„Der BVB kann sich auf was gefasst machen!“

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„Der BVB kann sich auf was gefasst machen!“
„Der BVB kann sich auf was gefasst machen!“
„Der BVB kann sich auf was gefasst machen!“

Can Bozdogan sitzt in einer Suite eines Fünf-Sterne-Hotels in Istanbul, das nur einen Steinwurf vom Vodafone Park, der Heimspielstätte von Besiktas Istanbul, entfernt liegt. Aus dem Fenster heraus schaut er auf die Bosporus-Brücke. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Knapp drei Wochen sind seit seinem Leih-Wechsel vom FC Schalke 04 zum türkischen Double-Sieger vergangen. Eine feste Bleibe hat der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler noch nicht gefunden. Das ist vorerst zweitranging. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Sein fokussierter Blick geht auf den Mittwoch. Dann trifft Bozdogan in seinem ersten Champions-League-Spiel ausgerechnet auf Schalke-Rivale Borussia Dortmund. Wenige Stunden vor dem Anpfiff sprach er mit SPORT1. Das Exklusiv-Interview. (LIVE: Besiktas-Dortmund im Ticker)

SPORT1: Sie haben am Wochenende ihren ersten Einsatz für Besiktas gefeiert. Kurz vor der Pause sind Sie beim 3:0 gegen Yeni Malatyaspor für den verletzten Alex Teixeira reingekommen. Wie blicken Sie auf Ihr Debüt?

Can Bozdogan: Die Stimmung war echt krass. Es war unfassbar laut - und das, obwohl es corona-bedingt nicht mal voll war. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie laut es ist, wenn die Bude voll ist. Der BVB kann sich stimmungstechnisch auf jeden Fall auf was gefasst machen.

SPORT1: Teixeira könnte gegen den BVB ausfallen. Erhöht das Ihre Startelf-Chancen für den BVB-Kracher?

Bodzogan: Alex hat sich leider am hinteren Oberschenkel verletzt. Ich drücke ihm die Daumen. Wer weiß, im Fußball kann alles schnell gehen. Ich kann Ihre Frage aber noch nicht beantworten. Es wird sich im Abschlusstraining zeigen, ob ich spielen werden. Ich wäre jedenfalls bereit und habe total Bock!

SPORT1: Sie könnten Ihr Champions-League-Debüt ausgerechnet gegen den BVB feiern.

Bozdogan: Ein verrückter Zufall, oder? Ich freue mich schon sehr drauf. Mit Schalke habe ich ein Derby gegen den BVB gespielt. Das hat schon eine enorme Bedeutung für mich. Wenn die Champions-League-Hymne gespielt wird, werde ich sicher Gänsehaut haben. Ich kenne sie ja nur von der Playstation oder aus dem TV. Ich habe als kleiner Junge mit dem Fußball angefangen, damit ich das mal erlebe. Wenn ich wirklich eingesetzt werde, ginge ein Traum in Erfüllung!

Nach Wechsel: keine Flucht aus Schalke

SPORT1: Sie wurden in der Jugend des 1. FC Köln ausgebildet, wechselten im Sommer 2019 eigentlich mit großen Ambitionen nach Schalke. Sind Sie nach dem Abstieg vom S04 geflüchtet?

Bozdogan: Nein, es war keine Flucht! Ich habe meine Einsatzchancen dort einfach nicht mehr so gesehen. Wir haben uns dann gemeinsam dazu entschieden, dass ich frischen Wind und ein anderes Umfeld brauche. Es ist nach dieser schwierigen Saison auch für den Kopf sicherlich gut, dass es einen Neuanfang gibt.

SPORT1: Schalkes neuer Sportchef Rouven Schröder sprach bei Ihrem Wechsel von einer „Luftveränderung“. Wären Sie denn gerne geblieben?

Bozdogan: Wenn ich meine Einsatzchancen dort gesehen hätte, wäre ich am Ende vielleicht geblieben. Aber das war nicht so. Also war es klar, dass ich etwas Neues brauche. Deshalb habe ich mich am Ende für Besiktas entschieden.

SPORT1: Wieso Besiktas?

Bozdogan: Ein großer Verein mit großen Spielern, der in der Champions League vertreten ist. Mehr geht kaum. Die Gespräche waren gut. Ich hatte das Gefühl, dass auf mich gesetzt wird. Das war auch ausschlaggebend. Außerdem kann ich hier von vielen Spielern lernen, ob Pjanic, Vida, Teixeira oder Batshuayi. Schon alleine das Training steigert mein Niveau.

SPORT1: War die Abstiegssaison mit Schalke ein verlorenes Jahr für Sie?

