Schießt sich Piszczek hier zum neuen BVB-Vertrag?

Patrick Berger, Lukas Rott

Es war ein Moment, der die besondere Beziehung zwischen Lukasz Piszczek und Borussia Dortmund zeigt.

Der 34 Jahre alte Pole, seit zehn Jahren treuer Diener des Vereins, hatte seinen BVB beim 4:0-Sieg über Eintracht Frankfurt nach 33 Minuten in Führung gebracht. Nach Vorarbeit von Achraf Hakimi bekam der Pole den Ball auf Höhe des Strafraums zugespielt und schoss das Leder mit dem schwachen linken Fuß unter einem lauten "Schieß"-Befehl der Südtribüne ins rechte Toreck.


Nach dem ausgelassenen Jubel mit den Kollegen lief Piszczek zurück in Richtung eigene Hälfte und wurde von donnernden Sprechchören begleitet. Der BVB-Dauerbrenner drehte sich um, schaute auf die imposante gelbe Wand, klopfte sich zwei Mal auf die Brust und hob die Faust.

Piszczek: "Wir mussten liefern"

"Das war die richtige Reaktion. Wir haben wenig zugelassen und waren von Anfang an sehr konzentriert", sagte der gefeierte Pole hinterher. Und weiter: "Das 2:0 und 3:0 hat unser Spiel dann beruhigt. Wir wussten, dass wir nach den negativen Erlebnissen in Bremen und Leverkusen liefern mussten. Vielleicht waren die beiden Spiele auswärts davor eine Warnung für uns und eine gute Motivation."

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Nach dem Ausfall von Marco Reus (Muskelfaserriss), der auf der Tribüne in einer Loge neben Ehefrau Scarlett mitfieberte, war Vize-Kapitän Piszczek gegen Frankfurt erstmals in dieser Saison mit der Binde am linken Arm aufgelaufen. Nachdem das Urgestein in Leverkusen 90 Minuten auf der Bank gesessen hatte, schenkte ihm Trainer Lucien Favre diesmal das Vertrauen.

"Er hat das gut gemacht", lobte Favre. "Das Tor hat er mit dem linken Fuß gemacht. Das war sehr wichtig. Wichtig für ihn und für uns alle."

Leidtragender der Piszczek-Show ist Manuel Akanji. Der zuletzt arg schwächelnde Schweizer wurde nach neun Spielen in Folge durch Piszczek ersetzt. Möglich, dass Akanji jetzt auch am Dienstag im Champions-League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain (Champions League: Borussia Dortmund - Paris Saint-Germain, Di., ab 21 Uhr im LIVETICKER) auf der Bank sitzen muss.

Piszczek und der BVB – das ist echte Liebe. Im Sommer 2010 war der Verteidiger - damals noch ein Angreifer -  ablösefrei von Hertha BSC zum BVB gewechelt. Piszczu, wie er genannt wird, holte mit dem Pott-Klub zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und stand zudem im Champions-League-Finale 2013.

Piszczek: "BVB ist mir ans Herz gewachsen"

"Ich bin zwar kein gebürtiger Dortmunder, doch dieser Verein und diese Fans sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich seit Jahren als echter Borusse fühle. Ich hatte nie den Wunsch verspürt, den Verein zu verlassen", wurde der Rechtsverteidiger bei seiner Vertragsverlängerung vor zwei Jahren zitiert.

Gegen Frankfurt glänzte der Defensivspieler mit einer extremen Ball- und Passsicherheit (90 angekommene Pässe, acht Fehlpässe) und seinem ersten Treffer seit November 2018. Schießt sich Piszczek damit zu einem neuen BVB-Vertrag?

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Der Kontrakt des Routiniers läuft in diesem Sommer aus. Der frühere polnische Nationalspieler (66 A-Einsätze) hat den BVB-Bossen bereits signalisiert, dass er sich ein weiteres Jahr durchaus zutraut. Körperlich fühlt sich der ehrgeizige Musterprofi noch voll auf der Höhe.

In Dortmund haben sie das wohlwollend zur Kenntnis genommen. Einzig: Es muss für alle beteiligten Sinn machen. Mit dem 19-jährigen Mateu Morey (kam im Sommer vom FC Barcelona) stünde ein Top-Talent in den Startlöchern.


Geht es beim BVB nicht weiter, könnte sich Piszczek auch eine weitere Profi-Saison außerhalb Deutschlands vorstellen. Klubs aus der italienischen Serie A sollen bereits ihr Interesse am Dortmunder Publikumsliebling hinterlegt haben.

Auch ein Karriereende ist nicht auszuschließen. Der Vater dreier Kinder könnte sich dann intensiv seinem Herzensprojekt widmen. In seiner Heimatstadt Goczalkowice-Zdroj hat der einstige Weltklasse-Außenverteidiger mit Hilfe des BVB eine Nachwuchs-Akademie ins Leben gerufen. Bis April will Piszczek eine Entscheidung getroffen haben.

Alles Zukunftsmusik. Am Dienstag erwarten Piszczek und Co. das Star-Ensemble von Paris St. Germain um Ex-Coach Thomas Tuchel. "Das 4:0 ist ein gutes Zeichen", urteilt der Routinier. "Klar wird das am Dienstag ein anderes Kaliber, aber wir sind bereit!“