Schürrles Berater schlägt zurück: "Kritik unter der Gürtellinie"

Reinhard Franke
Einer der wenigen Erfolgsmomente für Andre Schürrle mit dem BVB: Sein Treffer in der Champions League 2016 gegen Real Madrid

Für Andre Schürrle kann es im neuen Jahr eigentlich nur besser laufen.

Seit der Weltmeister vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund gewechselt ist, steckt er irgendwie in einer Sackgasse - auch auf Grund von Verletzungen.

Die magere Bilanz des 27-Jährigen in dieser Saison: Nur zwei Tore in 15 Spielen für die Schwarz-Gelben. Zuletzt watschte ihn deshalb auch der frühere Bundesliga-Profi Thomas Berthold ab.

Schürrles Berater Ingo Haspel bringen diese Aussagen auf die Palme.

Vor dem Trainingsstart des BVB am Mittwoch spricht er im SPORT1-Interview über die schwierige Situation seines Schützlings und die Kritik an ihm.

SPORT1: Herr Haspel, was sagen Sie zur Kritik von Thomas Berthold?

Ingo Haspel: Kritik, die sachlich und inhaltlich gut recherchiert ist, ist grundsätzlich kein Problem. Thomas Berthold liegt aber daneben mit seiner Aussage. Die beruht wohl eher auf der allgemeinen Stimmung, als auf den Fakten. Andre wird mir insgesamt viel zu negativ bewertet, teilweise unter der Gürtellinie und meistens von Personen, die Andre überhaupt nicht persönlich kennen.

SPORT1: Sie haben sich aufgeregt, dass Berthold behauptet hat, Andre Schürrle wäre seit dem Weggang in Mainz zu oft verletzt gewesen. 

Haspel: Ja, das ärgert mich, weil es jeder Grundlage entbehrt. Es sind sechseinhalb Jahre vergangen, seit er Mainz 05 verlassen hat. Es stimmt, dass Andre in Dortmund öfter verletzt war, das ist leider so. Er musste einige Verletzungen wegstecken und das kannte er in seiner Karriere bisher so nicht.

SPORT1: Lag es nur an Verletzungen?

Haspel: Die Verletzungen sind in Dortmund nun mal da gewesen. Für mich sind sie ursächlich für seine derzeitige Rolle im Team, wenig von Beginn an zu spielen - für andere vielleicht nicht. Wenn ein Spieler immer wieder mit kleinen und größeren Verletzungen zurückgeworfen wird, dann wird es für ihn immer schwieriger und er muss noch mehr trainieren.


SPORT1: Aber es waren immerhin vier Vereine seit Mainz...

Haspel: Ich will die Fakten in dieser Zeit einmal aufzählen. In der Saison 2009/2010 absolvierte Andre 33 Spiele für Mainz, erzielte fünf Tore und lieferte drei Tor-Vorlagen, 2010/2011 waren es 34 Spiele und 15 Tore und fünf Vorlagen für die Nullfünfer. 2011/2012 stand er in 40 Spielen für Bayer Leverkusen auf dem Platz, erzielte neun Tore und lieferte sechs Vorlagen. 2012/2013 waren es 43 Spiele, 14 Tore und zehn Vorlagen für Bayer. In Chelsea absolvierte Andre im ersten Jahr 2013/2014 43 Spiele und traf neun Mal und hatte 3 Vorlagen. 2014/2015 waren es 44 Spiele, sechs Tore und drei Vorlagen für die Blues und Wolfsburg. Beim VfL brachte es Andre in der Saison 2015/2016 auf 41 Spiele, 12 Tore und sechs sechs Vorlagen. Dazu kommen in der Zeit 55 Länderspiele mit 22 Toren und einigen Assists. 

SPORT1: Sie klingen verbittert...

Haspel: Nein, aber etwas enttäuscht. Weil einfach zu viel in einen Topf geworfen wird, die Fakten oft verdreht werden und so nur negative Dinge stehen bleiben. Ich denke nicht, dass dies die Statistik eines Spielers ist, der in der Vergangenheit nur verletzt war. Im Gegenteil: Bis auf die Zeit bei Borussia Dortmund glaube ich sogar, dass es eine Statistik ist, die weit über dem Durchschnitt liegt.

SPORT1: Was konkret fehlte Schürrle bislang beim BVB?

Haspel: Aus meiner Sicht fehlte in erster Linie das Glück, konstant gesund zu sein. Am Anfang hatte ich das Gefühl, der Verein und er passen sehr gut zusammen, doch dann kamen wie gesagt die vielen Verletzungen. Die Leidenszeit für ihn begann mit dem Spiel in der Champions League gegen Real Madrid. Er schoss damals den Ausgleich und war danach wieder länger verletzt. Genau in dieser Phase brauchst du aber auch das Glück, um so ein positive Erlebnis mit in die nächsten Spiele zu nehmen. Und zu Beginn dieser Saison hat sich in Dortmund die Mannschaft gefunden und dann ist es eben nicht so einfach wieder ins Team zu kommen.

SPORT1: Wie ist die aktuelle Situation?

Haspel: Andre hat eine schwierige, verletzungsreiche Phase hinter sich. Und er muss jetzt so viel wie möglich spielen. Jetzt geht er auf jeden Fall zu 100 Prozent fit in die Vorbereitung auf die Rückrunde.


SPORT1: Wird er Borussia Dortmund im Winter noch verlassen?

Haspel: Andre braucht Einsatzzeiten, um das Vertrauen in die eigenen Stärken wieder zu erlangen. Ich sehe nur so eine Chance, dass Andre wieder einen Schritt nach vorne macht und sein altes Level erreicht. Wenn das mit dem nötigen Vertrauen und Einsatzzeiten beim BVB möglich ist, dann gerne dort.

SPORT1: Warum kam ein Wechsel zum VfB Stuttgart nicht zustande?

Haspel: Es gab keine Anfrage und auch keinen Kontakt zum VfB. Alle Meldungen in den Medien waren lediglich Spekulationen - nichts davon stimmte.

SPORT1: Inwieweit ist das Ausland eine Option? West Ham United soll Interesse haben...

Haspel: Dass es Anfragen und Gerüchte aus dem In- und Ausland gibt, ist doch in einer Transferperiode nichts Außergewöhnliches. Aber auch im Fall von West Ham sind es nur Gerüchte und Spekulationen - ich weiß von keiner Anfrage dieses Klubs.