Schicksalsschläge und Superstars: Das sind die Kino-Highlights der Woche

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Das Hausmädchen Jane Fairchild (Odessa Young) und der wohlhabende Paul Sheringham (Josh O'Connor) müssen ihre Liebe geheim halten. (Bild: Tobis Film)
Das Hausmädchen Jane Fairchild (Odessa Young) und der wohlhabende Paul Sheringham (Josh O'Connor) müssen ihre Liebe geheim halten. (Bild: Tobis Film)

"Ein Festtag", "Aline - The Voice of Love" und "Drive My Car": Das sind die Neustarts am 23. Dezember.

Seit dem Mittelalter wird in Großbritannien und Irland der "Mothering Sunday" gefeiert. Immer drei Wochen vor dem Ostersonntag sollen Christen jener Kirche, in der sie einst getauft wurden, einen Besuch abstatten. Später kam die Tradition hinzu, Bediensteten der Herrenhäuser den Tag freizugeben, damit sie nach Hause zu ihren Eltern fahren können. Der Film "Ein Festtag" - im Original "Mothering Sunday" - spielt an diesem besonderen Tag. Das britische Drama ist eines der Kino-Highlights der Woche, zusammen mit dem Musik-Drama "Aline - The Voice of Love" und dem Cannes-Gewinner "Drive My Car".

Jane (Odessa Young, rechts) kümmert sich um den Haushalt der depressiven Mrs. Niven (Oliva Colman). (Bild: Tobis Film)
Jane (Odessa Young, rechts) kümmert sich um den Haushalt der depressiven Mrs. Niven (Oliva Colman). (Bild: Tobis Film)

Ein Festtag

Der 30. März 1924 war ein besonders schöner Sonntag, zumindest im südenglischen Berkshire. Mr. Niven (Colin Firth) jedenfalls wird nicht müde, immer und immer wieder zu wiederholen, was für ein perfekter Tag doch sei. Er macht das sicher auch, um seine Laune und die seiner Frau (Olivia Colman) ein wenig zu heben. Denn das Ehepaar, das gemeinsam ein viel zu großes Anwesen bewohnt, ist noch immer in Trauer um ihren Sohn, der im Ersten Weltkrieg gefallen war. An jenem Sonntag aber - es ist der "Mothering Sunday", ein Vorläufer des heutigen Muttertags - soll all das vergessen werden.

Also trifft man sich mit einer befreundeten Familie zum Picknick. Auch Paul Sheringham (Josh O'Connor) wird erwartet, der Sohn von Freunden, der sich erst kürzlich verlobt hat. Doch statt an den Fluss zu fahren, wo seine Verlobte auf ihn wartet, vergnügt er sich lieber im Bett, zusammen mit Jane Fairchild (Odessa Young), dem Hausmädchen der Nivens. Die beiden lieben sich sehr, aber eine Zukunft über die Standesgrenzen hinweg hat ihre heimliche Beziehung nicht.

"Ein Festtag" spielt fast ausschließlich an jenem 30. März, springt aber immer wieder auch kurz in Vergangenheit und Zukunft, um von seiner Protagonistin Jane zu erzählen, die später einmal Schriftstellerin sein wird. Das berührende, in frühlingshaften Farben gedrehte Drama basiert auf dem gleichnamigen Roman von Graham Swift. Verfilmt hat das Werk die Französin Eva Husson, die mit dem sehr freizügigen "Bang Gang - Die Geschichte einer Jugend ohne Tabus" bekannt wurde. Nackte Haut gibt es auch hier reichlich zu sehen, vor allem aber große Gefühle und große Schauspielkunst.

