Die Schlösser, die niemand will: Warum pompöse Luxusbauten in Deutschland selbst zu Billigpreisen nicht verkauft werden

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Das 1890 erbaute Haus Hartenfels, ehemaliger Landsitz des Stahlindustriellen Peter Klöckner.
Das 1890 erbaute Haus Hartenfels, ehemaliger Landsitz des Stahlindustriellen Peter Klöckner.

Wohnen wie einst die preußische Königin – klingt erst mal wie ein Traum. Und man könnte meinen, dass traditionsreiche Luxusschlösser auch bei den Superreichen hoch im Kurs stehen. Die Domizile liegen meist fernab des städtischen Trubels im satten Grün und verfügen oft über eigenwillige Extras wie kleine Kapellen oder Ballsäle. Wie die „Wirtschaftswoche“ (WiWo) berichtet, finden sich für viele der Prunkbauten aber selbst zu Billigpreisen keine Käufer. Bei einigen bremst der Sanierungsbedarf das Interesse, andere stehen einfach am falschen Ort.

So etwa das Haus Hartenfels, ein zweigeschossiger Landsitz, der 1890 vom Stahlindustriellen Peter Klöckner gebaut wurde. Die Unternehmerdynastie wohnte bis 1942 in der Luxusimmobilie mit ihren Wintergärten, Erkern und Terrassen und streifte vermutlich des Öfteren durch den sechs Hektar großen Privatpark. Über Jahre stand das Privatschloss allerdings leer und wurde bei einer Sanierung vor einigen Jahren in einzelne Wohneinheiten aufgeteilt, so die WiWo. Der Verkauf will aber nicht so recht in Gang kommen: Nur drei der zwölf Einheiten sind der Wochenzeitung zufolge derzeit bewohnt.

Schlosswohnung schon ab 600.000 Euro

Und das, obwohl nicht alle Einheiten ein riesiges Loch ins Portemonnaie reißen. Während die größte Wohnung laut WiWo mit mehr als drei Millionen Euro Kaufpreis veranschlagt wird – zu den 300 Quadratmetern Wohnfläche gehört unter anderem ein eigener Ballsaal –, gibt es eine 120 Quadratmeter große Einheit mit ausladenden Terrassen schon für 600.000 Euro.

Kevin Seeger, Immobilienmakler bei Planet Home, schiebt die geringe Nachfrage auf den Standort Duisburg, nicht auf den Preis. Bei 7000 Euro pro Quadratmeter seien die Wohnungen zwar keine Schnäppchen, sagte er der WiWo, in München koste eine durchschnittliche Eigentumswohnung aber sogar mehr als das Schloss mit seiner Geschichte und seinem Privatpark. Die 1400 Euro Hausgeld im Monat würden potenzielle Käufer vielleicht abschrecken, angesichts der gebotenen Services seien sie aber gerechtfertigt, so Seeger weiter. Ein Hausmeister stehe direkt am Anwesen zur Verfügung, das Parkareal werde gepflegt und es gebe eine Sauna.

All das befindet sich aber in Duisburg. Und wer so viel Geld ausgibt, wolle nicht in einer Ruhrgebietsstadt mit schlechtem Image wohnen, so Seeger – auch wenn von Industrieschloten oder Problemvierteln im Haus Hartenfels natürlich weit und breit nichts zu sehen ist.

Notwendige Sanierungen und Bauvorschriften oft ein Problem

Abgesehen von der Lage seien die Bauwerke selbst oft das Problem, so die WiWo weiter. Die meisten Schlösser seien weder energieeffizient noch irgendwie gedämmt. Wie der Bund Deutscher Architekten dem Magazin bestätigte, sind sie außerdem oft in schlechtem Zustand und kaum wirtschaftlich nutzbar. Gerade in DDR-Zeiten seien solche Immobilien als Militärgebäude oder Kindergärten genutzt worden und stünden seit der Wiedervereinigung leer.

Dafür sei das eine Autostunde von Berlin entfernt gelegene Schloss Freienwalde ein Beispiel. Ende des 18. Jahrhunderts als Sommerpalais für das preußische Königshaus errichtet, wurde das Schloss 1909 vom späteren Außenminister Walter Rathenau erstanden. Aktuell befindet es sich im Besitz des Landkreises Märkisch-Oderland, der es vor einigen Jahren zum Verkauf anbot – für lediglich 330.000 Euro, so die WiWo. Ein Käufer fand sich trotz des Spottpreises nicht, auch weil weitere Investitionen von 2,5 Millionen Euro angestanden hätten. Hinzu komme der strenge Denkmalschutz in Deutschland, den auch vermögende Käufer beachten müssen. Und während Königin Friederike Luise 1798 vermutlich wenig über eine gute Telefon- oder Internetverbindungen nachgedacht hat, ist gerade das für die Superreichen des 21. Jahrhunderts ein wichtiges Kaufkriterium, so die WiWo.

sb

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