Zu schlechte Luft: Airline setzt Flüge nach Neu Delhi aus

Die ohnehin sehr hohe Luftverschmutzung in der 17-Millionen-Metropole Neu Delhi hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verschlimmert. Foto: Altaf Qadri

Zu dreckig, um dort zu landen: United Airlines will es seinen Kunden derzeit nicht antun, sie in die indische Hauptstadt Neu Delhi zu fliegen. Auch Pakistan liegt unter einer Glocke von Smog.

Chicago/Neu Delhi (dpa) - Die US-Fluggesellschaft United Airlines stoppt vorübergehend ihre Flüge nach Neu Delhi, weil die Luft dort so verschmutzt ist. Die Maßnahme gelte zunächst bis Montag. Betroffene Fluggäste könnten kostenlos umbuchen. Auch auf dem Flughafen von Lahore in Pakistan fielen 60 Flüge aus.

In Pakistans Provinzen Punjab und Multan starb wegen des Smogs ein Mensch, sechs weitere wurden verletzt. Grund waren mehrere Autounfälle - die Sichtweite auf den Straßen war in dem dichten Nebel auf teils nur wenige Meter gesunken, wie das Nachrichtenportal «Geo News» berichtete. Die Krankenhäuser sind voll mit Patienten, die an Atemwegserkrankungen und Augeninfektionen leiden.

Nicht anders sieht es in der Hauptstadt des benachbarten Indiens aus. Die Luftqualität in Neu Delhi verschlechterte sich am Sonntag weiter, die meisten Messstationen der 17-Millionen-Metropole meldeten gesundheitsgefährdende Feinstaub-Werte. Die ohnehin sehr hohe Luftverschmutzung hatte sich in der vergangenen Woche deutlich verschlimmert. Viele Menschen trugen Atemmasken.

Die durchschnittliche Konzentration des PM10-Feinstaubs lag nach offiziellen Angaben mehr als 45 Mal über dem Höchstwert, der laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahresdurchschnitt für die Gesundheit noch unbedenklich ist. Die Konzentration des noch gefährlicheren Feinstaubs PM2.5 ist nach den Zahlen des Regierungschefs im Durchschnitt diesen Monat sogar 75 Mal so hoch wie der Jahresdurchschnitt-Höchstwert der WHO.

Aktivisten haben in der vergangenen Woche am Triumphbogen India Gate in Delhi einen PM2.5-Wert von 1501 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Zum Vergleich: In Stuttgart wurde am Tag der höchsten Feinstaub-Belastung in diesem Jahr ein Wert von 202 Mikrogramm des weniger gefährlichen Feinstaubs PM10 gemessen.

Delhi erlebt jeden Winter starken Smog, weil sinkende Temperaturen und das Fehlen von Wind Feinstaub-Partikel nahe dem Boden festhalten. Eine hohe Luftfeuchtigkeit von rund 98 Prozent verschärft die Situation, wie ein Experte der indischen Wetterbehörde sagte. Erst am Dienstag und Mittwoch soll demnach leichter Regen den Smog lindern.

Ein Grund für die Verschlechterung der Luftqualität ist das eigentlich verbotene Verbrennen von Ernterückständen durch Bauern in der Region. Hinzu kommen starke Emissionen von Verkehr und Industrie sowie Staub von Baustellen. In Delhis armen Vierteln verbrennen die Menschen zudem häufig Müll auf den Straßen, um Kochen zu können.

Die US-Fluggesellschaft United Airlines stoppte am Samstag wegen der Luftverschmutzung vorübergehend ihre Flüge nach Neu Delhi. Die Maßnahme gelte zunächst bis Montag, hieß es auf der Webseite des Unternehmens. Betroffene Fluggäste könnten kostenlos umbuchen.

Um die dramatische Smogbelastung zu verringern, hatten die Behörden in der indischen Hauptstadt kürzlich Notmaßnahmen beschlossen. Demnach werden auf unbestimmte Zeit alle Bauarbeiten gestoppt und nur Lastwagen mit unentbehrlichen Gütern dürfen in der Stadt fahren. Die Benutzung von Diesel-Generatoren wurde verboten.

Ein Plan, in der kommenden Woche wie bereits im vergangenen Jahr jedes zweite Auto aus dem Verkehr zu ziehen, indem an abwechselnden Tagen nur Autos mit geraden beziehungsweise ungeraden Nummern auf den Kennzeichen fahren dürfen, wurde indes abgeblasen. Ein Umweltgericht hatte von der Stadtregierung geplante Ausnahmen für zweirädrige Fahrzeuge und Frauen nicht gelten lassen.

Die Regierung schloss zudem Schulen und rief Senioren, Kinder und Menschen mit Herz- und Lungenkrankheiten dazu auf, im Haus zu bleiben und körperliche Aktivitäten zu vermeiden. Wie der stellvertretende Regierungschef der Hauptstadtregion um Neu Delhi erklärte, wird zudem erwogen, Feuerwehrautos dazu zu verwenden, Wasser zu versprühen, um so die Feinstaubpartikel aus der Luft zu bekommen.