Die Sängerin Aline Dieu (Valérie Lemercier) wird zum weltweit gefeierten Star. (Bild: Jean-Marie Leroy / Rectangle Productions / Gaumont / TF1 Films Production / De l’huile / Pcf Aline Le Film Inc. / Belga Productions)
Die Sängerin Aline Dieu (Valérie Lemercier) wird zum weltweit gefeierten Star. (Bild: Jean-Marie Leroy / Rectangle Productions / Gaumont / TF1 Films Production / De l’huile / Pcf Aline Le Film Inc. / Belga Productions)

Aline - The Voice of Love

Man darf es wohl so sagen: Die französische Sängerin, Schauspielerin und Filmemacherin Valérie Lemercier ist offenbar ein wenig besessen von Céline Dion. Mit "Aline - The Voice of Love" hat sie zumindest einen Film gedreht, der vom Leben der Frankokanadiern inspiriert wurde, außerdem spielt sie die an Dion angelehnte Hauptrolle selbst, und dank digitaler Technik verkörpert die 57-Jährige sogar eine Céline Dion im Kindesalter!

"Ich habe echte Ereignisse etwas Kinotauglicher gemacht", sagt Lemercier über ihr Biopic, das Dions Namen zwar nicht im Titel trägt, dafür aber die Hits der "My Heart Will Go On"-Interpretin aufbieten kann - wenn auch nicht von Dion selbst gesungen, sondern von der Französin Victoria Sio.

Céline Dion hört in dem Film auf den Namen Aline Dieu. Der spätere Weltstar wird im Quebec der 60er-Jahre als 14. Tochter einer musikalischen Familie geboren. Jahre später lernt sie den Produzenten Guy-Claude (Sylvain Marcel) kennen, der ihr Manager und ihr Ehemann wird. Gemeinsam arbeiten sie an Alines Karriere - bis die Kanadierin schließlich ganz oben angekommen ist und die größten Stadien der Welt füllt.

Aline (Valérie Lemercier) findet auch privat ihr Glück. (Bild: Jean-Marie Leroy / Rectangle Productions / Gaumont / TF1 Films Production / De l’huile / Pcf Aline Le Film Inc. / Belga Productions)
Aline (Valérie Lemercier) findet auch privat ihr Glück. (Bild: Jean-Marie Leroy / Rectangle Productions / Gaumont / TF1 Films Production / De l’huile / Pcf Aline Le Film Inc. / Belga Productions)

Drive My Car

Dafür, dass Haruki Murakami derart viele und derart erfolgreiche Romane geschrieben hat, gibt es überraschend wenig Verfilmungen des Werks des Japaners. Am bekanntesten sind noch "Naokos Lächeln", ein japanischer Film von 2010, und "Burning" aus dem Jahr 2018, ein südkoreanisches Drama, das auf einer Kurzgeschichte Murakamis basiert. Regisseur Ryusuke Hamaguchi hat sich nun ebenfalls eine Kurzgeschichte des 72-jährigen Schriftstellers vorgenommen: "Drive My Car", erschienen 2014 in der Sammlung "Von Männern, die keine Frauen haben".

Hamaguchi hat aus Murakamis Story einen dreistündigen Film gemacht, der in Cannes mit drei Preisen ausgezeichnet wurde (unter anderem für das beste Drehbuch) und im kommenden Jahr für Japan den Oscar holen soll. "Drive My Car" erzählt vom Schauspieler und Theaterregisseur Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima), der zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau einen neuen Auftrag annimmt: In Hiroshima soll er das Stück "Onkel Wanja" von Anton Tschechow auf die Bühne bringen. Dort angekommen, stellt man ihm die junge Misaki (Toko Miura) als Fahrerin zur Seite. Während der vielen gemeinsamen Stunden in einem roten Saab teilen die beiden ihre Lebensgeheimnisse miteinander und stellen sich ihrer bewegten Vergangenheit.

Der Theaterregisseur Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima) will in Hiroshima ein Tschechow-Stück inszenieren. (Bild: Rapid Eye Movies)
Der Theaterregisseur Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima) will in Hiroshima ein Tschechow-Stück inszenieren. (Bild: Rapid Eye Movies)
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