Schöffe in Prozess um Loveparade-Katastrophe abgelehnt

Einer der beiden Hauptschöffen im bevorstehenden Mammutprozess um die Loveparade-Katastrophe vor dem Landgericht Duisburg ist abgelehnt worden. Die sechste große Strafkammer begründete dies mit der Besorgnis der Befangenheit, wie das Landgericht am Freitag mitteilte. Der Schöffe hatte sich nach dem Unglück einer Zeitung gegenüber zu den aus seiner Sicht Verantwortlichen geäußert und unter anderem gesagt, es seien nur "Dilettanten am Werk gewesen" - und es müssten "Köpfe rollen".

Die Äußerungen sind nach Auffassung des Gerichts geeignet, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit des Schöffen zu rechtfertigen. Die Formulierungen ließen befürchten, dass der Schöffe eine innere Haltung eingenommen habe, die seine Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit störend beeinflussen könne. Ein Schöffe ist ein ehrenamtlicher Richter und kann unter denselben Voraussetzungen wie ein hauptberuflicher Richter abgelehnt werden.

Bei der Duisburger Loveparade waren am 24. Juli 2010 in einem Gedränge am Zugangsbereich des Veranstaltungsgeländes 21 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden. Der Strafprozess um das Unglück beginnt am 8. Dezember. Vor der Duisburger Strafkammer müssen sich insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg und des Loveparade-Veranstalters verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.