Schlaflose Nächte im Börsenjahr 2018?

Jochen Kauper

Die Aktienmärkte bieten Langfristanlegern ausgezeichnete Renditen. Doch die häufigen Kurskapriolen sind nicht jedermanns Geschmack. "Kursschwankungen gehören zur Börse wie die Nacht zum Tag. 2017 war in dieser Hinsicht ein ungewöhnliches Jahr mit einer nahezu konstant niedrigen Volatilität. Alle zuvor erkennbaren Risiken wie zum Beispiel die Wahlen in Frankreich haben sich in Wohlgefallen aufgelöst oder zu keinen nachhaltigen Effekten an den Finanzmärkten geführt. Das muss aber nicht immer so sein", sagt Marco Herrmann von der Fiduka Depotverwaltung.

Vorübergehende Verunsicherung möglich

Worauf müssen wir uns in 2018 einstellen? "Erster Stolperstein im neuen Jahr könnte das politische Ringen um die Schuldenobergrenze in den USA sein. Trotz einer florierenden Wirtschaft steigen dort die Staatsschulden stetig an und haben bereits die parlamentarisch festgelegte Obergrenze erreicht. Nun stehen zähe Verhandlungen mit den Demokraten an. Da Trump kein Mann der Kompromisse ist, könnte es vorübergehend zu einem ‚Government Shutdown‘ kommen und zumindest vorübergehend für Verunsicherung an den Finanzmärkten sorgen.

Irritationen dürften auch von weiteren Nachrichten zu den Sonderermittlungen in der „Russland-Affäre“ von Donald Trump ausgehen, die am Ende zu einem Rücktritt des Präsidenten führen könnten. Bis dahin sollte aber die Steuerreform unter Dach und Fach gebracht worden sein – für die Börse das wichtigste Wahlversprechen von Trump. Mit Mike Pence als Nachfolger würde es dann wieder etwas ruhiger in und um Washington werden.

Wahrscheinlich bereits im Frühjahr wird Italien ein neues Parlament wählen. In aktuellen Umfragen haben die Euro-kritischen Parteien die Nase vorn. Sofern aber die 5-Sterne Partei nicht offen für eine Koalition ist (mit wem auch?), dürfte es beim weiteren Durchwurschteln bleiben, was keine allzu große Gefahr für die Börsen darstellt.

Im Nord-Korea-Konflikt zeigen sich die involvierten Parteien glücklicherweise anscheinend gesprächsbereiter. Hier kann man nur hoffen, dass tatsächlich an einer Lösung des Konflikts gearbeitet wird. Eine Eskalation ist eher unwahrscheinlich, leider aber auch nicht gänzlich auszuschließen", sagt Herrmann.

Höhere Energiepreise 2018?

Ein anderes Pulverfass steht im Nahen Osten. "Spitzen sich die Spannungen zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und Ländern weiter zu, dürften wohl die Energiepreise spürbar anziehen mit folglich höheren Inflationsraten und Bremsspuren in der Weltwirtschaft. Insgesamt eine schwer einzuschätzende Situation, die es zu beobachten gilt. Denn, betrachtet man vergangene Korrekturphasen an den Aktienmärkten, gingen diese meist von anstehenden Rezessionen oder Inflationssprüngen aus, die mit aggressiven Zinserhöhungen bekämpft wurden. Trotz all dieser Gefahren – eigentlich sind die Aussichten für die europäischen Börsen sehr ordentlich: Solides Wirtschaftswachstum bei nur mäßiger Inflation und gleichzeitig niedrigen Zinsen – ganz nach dem Geschmack der Börsianer. Man muss aber kein Prophet sein, um für das nächste Jahr höhere Kursschwankungen als in 2017 zu prognostizieren. Auch wenn wir am Ende von den obigen Risiken keine nachhaltigen negativen Effekte auf die Börse erwarten, kann es nicht schaden, ein bisschen mehr Liquidität als üblich zu halten", lautet das Fazit von Marco Herrmann.