Insider Schlappner: Das steckt wirklich hinter dem China-Deal

Reinhard Franke
Klaus Schlappner war von 1980 bis 1987 und von Januar bis Oktober 1996 Trainer von Waldhof Mannheim

Waldhof Mannheim verbindet man automatisch mit dem Namen Klaus Schlappner.

Der 77-Jährige hatte als Trainer seine erfolgreichste Zeit beim heutigen Regionalligisten. Zwischen 1980 und 1987 coachte Schlappner Waldhof, 1983 führte er den Klub in die Bundesliga und erwarb sich damit Kult-Status weit über Mannheim hinaus.

Zwischen 1992 und 1995 war Schlappner Trainer der chinesischen Nationalmannschaft und technischer Berater des dortigen Fußballverbandes.

Zuletzt war sein Rat wieder mal gefragt, weil die chinesische U20 demnächst in der Regionalliga außer Konkurrenz mitspielen wird.

Vor dem Regionalliga-Spiel Waldhof gegen SV Elversberg (ab 19.45 LIVE im TV bei SPORT1) spricht Schlappner im SPORT1-Interview über Waldhof, den FC Bayern und seine Zeit in China.

SPORT1: Herr Schlappner, wie sehr haben Sie den SV Waldhof noch im Blick?

Klaus Schlappner: Man spricht mich immer auf Waldhof an und bringt mich mit der erfolgreichsten Zeit des Klubs in Verbindung. Das tut mir gut. Ich habe mich in den vergangenen Jahren aber auch maßlos über die Situation um Waldhof geärgert. Mannheim ist eine Fußball-Stadt und jeder erinnert sich gerne an die Bundesliga-Zeit. Die vergangenen Jahre verliefen dämlich.

SPORT1: Was genau lief falsch?

Schlappner: Der Meister einer Saison muss aufsteigen. Die Relegation spiegelte nicht die Leistung wieder, die Waldhof gebracht hatte. Das betraf auch Elversberg. Waldhof stabilisiert sich Stück für Stück, aber der Verein spielt leider nur in der Regionalliga. Wenngleich diese Liga enormes Potenzial hat. Und sie hat eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit verdient.

SPORT1: Zuletzt gab es Ärger, weil die chinesische U20 in der Regionalliga außer Konkurrenz mitspielen wollte. Waldhof drohte mit Boykott. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Schlappner: Ich sehe das schmerzfrei. Der Klub, der nicht dabei sein will, soll nein sagen. Es ist aber kein kommerzielles Projekt. Es ist viel Arbeit, die sich der DFB da aufgehalst hat, um dem Kooperationsvertrag zwischen Deutschland und China gerecht zu werden. Das war ein Hilfeschrei der Chinesen ähnlich wie die Deutschen früher in Richtung Asien, Japan und China geschrieen haben, wenn es darum ging Tischtennis-Spieler und deren Trainer oder Badminton-Spieler auszubilden. Ich hätte es lieber gesehen, wenn man das den Vereinen und den Fans in aller Ruhe präsentiert hätte. Einen schnelleren Marketing-Transfer gibt es nicht.

SPORT1: Wie meinen Sie das?

Schlappner: Alle Spieler sind in den chinesischen Medien präsent. Vereine profitieren von Firmen, die mit China große Geschäfte machen und das ist eine gute Möglichkeit etwas zurückzugeben. Der Fußball spielt im großen Kooperationsvertrag zwischen Deutschland und China eine wichtige Rolle, denn Präsident Xi Jinping ist ein großer Fußball-Fan. Der chinesische Fußball braucht deutsches Flair. Die Fußball-Kultur ist in den chinesischen Familien nicht vorhanden, da wird lieber über Pingpong gesprochen. Ich halte das Projekt, die U20 in der Regionalliga mitspielen zu lassen, für gut. Es steht jedem frei, nein zu sagen, auch Waldhof.

SPORT1: Es gab einen Kompromiss...

Schlappner: 16 Klubs werden sich an dem Projekt beteiligen und an den Tagen, an denen Waldhof, Offenbach und Stuttgart nicht spielen, gibt es andere Paarungen. Für die Chinesen ist es wichtig, regelmäßig zu spielen und nicht nur Turniere in China zu bestreiten, die nichts bringen. Sie brauchen den Druck von Spiel zu Spiel.

SPORT1: Waren Sie überrascht vom negativen Echo?

Schlappner: Ja. Mancher Trainer sagte, er wolle die zweite Elf spielen lassen. Da fasse ich mir an den Kopf. Ein Trainer muss doch neugierig sein auf solche Spiele und den Ehrgeiz haben, das mitzumachen. Das ist viel besser als jedes Jahr die gleichen Gegner in der Liga zu haben. Es ist immerhin die zukünftige Olympia-Auswahl von China. Wenn das kein Anreiz ist, dann weiß ich es nicht. Es ist doch wichtig für die Karriere eines Regionalliga-Trainers. Die U23 von Real Madrid kommt nicht vorbei und der Regionalligist bekommt noch Geld. Sportlich kann ich das nicht nachvollziehen.

SPORT1: Sie waren nach Ihrer Zeit als Trainer in Deutschland einige Jahre als Nationalcoach in China tätig. Was machen Sie heute?

Schlappner: Ich mache immer noch eine Menge mit Fußball. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit dem Thema China. Sechs Jahre habe ich dort mit meiner Frau gelebt, ich war der erste Cheftrainer der Nationalmannschaft und habe in der 1. Liga die Polizeimannschaft trainiert. Seit 2012 kümmere ich mich um ein Projekt in Qingdao namens "Deutsch-chinesischer Ökopark". Ich wurde gebeten, in Zusammenarbeit mit dem DFB und der DFL einige Dinge voranzutreiben.

SPORT1: Nämlich?

Schlappner: Mittlerweile gibt es in China die erste Fußballschule des FC Bayern. Ich war zuletzt auch dort, als die Münchner auf Werbetour waren und habe mir angeschaut, wie sie das professionell aufziehen. Der Fußball in den Schulen spielt eine wichtige Rolle. Es werden Sportlehrer zu Jugend-Fußball-Trainern ausgebildet, weil die Chinesen noch nicht wissen, dass ein Sechsjähriger anders trainiert als ein Zehnjähriger. Ich habe mich bemüht, dass die Kinder seit diesem Jahr eine richtige Ausbildung in Trainingscamps kriegen, habe zudem eine Lehrfunktion für die Trainer. Deshalb bin ich sechs bis zehn Mal im Jahr in China.

SPORT1: Letzte Frage: Gibt es Ihren legendären Pepita-Hut noch?

Schlappner: Na klar. Ich hole den immer wieder hervor, wenn ich im Wald spazieren gehe und er wird in Ehren gehalten. Wenn ich mal ohne den Hut irgendwo auftauche, dann ist die erste Frage der Leute immer: "Wo ist denn der Hut?"