Schlechte Karten in Abu Dhabi

Der Streit zwischen Katar und den anderen Golfstaaten greift nun auf europäische Banken über: Abu Dhabi plant einen informellen Boykott gegen Banken, an denen Katar beteiligt ist – mit Konsequenzen für die Deutsche Bank.


Der Deutschen Bank drohen geschäftliche Nachteile in der Golfregion: Das Emirat Abu Dhabi hat einem Bericht der „Financial Times“ zufolge einen informellen Boykott gegen westliche Banken in Kraft gesetzt, an denen der verfeindete Nachbar Katar größere Beteiligungen hält. Die katarische Herrscherfamilie ist über zwei Fonds mit rund neun Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Betroffen sind vom Boykott auch Credit Suisse, an denen Katar zu fünf Prozent beteiligt ist, und Barclays, an denen Katar sechs Prozent hält.

Dem Bericht zufolge haben Vertreter Abu Dhabis anderen Bankern gesagt, dass Institute wie Barclays, Credit Suisse oder Deutsche Bank in den nächsten Monaten vermutlich keine bedeutenden Mandate in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gewinnen dürften, weil an ihnen der katarische Staatsfonds oder die Herrscherfamilie beteiligt seien. „Was uns berichtet wurde, ist ein informeller Boykott, wir können da nichts tun“, zitiert die Zeitung einen der betroffenen Banker anonym.

Die betroffenen Banken äußerten sich zu dem Bericht nicht. Ein solcher Schritt Abu Dhabis wäre eine weitere Eskalation des Nachbarschaftskonflikts am Golf: Dort versucht eine Koalition aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein und Ägypten den Golfstaat Katar, der bislang eine recht eigenständige außenpolitische Linie verfolgte, mit einem Wirtschaftsboykott auf Linie zu bringen. Offiziell wirft diese Koalition Katar vor, den Terrorismus zu unterstützen, was das erdgasreiche Emirat bestreitet.


Ein Boykott würde den betroffenen Instituten geschäftlich schaden. Die Deutsche Bank beschäftigt in dem Emirat 180 Mitarbeiter und machte 2016 dort 28 Millionen Euro Umsatz. Denn die Ölmonarchien am Golf wollen in den nächsten Jahren ihre Wirtschaft diversifizieren und werden dazu auch die Kapitalmärkte anzapfen. Dafür werden sie für Anleihen oder große Kredite auch Mandate an Investmentbanken vergeben müssen. Vertreter von Deutsche Bank und Credit Suisse, die zunächst zu Präsentationen für bestimmte Mandate eingeladen worden waren, sind dem Bericht zufolge für einige Deals wieder ausgeladen worden.

In dem Konflikt hatten die Gegner Katars immer wieder mit dem Gedanken gespielt, ihre Sanktionen auf internationale Unternehmen auszuweiten, die mit Katar in geschäftlichem Kontakt stehen. Westliche Regierungen hatten die Koalition vor diesem Schritt gewarnt. Doch gegen einen unerklärten Boykott lässt sich nicht viel ausrichten.

KONTEXT

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand - und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.