Bozdogan: Nein, ich bin in diesem Jahr zum Bundesliga-Profi geworden. Sportlich war es natürlich eine extrem negative Erfahrung. Aber auch das hat mich persönlich weitergebracht. Nicht viele junge Spieler können von sich behaupten, dass sie in jungen Jahren so viel erlebt haben – auch wenn das meiste negativ war. Ich kann jetzt viele Dinge besser einschätzen. Mich wirft nach dieser einen Saison mit Schalke sicher nicht mehr so viel aus der Bahn.

SPORT1: Besiktas hat sie für ein Jahr ausgeliehen mit anschließender Kaufoption. Wird man Sie nochmal im Schalke-Trikot sehen?

Bozdogan: Gute Frage. Es ist noch zu früh, um das zu beantworten. Ich bin jetzt erstmal zu 100 Prozent bei Besiktas und will dieses eine Jahr Vollgas geben. Ob Schalke, oder hierbleiben, das wird sich am Ende zeigen. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass die Jungs den Wiederaufstieg schaffen.

Messi und Haaland als Vorbilder

SPORT1: Haben Sie eigentlich ein fußballerisches Vorbild?

Bozdogan: Lionel Messi ist für mich der größte Fußballer. Er ist die klare Nummer 1. Zu ihm schaue ich auf. Es ist seltsam, ihn jetzt nach so vielen Barca-Jahren im PSG-Trikot zu sehen. Der Wechsel kam wie aus dem Nichts. Mir ist die Kinnlade runtergefallen, als ich das eines morgens auf Instagram gelesen haben. Das war ein krasser Schock. PSG hat jetzt eine richtig krasse Mannschaft. Ich bin gespannt, wie die und vor allem Messi abliefern.

SPORT1: Welcher Typ Spieler sind Sie?

Bozdogan: Ich bezeichne mich schon als Achter, kann aber auch auf der Zehn spielen. Ich gehe gerne in Dribblings, spiele Steckpässe und schieße auch mal aus der Distanz. Ich presse aber auch gerne gegen und haue mich in die Zweikämpfe. Ich bin keiner, der sich schont. Für mich ist kein Zentimeter zu weit.

SPORT1: Das kommt bei den frenetischen Fans in der Türkei sicher gut an.

Bozdogan: Jeder Sprint, jeder Zweikampf, jede Grätsche, jeder Torschuss wird bejubelt wie ein Treffer. Man muss sich echt die Ohren zuhalten. Das ist nochmal eine andere Qualität als in Deutschland.

SPORT1: Von welchem türkischen Verein waren Sie als Kind eigentlich Fan?

Bozdogan: Ich war immer schon neutral. Ich fand eher den FC cool, weil ich elf Jahre lang in Köln gespielt habe. Mein Papa hatte auch keinen Klub. Jetzt sind wir aber natürlich alle für Besiktas.

SPORT1: Werden Ihre Eltern am Mittwoch im Stadion sein?

Bozdogan: Nein, sie werden gemütlich von zuhause aus in Sülz schauen. Ich freue mich aber schon, wenn sie nach Istanbul kommen.

SPORT1: Welcher BVB-Spieler begeistert Sie am meisten?

Bozdogan: Die Antwort kommt sicher nicht überraschend: Aber Erling Haaland begeistert mich schon sehr. Er ist nur ein Jahr älter als ich. Ein Top-Spieler, der alle Attribute hat, um absolute weltklasse zu werden. Ich glaube aber, dass er es gegen uns nicht ganz so einfach haben wird.

Ziel: Achtelfinale der Champions League

SPORT1: In Michy Batshuayi spielt ein Ex-Dortmunder im Besiktas-Sturm. Ist er der Schlüsselspieler in Ihrer Mannschaft?

Bozdogan: Er hat bestimmt gejubelt, als das Los gezogen wurde (lacht). Er hat beim BVB gespielt, kennt noch einige Jungs. Er kann uns bestimmt ein paar wichtige Informationen geben. Mit dem Doppelpack am Wochenende gegen Malatyaspor hat er sich schon mal warmgeschossen. Mit ihm, aber auch den anderen im Team haben wir eine enorm hohe Qualität. Wir sind auf Augenhöhe mit dem BVB und müssen uns sicher nicht verstecken.

SPORT1: Wie realistisch ist das Weiterkommen in der Gruppe mit Dortmund, Sporting Lissabon und Ajax Amsterdam?

Bozdogan: Wir sind Double-Sieger und setzten uns auch diesmal wieder große Ziele. Alles gewinnen – das ist immer das Ziel von Besiktas. Ich bin auch ein Gewinner-Typ und möchte hier Titel holen. Unser Anspruch ist es, in dieser Gruppe weiterzukommen.

SPORT1: Sie haben alle Jugend-Mannschaften des DFB durchlaufen. Deutschland oder Türkei – für was werden Sie sich entscheiden?

Bozdogan: Es ist noch keine finale Entscheidung gefallen. Aber meine Tendenz geht schon klar in Richtung DFB. Ich habe dort alle meine Junioren-Spiele gemacht.

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