Jemens mächtiger Ex-Staatschef Saleh kündigt Bündnis mit Huthi-Rebellen auf

Die Huthi-Rebellen im Jemen haben das Gesprächsangebot des mit ihnen verbündeten Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh an das verfeindete Saudi-Arabien als "Putsch" verurteilt. "Salehs Rede ist ein Putsch gegen unsere Allianz und Partnerschaft", sagte ein Sprecher der Huthi-Rebellen

Im Bürgerkrieg im Jemen hat der mächtige Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh eine Kehrtwende vollzogen: Saleh scherte am Samstag aus dem Bündnis mit den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus und erklärte sich zu Gesprächen mit der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bereit. Die Huthis warfen Saleh daraufhin "Hochverrat" vor. In der Hauptstadt Sanaa lieferten sich die einstigen Verbündeten am Samstag heftige Kämpfe.

Der 2012 gestürzte Saleh und Huthi-Chef Abdul Malik al-Huthi waren jahrzehntelang verfeindet gewesen, bis sie sich gegen den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi verbündeten. Salehs Militäreinheiten und die schiitischen Huthi-Rebellen vertrieben Hadi 2014 aus der Hauptstadt Sanaa. Hadi floh nach Saudi-Arabien; seine Truppen lieferten sich fortan Kämpfe mit Saleh-treuen Einheiten und Rebellen. 2015 griff das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis zur Unterstützung Hadis in den Konflikt ein. Seitdem wurden mehr als 8750 Menschen getötet.

Mit seiner Kehrtwende will Saleh nach eigenen Angaben eine Aufhebung der Blockade erreichen, mit der die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition das Land belegt hat. "Ich rufe unsere Brüder in den Nachbarländern auf, ihre Aggression zu stoppen und die Blockade aufzuheben, und wir werden das Blatt wenden", sagte Saleh in einer Fernsehansprache.

Die von Riad angeführte Koalition begrüßte Salehs Gesprächsangebot. Salehs Gruppierung habe sich entschieden, "die Führung zu übernehmen", hieß es in einer Meldung der staatlichen saudi-arabischen Nachrichtenagentur SPA. Saleh werde dazu beitragen, den Jemen von den Iran-treuen Milizen zu "befreien".

Salehs bisheriger Bündnispartner, die Huthi-Rebellen, reagierten erbost: Er werde Saleh und Saudi-Arabien nun "als eine Front" ansehen, erklärte Rebellenchef Abdul Malik al-Huthi. Er warf Saleh "Hochverrat" vor. Ein Huthi-Sprecher hatte Salehs Schritt zuvor bereits als "Putsch gegen unsere Allianz und Partnerschaft" verurteilt.

Das Bündnis zwischen den Anhängern Salehs und den Huthi-Rebellen hatte zuvor bereits Risse bekommen, was Ängste vor einer neuen mächtigen Front in dem Konflikt schürte. Am Samstag gab es in Sanaa den vierten Tag in Folge bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den bisherigen Verbündeten. Nach Angaben der Huthis wurden dabei mindestens 40 Kämpfer getötet. In Sicherheitskreisen in Sanaa war sogar von mehr als 60 Toten die Rede.

Laut Augenzeugen lieferten sich bewaffnete Gruppierungen Kämpfe um strategisch wichtige Orte wie den Flughafen und Ministerien. Die Straßen waren am Samstagabend menschenleer. Ein Bewohner beschrieb Sanaa als "Geisterstadt".

Im Jemen herrscht wegen des jahrelangen Konflikts und aufgrund einer Dürre eine schwere humanitäre Krise. Verschärft wird diese durch eine Blockade, die das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis Anfang November nach dem Abschuss einer Rakete auf den Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad verhängt hatte. Die Rakete war von Saudi-Arabien abgefangen und zerstört worden.

Am Samstag riefen mehrere UN-Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, die Blockade zu beenden. Sie verlangten den Zugang zu allen am Roten Meer gelegenen jemenitischen Häfen sowie freien Zugang für humanitäre und kommerzielle Güter. 14 Schiffe mit Treibstoff und Lebensmitteln an Bord warteten demnach auf eine Einfuhrerlaubnis.

Mehr als acht Millionen Menschen könnten ohne direkte Hilfe verhungern, warnten die UN-Vertreter unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk Unicef. Die UN-Vertreter kündigten an, ein Team nach Riad zu schicken, das dort mit der Militärkoalition sowie mit der Regierung des Landes sprechen soll.