Drei Szenen, drei Fehler: Video-Desaster in Köln

Die Kölner diskutieren mit dem Schiedsrichter über den strittigen Elfmeter

Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln ist noch tiefer in die Krise gerutscht - und Fans wie Spieler und Verantwortliche wittern den nächsten Skandal um den Videobeweis.

Drei Tage nach dem Aufreger von Dortmund unterlag die Mannschaft von Peter Stöger Eintracht Frankfurt mit 0:1 (0:1) und kassierte die fünfte Niederlage im fünften Spiel - Neuzugang Sebastien Haller (22.) nutzte einen höchst umstrittenen Foulelfmeter für die Gäste zum Siegtor.

Schmadtke versteht Entscheidung nicht

FC-Manager Jörg Schmadtke war nach dem Spiel sichtlich aufgebracht über die Leistung von Schiedsrichter Martin Petersen. "Ich weiß nicht, wie man zu solchen Entscheidungen kommt", sagte Schmadtke.

"Auf dem Platz habe ich ja noch gewisses Verständnis. Aber wenn man die TV-Bilder sieht, fällt es mir schwer. Ich will mich nicht jede Woche als Oberschiedsrichter aufspielen. Jeder hat die Szene gesehen", grantelte der Manager.


FC-Trainer Stöger dagegen wollte sich direkt im Anschluss an das Spiel nicht äußern. "Vielleicht morgen. Heute nicht", sagte Stöger auf der Pressekonferenz.

Eintracht-Trainer Niko Kovac aber hatte bei Sky nur Lob für den Unparteiischen: "Der Schiedsrichter hat das für sein erstes Spiel gut gemacht. Aus meiner Sicht war es ein Elfmeter, es gab einen Kontakt. Man hätte auch noch zwei weitere Elfmeter geben können."

Was war geschehen?

Insgesamt hätte der Video-Assistent in der ersten Halbzeit drei Mal eingreifen müssen - was er aber nicht tat. Sowohl Köln als auch Frankfurt wurde ein möglicher Elfmeter verweigert. (Tabelle der 1. Bundesliga)

Szene 1 (22. Minute): Schiedsrichter pfeift strittigen Elfmeter

Ein eklatanter Fehlpass von Maroh brachte Mijat Gacinovic in der 22. Minute in Position, FC-Torwart Timo Horn spielte bei seiner Abwehr-Aktion erst Ball, dann Gegner - Referee Petersen entschied in seinem ersten Bundesligaspiel jedoch ohne Hilfe des Video-Assistenten Wolfgang Stark auf Strafstoß. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)


"Horn spielt den Ball, deshalb ist es für mich eine Fehlentscheidung. Es kommt danach zum kurzen Kontakt. Das wird der Grund sein, warum der Videoschiedsrichter da nicht eingreift", erklärte Ex-Schiedsrichter Markus Merk bei Sky.

Auf dem Rasen spielten sich anschließend tumultartige Szenen ab, Köln fühlte sich klar benachteiligt, Haller blieb vom Elfmeterpunkt aber völlig ruhig.


"Es ist bitter, wie es zur Zeit für uns läuft. Sogar der Gegenspieler sagt, dass es kein Elfmeter war und rechnet mit dem Videobeweis. Aber in unserer Situation zeigt der Schiedsrichter einfach auf den Punkt", sagte Leonardo Bittencourt über die spielentscheidende Szene.

Am Sonntag beim 0:5 in Dortmund hatte der Mann am Bildschirm noch aus Sicht des FC zu Unrecht Einfluss genommen, der Klub plante zunächst einen Protest, verzichtete dann aber doch. (Spielplan und Ergebnisse der 1. Bundesliga)

Szene 2 (23. Minute): Kein Elfmeterpfiff für Frankfurt

Auch Frankfurt wurde in einer Situation benachteiligt. In der 23. Minute riss der Kölner Dominique Heintz Eintracht-Stürmer Haller klar um - doch auch hier gab der Schiedsrichter keinen Elfmeter. Ein klarer Fehler, bei dem Video-Assistent Stark hätte eingreifen müssen.


Szene 3 (32. Minute): Köln wird Elfmeter verweigert

Eintracht-Verteidiger Simon Falette stützte sich im Strafraum bei Leonard Bittencourt auf, der dadurch von hinten umgestoßen wurde. Die Kölner Fans forderten einen Elfmeter, aber Petersen zeigte nicht auf den Punkt. Auch Video-Assistent Stark griff nicht ein.

"Das ist unfassbar, unglaublich. Bei uns wird in jeder Szene eingegriffen, und auf der anderen Seite kriegen wir einen klaren Elfmeter nicht", sagte Torhüter Timo Horn. Abwehrspieler Heintz fügte hinzu: "Wenn es blöd läuft, läuft einfach alles blöd. Wir haben die Kacke am Fuß."

Köln fällt wenig ein

Insgesamt fiel den Kölnern allerdings wenig ein, um sich den Ausgleich zu verdienen, da auch vielversprechende Situationen oft schlecht ausgespielt wurden. Frankfurt nutzte die offenen Räume zudem kaum, es war ein Bundesligaspiel auf schwachem Niveau.

Am Sonntag geht es für Köln zum starken Aufsteiger Hannover 96. Die zu Hause punktlosen Frankfurter feierten ihren ersten Sieg in Köln seit 23 Jahren und stehen mit sieben Punkten ordentlich da.