Saudi Aramcos Gang aufs Parkett lässt auf sich warten – denn es gibt noch viele Hürden


Zu spontanen Auftritten vor der versammelten Ölbranche lässt sich Saudi-Arabiens Ölminister Khalid Al-Falih eigentlich nicht hinreißen. Umso größer war das Erstaunen, als sich der mächtigste Minister in der Organisation erdölfördernder Staaten (Opec) zu einem außerplanmäßigen Auftritt entschloss.

Der frühere Manager des saudi-arabischen Erdölkonzerns Saudi Aramco enttäuschte die rund 500 Besucher in der Wiener Hofburg nicht. Er schloss einen Börsengang des Ölgiganten im kommenden Jahr nicht aus. „Es wäre schön, wenn wir es 2019 machen könnten“, sagt Al-Falih am Mittwoch in der österreichischen Hauptstadt und ergänzte: „Wir wollen sicher sein, dass es die optimale Entscheidung für das Königreich sein wird.“

Aramco ist der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt. Er kontrolliert rund zehn Prozent der gesamten Ölförderung rund um den Erdball. Der Gang aufs Parkett soll ein Volumen von rund 100 Milliarden US-Dollar (81 Milliarden Euro) haben und wäre damit der mit Abstand größte Börsengang der Welt. Noch liegt der chinesische Handels- und Kommunikationskonzern Alibaba auf dem ersten Platz – mit seinem 25-Milliarden-Dollar-Börsengang aus dem Jahr 2014.


Das wird sich bald mit hoher Wahrscheinlichkeit ändern, denn „Saudi Aramco wird an die Börse gehen“, stellte Al-Falih klar. Es stehe sehr viel auf dem Spiel und sei nicht so unkompliziert wie gehofft. „Saudi Aramco wird ein bedeutender Ölproduzent bis in das nächste Jahrhundert sein“, ist sich der Ölminister sicher.

Auf dem Weg an die Börse gibt es für Aramco eine Reihe von Hindernissen: Viele Branchenexperten und Investoren halten die Preisvorstellungen des Kronprinzen Muhammad für unrealistisch. An der relativ kleinen Börse in Riad könnte zudem aller Voraussicht nach nur ein Bruchteil des Aktienpakets platziert werden. Saudi-Arabien benötigt das Geld allerdings, um die vom Kronprinzen versprochenen ehrgeizigen Reformpläne im Land voranzutreiben. „Es muss der optimale Zeitpunkt, nicht nur für Saudi Aramco als Unternehmen, sondern auch für unser Land Saudi-Arabien sein“, betonte der saudische Ölminister deswegen in Wien.

Pläne, an die New Yorker Börse zu gehen, hat das Unternehmen wieder verworfen. Bereits im März berichteten Medien, dass ein internationaler Börsengang für Aramco viel komplizierter geworden sei, als sie ursprünglich glaubten. Minister Al-Falih unterstützte die Vermutungen und betonte, dass man sich auch danach richte, wo ein Markt für Saudi-Aramco-Produkte sei. „Und da ist der Fokus in letzter Zeit immer mehr in den Nahen Osten gerückt.“

Vor allem die gegenüber der Ölindustrie immer kritischeren Investoren muss das saudische Unternehmen überzeugen. Auch wenn der Ölbedarf in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren noch steigt, stagniert die Nachfrage danach laut dem aktuellen BP-Energy-Outlook.


Aramco-Chef Armin H. Nasser pumpt deswegen Milliarden in den Ausbau des Downstream-Bereichs. Im Geschäft mit Kunststoff und Plastik sieht das Unternehmen, so wie viele in der Branche, das größte Wachstumspotenzial im Ölbereich. „Wir werden weiter massiv in diesen Bereich investieren“, bekräftigte Nasser am Mittwoch in Wien. Im Gegensatz zu seinem saudischen Ölminister Al-Falih verlor der Aramco-Chef kein Wort über den Börsengang seines Konzerns.

Der staatliche Ölgigant hat bereits in China, Indien und Malaysia Projekte im hohen zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich akquiriert und ist noch lange nicht fertig. Bis 2030, so der stellvertretende Saudi-Aramco-Chef Abdulaziz Al-Judaimi, wolle man die Petrochemie-Produktion verdoppeln. „Wir wollen 2040 die Nummer eins in diesem Sektor sein, das ist unser Ziel“, sagte Al-Judaimi. „Unsere Investments in Downstream und Upstream haben wir seit 2014 ausgebaut“, unterstrich CEO Nasse in Wien.

Eine wichtige Rolle spielt auch eine stabile Preispolitik des Ölkartells. Saudi-Aramco-Chef Nasser erwartet nach eigener Aussage einen Preis zwischen 60 und 80 Dollar pro Barrel (159 Liter). Am Donnerstagnachmittag notierte die Nordseesorte Brenz bei 73,49 Dollar. Stabile Preise würden indirekt den Petro-Giganten aus Saudi Arabien helfen. Am Freitag trifft sich die Opec, um eine Entscheidung über eine Ausweitung der Ölförderung zu beraten.


„Wir müssen zusammen halten“, sagte Al-Falih. Er sieht den globalen Ölmarkt unterversorgt. „Wir werden ein Defizit von 1,6 bis 1,8 Millionen Barrel im zweiten Halbjahr 2018 sehen“, sagte der Ölminister. Er plädiert zusammen mit Russland, dem wichtigsten Nicht-Opec-Partner, für eine Erhöhung der Förderkapazitäten. „Eine Million Barrel scheint mir ein gutes Ziel zu sein“, nannte Al-Falih als Zielgröße. Dagegen wehrt sich eine ganze Reihe von Opec-Mitgliedern, der Wortführer der saudische Erzrivale Iran ist.

In Opec-Kreisen wird deshalb am Freitag ein hartes Ringen hinter verschlossenen Türen erwartet. Al-Falih übte sich zum Auftakt in Zuversicht. „Ich bleibe optimistisch und hoffnungsvoll. Ich bin sicher, dass wir einen Konsens finden.“