Schiri-Frust ausgerechnet bei der Heim-WM

Robin Wigger, Bernd Roetmann, Uli Pingel
Bundestrainer Michael Biegler und die Handball-Nationalmannschaft der Frauen mussten sich gegen Serbien mit einem Remis begnügen

Das Weiterkommen perfekt gemacht und den Gruppensieg weiter im Auge - eigentlich hätten die deutschen Handball-Frauen bei der WM im eigenen Land nach dem 22:22 gegen Serbien bester Laune sein müssen.

Eigentlich. Denn die letzten 30 Sekunden der Partie gegen Serbien verhagelten den Spielerinnen und besonders Trainer Michael Biegler die Stimmung vor dem vierten Gruppenspiel gegen China (ab 17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER).

30 Sekunden zwischen Freude und Frust

Deutschland lag mit einem Tor in Front. Biegler gab seinen Schützlingen die Vorgabe, den Ball möglichst nicht mehr herzugeben. Einen Freiwurf erkämpfen und dann die Führung irgendwie über die Zeit bringen, so die Idee.

Doch zwei Frauen durchkreuzten diesen Plan überraschend früh: Kjersti Arntsen und Guro Roen. Von Beruf Schiedsrichterinnen. Nach gerade einmal vier Pässen und drei Sekunden Spielzeit signalisierte das Duo aus Norwegen schon Zeitspiel.


Da die deutschen Handballerinnen anschließend nicht mehr zu einer klaren Angriffsaktion kamen, pfiffen die Referees den Angriff nach sechs weiteren Pässen ab.

Serbien nutzte die restlichen 13 Sekunden zum Ausgleich. Dass sich Kreisläuferin Dragana Cvijic beim entscheidenden Tor zumindest stürmerfoulverdächtig durchtankte, passte ins Bild. "Sie müssen mir die letzten 30 Sekunden erklären. Ich kann es nicht", sagte ein angefressener Trainer Michael Biegler bei SPORT1.

Auch Linksaußen Angie Geschke fand, dass "wir nicht so lange gespielt haben, dass ein Arm hochgehen muss".

Zum zweiten Mal Ärger

Ausgerechnet bei der Heim-WM macht sich Schiri-Frust beim DHB-Team breit. Bereits in der Auftaktpartie gegen Kamerun hatte das jungen Referee-Duo Arntsen/Roen nicht so eingegriffen, wie Biegler es gern hätte. "Wir haben das zweite Mal jetzt schon diese Referees. Und das zweite Mal diesen Ärger", so Biegler.


Neben dem Zeitspiel brachte Biegler gegen Serbien die Auslegung der Stürmerfoulregel in Rage: "Wir bekommen die Belohnung in der Deckung nicht."

Für Geschke war es "ein verlorener Punkt", wenn man nur die Schlussphase betrachte. Über das gesamte Spiel gesehen habe man aber einen Punkt gewonnen.

Denn immer wieder lagen die DHB-Ladies nach ihrem furiosen Start in Rückstand. Im deutschen Spiel schlichen sich Unsicherheiten und Fehler ein, die die Serbinnen eiskalt ausnutzten.

Biegler kassiert erneute Strafe

Einer dieser Fehler ging erneut durch Biegler aus. Wie bereits gegen Südkorea handelte sich der Trainer wegen Meckerns eine Zwei-Minute-Strafe ein, die eine Spielerin ausbaden musste.


"Kein guter Zug vom Coach, das muss man vermeiden", hatte Biegler, der sich augenzwinkernd als "völlig durchgeknallter Trainer" bezeichnete, nach seiner ersten Strafe erklärt.

Wenngleich die Strafzeit gegen Biegler dem Team schadete, war die Entscheidung wie auch das Zeitspiel zumindest grenzwertig.

Trotz des kleinen Rückschlags blieben die Köpfe oben. "Am Ende müssen wir es besser über die Bühne bekommen. Daher bin ich ein bisschen enttäuscht, aber unsere Ziele bleiben", sagte Spielführerin Anna Loerper.