Saudi-Arabien richtet erstmals internationales Schachturnier aus

Saudi-Arabien richtet erstmals ein internationales Schachturnier aus. In der Hauptstadt Riad findet das Blitz- und Schnellschachturnier Rapid and Blitz statt, ein weiteres Zeichen der Modernisierung des ultrakonservativen Königreiches

Saudi-Arabien richtet erstmals ein internationales Schachturnier aus. In der Hauptstadt Riad findet seit Dienstag das Blitz- und Schnellschachturnier Rapid and Blitz statt - ein weiteres Zeichen des Modernisierungskurses im ultrakonservativen Königreich. Dass der Weltschachverband Fide das Land als Gastgeber auswählte, führte zu Kontroversen: Das streng islamische Land weigerte sich etwa, sieben israelischen Spielern Visa für das bis Samstag dauernde Turnier auszustellen.

Nach den Regeln des Schachverbandes darf kein Land Spieler aufgrund ihrer Nationalität ausschließen. Auch Spielern aus dem Iran, seinem Erzrivalen im Nahen Osten, und dem Golfstaat Katar wollte Saudi-Arabien zunächst keine Einreiseerlaubnis erteilen, lenkte laut Fide jedoch später ein.

Auch die strengen Regeln für Frauen in dem Land führten zu scharfer Kritik. Sie müssen eigentlich von Kopf bis Fuß bedeckt sein und dürfen nicht ohne männliche Begleitung in die Öffentlichkeit.

Fide erklärte hingegen, das Tragen eines Kopftuches sei für Spielerinnen nicht nötig. Es reiche, wenn Frauen in zugeknöpften weißen Blusen erscheinen würden. Die doppelte Schach-Weltmeisterin Anna Muzychuk aus der Ukraine boykottiert wegen der Vorschriften für Frauen das Turnier.

Muslimen ist das Schachspiel eigentlich seit fast zwei Jahren durch eine Fatwa verboten. In einer Fatwa erklären islamische Gelehrte, ob ein Verhalten den Glaubesrichtlinien entspricht oder nicht.

Vor kurzem hatte Saudi-Arabien angekündigt, sich im kommenden Jahr dem Tourismus zu öffnen. In den vergangenen Monaten wurde darüberhinaus die Aufhebung des Fahrverbots für Frauen ab Juni kommenden Jahres beschlossen, außerdem wurde das Kinoverbot aufgehoben. Hinter dem Modernisierungskurs steht Kronprinz Mohammed bin Salman, der im Juni zum Thronfolger ernannt wurde.