Der Schatten-CEO


Wenn von Travis Kalanick die Rede ist, dann stets in martialischem Ton. Der Ex-Chef von Uber wolle sich in seine alte Firma „zurückkämpfen”, heißt es etwa. Oder: Bei dem Fahrdienst sei ein „offener Machtkampf” ausgebrochen. Im aktuellen Fall hatte der 41-jährige zwei neue Köpfe in den Uber-Verwaltungsrat berufen, ohne sich zuvor mit Uber-Chef Dara Khosrowshahi oder den übrigen Mitgliedern des Gremiums abzustimmen: der früheren Xerox-Chefin Ursula Burns und dem ehemaligen Chef der Investmentbank Merrill Lynch, John Thain.

Die Frage ist nur, wen das jetzt wundert. Die jüngste Geschichte von Uber ist eine Geschichte des Geschachers. Von neuen Produkten, autonomen Fahrzeugen oder anderen aufregenden Technologien redet kaum einer mehr. Uber dominiert die Schlagzeilen mit Intrigen und dem Ex-Chef, der einfach nicht verschwinden will.

Angeblich haben die Investoren im Uber-Aufsichtsrat Kalanick Ende Juni zum Rücktritt vom CEO-Posten gezwungen. Angeblich schraube das Management seither an einem friedvollen Uber 2.0. Faktisch indes sieht es so aus, als habe sich überhaupt nichts geändert. Der Uber-Gründer schaltet und waltet, wie es ihm gefällt. 


Das Problem hat sich das Management selbst eingebrockt. Es hing zu lange Silicon Valleys Mythos vom unfehlbaren Gründer nach, einer Art IT-Vaterfigur, die es in einem Geniestreich schon irgendwie richten wird. Eben nicht. Der Fall des Hauses Uber zeigt die Schattenseite vom Gründerkult der Tech-Branche und was passiert, wenn jede Kontrolle fehlt. Das Uber-Management kann Kalanick nicht so einfach loswerden.

Der Gründer besitzt große Anteile am Unternehmen, sicherte sich mit Aktientricks fortlaufend weitere Stimmrechte und stellt immer wieder seinen Einfluss unter Beweis. Der 41-Jährige streitet sich mit seinen mächtigen Investoren von Benchmark um Stimmrechte im Aufsichtsrat. Er attackiert den neuen Uber-Chef Khosrowshahi, um eine Entscheidung abwenden, die Khosrowshahi gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs ausgeheckt habe, wie die „New York Times“ berichtet. 


Der Fahrservice will den Tech-Konzern Softbank als Investor gewinnen. Doch die Japaner zögern, vor allem wegen der Macht des unberechenbaren Kalanick. So gehöre zu den Plänen, das zehnfache Stimmrecht bei einigen Aktien abzuschaffen, was den Einfluss von Kalanick drastisch schmälern würde. Am Dienstag trifft sich der Uber-Aufsichtsrat, um die Pläne zu diskutieren. Mit der aktuellen Kampfberufung zweier neuer Aufsichtsratsmitglieder will Kalanick die Strategie durchkreuzen. 

Travis gegen den Rest der Welt – so liebt es der 41-Jährige eben. Wenn Kalanick Streit suche, sehe sein Gesicht aus „wie eine Faust”, schrieb die berühmte Tech-Journalistin Kara Swisher einmal über ihn. Die aggressive Kampflust des Gründers trieb das Wachstum von Uber an, heute ist es mit einer Bewertung von knapp 70 Milliarden Dollar das wertvollste Start-up der Welt.


Kalanicks Strategie galt lange Zeit als Erfolgsmodell, intern bewunderten führende Manager, wie der Chef allen Hass auf sich nahm und weiter kämpfte, tat es doch um Ubers willen. Und jetzt? Die Attacken von Kalanick halten den dringend benötigten Wandel auf und schmälern das Vertrauen, das Nutzer weltweit der Firma entgegenbringen. Travis Kalanick sollte zeigen, dass es ihm tatsächlich um das Wohl seiner Firma geht und nicht nur um ihn selbst. Er sollte die Konsequenzen ziehen und sich endgültig aus dem Uber-Management zurückziehen. Sonst drohen weitere Intrigen.