Schauspielerin: Katrin Sass: "Immerhin bekam ich Arbeitslosengeld"

Zum ersten Mal war sie 1978 an diesem Ort: Die Schauspielerin Katrin Sass am S-Bahnhof Friedrichstaße in Mitte

Wir haben Glück mit dem Wetter. Kein Regen wie so oft dieses Jahr, stattdessen preußisch blauer Himmel über den der Wind watteweiße Wolken fegt. An einigen Restaurant-Terrassentischen am Schiffbauerdamm sitzen Touristen und genießen trotz herbstlicher Temperaturen den Blick auf die Spree. "Hier war ich 1978 das erste Mal", erzählt Katrin Sass mit einer Mischung aus Wehmut und Verwunderung in der Stimme. "Mein erster Film. 'Bis daß der Tod euch scheidet'. Von Heiner Carow. Da sind wir hier langgelaufen, mit Renate Krößner. Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, wie das hier damals ausgesehen hat. Bröselige Fassaden voller Einschusslöcher, Reste der Straßenkämpfe am Ende des II. Weltkrieges. Grau und trist sah das hier aus. Haben die Leute vergessen", sagt sie. "Daran sollten die sich mal erinnern, diese AfD-Wähler. Was alles erreicht wurde. Ein bisschen Demut statt Pöbeln. Aber", wischt sie den letzten Satz weg, "deshalb sind wir ja nicht hier".

Gut sieht sie aus, hat sich trotz der 60 Jahre einen jugendlichen Appeal bewahrt. Die Haare etwas heller und einen Tick länger als zuletzt, sehr entspannt wirkt sie. Unter einem cremefarbenen Trenchcoat trägt sie einen hellen Pullover, "ein Mitbringsel aus Usedom, von jedem Dreh bringe ich eine Klamotte mit", kirschrote Jeans, modische Stiefel. Als sie im Restaurant "Brecht's" Platz genommen hat, mustern ihre tiefbraunen Augen aufmerksam den Schankraum. Es dauert etwas, bis sie sich für einen Tomaten-Brot-Salat entscheidet, dazu bes...

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