Schülerboom? Fachkräftewelle!


Gut eine Million mehr Schüler als gedacht – und das schon in acht Jahren. Die Wünsche der Wirtschaft werden schneller wahr, als sie hoffen konnte. Denn damit steigt auch das Potenzial für künftige Fachkräfte enorm. Die Horrorszenarien, dass schon 2030 über alle Berufe hinweg rund 1,7 Million Gesellen fehlen,  können nach unten korrigiert werden.  

Die erfreuliche Tendenz hat drei Gründe: die ganz normale Zuwanderung, die auf Rekordwerte gestiegen ist, die Flüchtlinge und vor allem der gestiegene Mut der Deutschen, Kinder zu bekommen. Besonders erfreulich ist, dass diese Million zusätzlicher junger Menschen hier in Deutschland in die Schule geht, beziehungsweise gehen wird: Auch diejenigen unter ihnen, die keine deutschen Eltern haben, werden am Ende ihrer Schulzeit voll integriert sein und fließend Deutsch sprechen.  

Zuvor jedoch sind die Kultusminister gefordert, auf sie kommt eine harte Zeit zu. Jahrelang haben sie die „demografischen Rendite“ eingestrichen – sie sparten Geld, weil die Zahl der Schüler seit der Jahrtausendwende immer weiter gesunken ist. Das ist vorbei. Jetzt bleiben ihnen nur wenige Jahre, bis der Boom zuerst die Grundschulen und dann die weiterführenden Schulen erreicht.


Sie müssen daher sehr schnell versuchen, mehr junge Menschen für den Beruf des Lehrers zu begeistern – anderenfalls droht der schon jetzt in einigen Fächern und vor allem in den Berufsschulen virulente Lehrermangel ein Ausmaß zu erreichen, das gefährlich für den Standort wird. Die Herausforderung ist umso größer, als die Schulen als Arbeitgeber zunehmend mit der Wirtschaft um fähige Kräfte konkurrieren – und zu oft unterliegen.

Daneben ist höchste Flexibilität gefragt: Denn die neue große Schülerwelle brandet zunächst in den Grundschulen auf, je nach System vier bis sechs Jahre später dann in den weiterführenden Schulen. Es reicht also nicht, Zehntausende zusätzliche Lehrer zu finden – was durch die anstehende Massen-Verrentung noch verschärft wird.

Es wird auch höchste Zeit, Wege zu finden, wie zunächst Lehrer aus den weiterführenden Schulen in den Grundschulen aushelfen können, und später dann umgekehrt. Da braucht es mehr Offenheit im Dienstrecht und in der Besoldung. Daneben geht das nicht ohne sehr viel Weiterbildung – sowohl pädagogisch als auch fachlich. Von den immensen Mehrkosten von bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr gar nicht zu reden.