Schalkes Comeback in der eSports-Königsklasse

Marco Gnyp
Schalke 04 will 2018 in der EU LCS voll durchstarten

Am Freitag in einer Woche trifft der FC Schalke 04 am ersten Tag des EU LCS Spring Splits 2018 auf Team ROCCAT. 530 Tage nach dem bitteren Abstieg aus Europas wichtigster League of Legends-Liga kehren die Königsblauen zurück - und das mit einem klaren Plan.

Abstieg als Lernerfahrung

Der 7. August 2016 war ein schwarzer Tag in der zu diesem Zeitpunkt noch jungen eSports-Geschichte von Schalke 04. Am Ende des ersten Splits in der EU LCS stand der Abstieg in die EU Challenger Series fest - sozusagen die zweite Liga.

Zwar ist der Split teilweise unglücklich verlaufen, doch die Relegation war unter anderem auch das Resultat der sehr kurzfristigen Teilnahme. Mitte Mai 2016 hatten die Königsblauen offiziell ihren Einstieg in das Spiel von Riot Games mit dem Kauf des EU LCS-Teams Elements verkündet.


Das Lineup hatte zuvor im Frühling - in einer ähnlichen Konstellation - einen mäßigen siebten Platz belegt und die Playoffs deutlich verpasst. Der Einstieg zwischen Spring und Summer Split hatte zur Folge, dass die Verantwortlichen bei den Gelsenkirchenern nur wenig Zeit und Möglichkeiten hatten, die nötigen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Split zu schaffen.

Traditionell sind in dieser Zeit nur wenige (gute) Spieler verfügbar. Auch die Infrastruktur benötigt Zeit, um entsprechend ausgebaut zu werden. Die Grundidee dürfte gewesen sein, den Summer Split zu "überstehen" und 2017 voll anzugreifen. Dies passierte aber nicht, unterm Strich stand der Abstieg.

Mit dem zweiten Anlauf zurück in die LCS

Trotz des Abstiegs blieben die Schalker der League of Legends-Szene erhalten und versuchten mit einem Lineup, das auf dem Papier für die Challenger Series eigentlich zu stark war, den direkten Wiederaufstieg. Dieser gelang überraschend nicht und so mussten die Knappen erneut in der zweiten Klasse antreten, dieses Mal allerdings mit drei neuen Spielern.


Zweifelsfrei nutzten die Verantwortlichen bei S04 diese Zeit und Erfahrungen, um die Szene sowie das Konstrukt League of Legends besser zu verstehen und die eigene Infrastruktur zu verbessern. Im Sommer schaffte das Team den Aufstieg in die EU LCS und legte damit den Grundstein für eine vielversprechende Zukunft.

Reset und Potenzial

Vom Quintett, das den Aufstieg in die EU LCS schaffte, verblieb letztlich lediglich der deutsche AD-Carry Upset. Er geht nun in sein zweites Jahr mit Schalke 04 und blieb der Organisation auch nach dem ersten CS-Split erhalten.

Die Königsblauen setzen dieses Jahr auf eine Mischung aus sehr erfahrenen LCS-Akteuren und jungen Talenten. Neben Upset zählt auch Jungler Pridestalker zu den Spielern in der Liga, die noch viel Raum für Verbesserung haben.

Mit Vizicsacsi, Nukeduck und Vander bringt das restliche Trio viel Erfahrung und Skill ins Team. Letztgenannter spielte bereits im vergangenen Spring Split für S04. Seine Rückkehr in den Pott zeigt auch, dass die Organisation ihre Spieler gut behandelt.


Unterstützt werden die Spieler von Head-Coach Mitch "Krepo" Voorspoels, einem ehemaligen Spieler und Kommentator, der im Spiel sehr bewandert ist. Der Portugiese André Guilhoto soll strategisch den Ton angeben. Zuletzt betreute er den anderen LCS-Aufsteiger Giants Gaming und erntete von verschiedenen Szenegrößen Lob für seine Arbeit.

Aber auch über die Coaches hinaus verstärkten sich die Gelsenkirchener hinter den Kulissen. Hans Christian "Liq" Dürr als neuer Head of Esports und Nicolas "Atomium" Farnir als neuer Manager des Teams sollen ihren Teil zum Erfolg beitragen.

Integration in die Klub-Familie

Besonders in den vergangenen Wochen bemühte sich Schalke 04, das League of Legends-Team in die Klub-Familie zu integrieren. Die Verantwortlichen betonten, den Spielern vermitteln zu wollen, für welche Werte der Verein steht.

So wurden die Akteure am 20. Dezember 2017 vor dem DFB-Pokal-Heimspiel gegen den 1. FC Köln auf dem Rasen in der VELTINS-Arena den Zuschauern kurz vorgestellt.


Im Zentrum einer solchen Atmosphäre zu sein, dürfte bei Upset und Co. sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, was es bedeutet, für Schalke 04 zu spielen - egal, ob Fußball oder League of Legends.

In den vergangenen Monaten spielte S04 die eigenen Möglichkeiten voll aus und verpflichtete neben einem wettbewerbsfähigen Roster auch wichtige Personen für die Positionen im Hintergrund.

Die Rückkehr in die EU LCS gleicht fast schon einem Debüt. Vorbereitet und mit einem klaren Plan will Königsblau 2018 angreifen und sich für die Weltmeisterschaft, das wichtigste LoL-Turnier des Jahres, qualifizieren.

Ob dies auch gelingt, wird die Zeit zeigen. Sicher ist aber, dass alle Beteiligten "malochen" werden, um dieses Ziel gemeinsam zu erreichen.