Hat Krug Schalke geholfen? Das sagt sein Boss

Kai Hartwig
DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann

Nach dem Schiedsrichter-Beben hat DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann im exklusiven SPORT1-Interview zur Absetzung von Videochef Hellmut Krug geäußert - und ihn klarer als bisher gegen den Vorwurf der unerlaubten Manipulation in Schutz genommen.

Dem gebürtigen Gelsenkirchener wird vorgeworfen, beim Schalker Spiel gegen Wolfsburg zweimal zu Gunsten von S04 eingegriffen zu haben. Dies weist der für die Unparteiischen zuständige Zimmermann zurück. 

Verdacht der Manipulation zurückgewiesen

"Für uns ist es natürlich fatal, dass der Eindruck entstanden ist, es werde durch den Supervisor aktiv eingegriffen. Das ist nie der Plan gewesen und das ist nach unserem Wissensstand auch nie geschehen. Die letzte Entscheidung hat immer der Videoassistent", betont Zimmermann.

In der ursprünglichen Mitteilung des DFB zu Krugs Absetzung hatte der Verband Krugs angebliche Einmischung nicht klar dementiert.

"Um diesen Vorwurf für immer auszuschließen, haben wir beschlossen, dass es künftig keine Kommunikation zwischen Videoassistenten und Supervisor mehr geben wird. Dafür wird der Videoschiedsrichter jetzt von einem zweiten Assistenen unterstützt", erklärt Zimmermann nun die künftige Vorgehensweise.

Der DFB sei "in eine Drucksituation zwischen den verschiedenen Beteiligten geraten, so dass man einen Neustart machen musste, um dem System nochmal eine Chance zu geben", sagt Zimmermann und ergänzt: "Dafür ist es auch zu wichtig. Es ist zu groß und zu gewaltig, um es so schnell wieder zu beerdigen."

DFB-Vize kritisiert eigene Versäumnisse

Zimmermann gibt auch zu, dass der Ruf des DFB unter dem Wirbel um Krug und den Videobeweis gelitten hat. "Das Image hat deutliche Kratzer bekommen. Diesen Schaden zu beheben, wird einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Wir haben uns das Ganze auch selbst eingebrockt, unter anderem durch die Weitergabe von Interna an die Medien", kritisiert der Verbands-Vize auch eigene Versäumnisse: "Es hat auch nichts mit Maulkörben oder ähnlichen Dingen zu tun, das ist eine Frage des Respekts und des Anstandes."


Nur ein vertrauensvoller Umgang miteinander könne die Basis gemeinsamer Arbeit sein.

"Videobeweis wird sich durchsetzen"

Die Bedenken vieler Fans, die bisherige Umsetzung des Videobeweises zerstöre den Fußball, kann Zimmermann verstehen: "Wenn es drei Minuten dauert, bis die Überprüfung der Szene am Monitor abgeschlossen ist, ist das viel zu lang. Nicht nur für den Zuschauer, auch für das Spiel an sich. Das Spiel lebt vom Fluss, von seiner Geschwindigkeit."

Das gelte es im Sinne der Emotionalität zu verbessern: "Eines der Hauptziele war, dass der Videobeweis den Spielfluss möglichst nicht unterbricht. Daran arbeiten wir. Klar ist es für die Spieler unangenehm, wenn man während des Torjubels merkt, dass der Treffer überprüft wird. Da gehen Emotionen verloren. Das ist eine Begleiterscheinung, die keiner will", unterstreicht Zimmermann.

Man müsse nun "die Entscheidungen klarer präsentieren. Für die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen." Dies sei allerdings "nicht allein Sache der Schiedsrichter, da muss mit der Liga und den Klubs über technische Lösungen diskutiert werden.

Dass der Videobeweis trotz aller Kritik am Ende ein Erfolg sein wird, steht für Zimmermann außer Frage: "Ich bin mir sicher, dass wir uns mit dem Projekt durchsetzen werden."