt unterwegs ist, kennt das Gefühl, auf marodem Asphalt durchgeschüttelt zu werden und sich angesichts verschnörkelter Streckenverläufe fragen zu müssen, wie und wo genau man eigentlich weiterfahren soll. „Wir arbeiten daran, die Situation zu verbessern, aber es wird noch etwas länger dauern, bis wir fertig sind“, räumt Klaus Harzendorf, Leiter des Amts für Straßen und Verkehrstechnik, ein.

Zwar steigen den Messungen der Stadt zufolge immer mehr Kölner auf das Fahrrad, aber die Wachstumsraten sind noch viel zu gering, um die ehrgeizigen Klimaziele der Stadt zu erreichen.

2008 lag der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in der Stadt bei lediglich zwölf Prozent. Zum Vergleich: In Europas Rad-Metropole Kopenhagen waren es damals bereits 36 Prozent. In Köln sind es zurzeit geschätzt 15 Prozent – das würde innerhalb von neun Jahren eine Steigerung von gerade einmal drei Prozent bedeuten.

Die Daten werden zurzeit aktualisiert, um ein genaueres Ergebnis zu erhalten. „Wir wollen uns bis Ende der 2020er Jahre einem Anteil von 33 Prozent nähern“, sagt Verkehrsdezernentin Andrea Blome.

Ein Drittel der Radwege müsste vollständig neu geplant werden

Um das Ziel zu erreichen, muss in den kommenden Jahren allerdings einiges geschehen. Die Stadt geht davon aus, dass sich lediglich ein Drittel der Radwege in einem Zustand befindet, der als „in Ordnung“ beschrieben wird. Ein Drittel müsste saniert werden und ein Drittel müsste vollständig neu geplant werden, weil die Qualität nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. So sind viele Radwege zu schmal, um weitere Radfahrer aufnehmen zu können.

Während die Verwaltung in der Umsetzung bestehender Konzepte nur in kleinen Schritten voran kommt und von Bürgerinitiativen wie „Ring frei“ dafür kritisiert wird, rühmen sich die Verantwortlichen dafür, zumindest im Zählen bundesweit ganz weit vorne zu sein. So gibt es seit 2008 Messstellen, die erfassen, wie viele Radfahrer an diesen jeden Tag vorbeifahren.

Bislang befinden sich die Geräte an elf Standorten im Linksrheinischen, weitere sollen bis zum Ende des Jahres hinzu kommen, einige auch im Rechtsrheinischen. „In diesem Bereich schauen viele andere Städte durchaus mit Neid auf uns“, sagt Amtsleiter Klaus Harzendorf.

Die Zählstelle, von der die meisten Radfahrer erfasst werden, befindet sich an der Venloer Straße in Ehrenfeld. Das Zählen hat dabei durchaus eine größere Bedeutung. „Wir können damit zum Beispiel die Wirkung unserer Maßnahmen überprüfen“, sagt der städtische Fahrradbeauftragte Jürgen Möllers. Sein Team und er könnten so etwa sehen, was passiert, wenn Hauptverkehrsachsen für den Radverkehr optimiert werden. Die gesammelten Daten, die ab sofort auch öffentlich auf der städtischen Internetseite abrufbar sind sollen zudem in das künftige städtische Verkehrsmodell einfließen, das erstmals neben dem Autoverkehr auch den Radverkehr erfasst.

Blome will Stadt mit Rad erkunden

Andrea Blome will noch in diesem Sommer mit dem Rad durch die Stadt fahren. „Ich will das am eigenen Leib erfahren und alle darin bestärken, in der Innenstadt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein – einschließlich unserer Oberbürgermeisterin“, so die Verkehrsdezernentin. OB Henriette Reker hatte vor kurzem bei einer öffentlichen Veranstaltung gesagt, dass sie Angst habe, in Köln Fahrrad zu fahren. „Wir brauchen mehr Radfahrer, um unseren Verkehrsmix zu verbessern“, so Blome. Verkehrsexperten halten das Fahrrad für das einzige Verkehrsmittel, das in Köln kurzfristig einen Zuwachs haben kann....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta