Schaffelhuber: "Habe mir den Druck schöngeredet"

Anna Schaffelhuber gewann sieben Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen

Anna, bei den Paralympics 2018 hast Du Deine Goldmedaillen Nummer sechs und sieben eingefahren. Ist die Nationalhymne für Dich inzwischen zur Routine geworden?

Schaffelhuber: Für mich persönlich war die erste Goldmedaille in Pyeongchang der emotionalste und auch größte Sieg. Die Ausgangssituation war diesmal eine ganz andere, denn nach den fünf Goldenen von Sotschi war der Druck gigantisch. Es ist extrem schwer, nach oben zu kommen, aber es ist noch schwerer, oben zu bleiben. Dass ich gleich im ersten Rennen wieder Gold gewinnen konnte, hat mich sehr stolz gemacht.

Hast Du ein spezielles Rezept entwickelt, mit diesem Druck umzugehen?

Schaffelhuber: Ich hatte das Gefühl, dass Siege von mir nach Sotschi gewissermaßen als selbstverständlich wahrgenommen werden. Vor den Spielen von Pyeongchang habe ich mir irgendwann klar gemacht, dass nicht ich den Druck habe, sondern eigentlich die anderen, weil ich die Goldmedaillen ja bereits zu Hause habe. Das war zwar ein Stück weit Schöngerede, hat mir aber einfach gut getan.

Wie hat sich Dein Alltag seit dem endgültigen Durchbruch in Sotschi verändert?

Schaffelhuber: Vor allem hat sich mein Tätigkeitsfeld verändert. Ich musste eben nicht "nur" Training und Studium unter einen Hut bringen. Mit den vielen Terminen für Medien, Sponsoren und Veranstaltungen ist eine ganz große dritte Komponente hinzugekommen. Das macht mir zwar Spaß, aber effektiv geht es von meiner Trainings- und Lernzeit ab.

Stößt Du generell an der Uni auf Verständnis für Deinen Leistungssport?

Schaffelhuber: Vor allem seit meinem Wechsel von Jura zu Lehramt ist das Verständnis sehr hoch. Die Unterstützung und Koordinierung funktioniert super. Klar gibt es ab und zu Schwierigkeiten, die aber bislang immer zu lösen waren. Da muss ich mich wirklich bei meiner Universität bedanken.


Bei Deinem vollen Terminkalender bleibt keine Zeit für einen typischen Studenten-Job. Wie wichtig ist für Dich die Unterstützung durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium?

Schaffelhuber: Das Deutsche Bank Sport-Stipendium und die Förderung durch die Sporthilfe sind ganz entscheidend für mich. Anders wäre der Spagat zwischen Uni und Sport ehrlich gesagt auch nicht machbar. Mit einem Job als zusätzlicher Baustelle würde ich definitiv über meine Belastungsgrenzen hinausgehen.

Anders als vor Sotschi hast Du diesmal vor Pyeongchang kein Urlaubssemester genommen.

Schaffelhuber: Ich wollte jetzt einfach das Studium durchziehen. Vor meinem ersten Unitag habe ich die komplette Planung bis zum Ende gemacht – schon ein bisschen bescheuert (lacht). Im Wintersemester war ich, glaube ich, nicht einen Tag an der Uni, habe aber trotzdem meine Zulassungsarbeit zum Staatsexamen geschrieben. Aber klar, in der Zeit, in der manche Athleten regenerieren, sitze ich am Schreibtisch.

Du studierst im sechsten Semester Wirtschaft, Recht und Mathematik auf Lehramt. Wie wichtig ist Dir diese geistige Herausforderung als Ausgleich zum Sport?

Schaffelhuber: Es tut mir schon gut, wenn ich neben dem Sport noch etwas anderes mache. Klar ist es cool, sich nur auf den Sport konzentrieren zu können, aber eine Ausgleichskomponente finde ich ganz wichtig. Ein zweites Standbein neben dem Skifahren zu haben, gibt mir auch etwas mehr Freiheit, wenn ich oben am Start stehe.

Wo würdest Du die Auszeichnung zum Sport-Stipendiat des Jahres einordnen?

Schaffelhuber: Sie hätte einen sehr hohen Stellenwert, weil es eine ganz andere Art der Ehrung ist. Beim Sport-Stipendiat wird nicht nur meine sportliche Leistung gewürdigt, sondern auch der Spagat zwischen Uni und Sport, den ich nun schon seit vielen Jahren meistere. Außerdem wäre ich die erste paralympische Sportlerin, die die Auszeichnung bekäme.


Mit der Auszeichnung zum Sport-Stipendiat des Jahres ehren Deutsche Sporthilfe und Deutsche Bank auch in diesem Jahr wieder einen Athleten, dem die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Art und Weise gelingt. Fünf Top-Sportlerinnen und -Sportler stehen bis zum 19. August 2018 online unter www.sportstipendiat.de zur Wahl:

Malte Jakschik, Weltmeister mit dem Deutschlandachter und Maschinenbaustudent
Clara Klug, zweifache Paralympics-Dritte im Biathlon und Studentin der Computerlinguistik
Thomas Röhler, Olympiasieger 2016 und WM-Vierter 2017 im Speerwurf und MBA-Student für Strategy, Management and Marketing
Anna Schaffelhuber, 7-fache paralympische Goldmedaillengewinnerin im Para Ski alpin und Lehramtsstudentin
Richard Schmidt, WM-Dritter im Fechten und Rechtswissenschaftsstudent

Unter allen Teilnehmern, die ihre Stimme für einen der Kandidaten abgeben, wird eine Reise für zwei Personen zum Sporthilfe Club der Besten im Aldiana Club Costa del Sol in Spanien verlost.