Saudi-Arabien: Frauen besuchen erstmals Fußballspiel

Beim Spiel Al-Ahli gegen Al-Batin waren Frauen in Saudi-Arabien erstmals der Stadionbesuch erlaubt

In Saudi-Arabien durften Frauen am Freitag erstmals ein Fußballspiel live im Stadion verfolgen.

Das Erstligaduell zwischen den Klubs Al-Ahli und Al-Batin war nach einem Kurswechsel des ultra-konservativen Königsreichs die erste von drei Begegnungen, die auch für Frauen zugänglich sind.

In Saudi-Arabien, das sich zum fünften Mal für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert hat, war Frauen der Besuch von Sportstadien bislang strengstens untersagt.


Eine erste Ausnahme war im September gemacht worden, als Frauen am Nationalfeiertag in Begleitung ihrer Familie ein Stadion betreten durften. Auch die drei Fußballspiele dürfen Frauen nur in Begleitung und in bestimmten Blöcken besuchen.

Al-Ahli-Anhängerin hofft auf bessere Zukunft

Schon Stunden vor dem Spiel hatten Vereine Frauen über die sozialen Netzwerke ermutigt, in die Stadien zu gehen. Einige Klubs boten sogar spezielle Abayas - traditionelle Überkleider - in den entsprechenden Vereinsfarben an.

"Dieses Event zeigt, dass uns eine bessere Zukunft bevorsteht. Ich bin stolz, Zeugin dieses massiven Wandels zu sein", sagte Al-Ahli-Anhängerin Lamya Khaled Nasser der Nachrichtenagentur AFP.

Im streng islamischen Land herrschen strikte Restriktionen für Frauen. Zuletzt hatte es unter der Führung des Kronprinzen Mohammed bin Salman allerdings einige Lockerungen gegeben. So soll beispielsweise ab kommenden Juni Frauen der Erwerb von Führerscheinen erlaubt werden. Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht selbst Autofahren durften.

Veränderungen Teil der "Vision 2030"

Die Veränderungen sind Teil von Salmans Programm "Vision 2030", mit dem er das Land auch mit einer Ankurbelung der Binnennachfrage unabhängiger von der Einnahmequelle Öl machen will. Dazu gehört auch eine Aufhebung des Kinoverbots, das ab März gelten soll.

Zuletzt hatte das Land auch die Schnellschach-WM ausgerichtet und dabei viel Kritik provoziert. So erhielten israelische Teilnehmer keine Visa, die ukrainische Titelverteidigerin Anna Musytschuk hatte aus Protest gegen die Frauen-Diskriminierung das Turnier boykottiert.

Bei der Fußball-WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) tritt die Nationalmannschaft Saudi-Arabiens in der Gruppe A an und bestreitet das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Russland. Weitere Gegner sind Ägypten und Uruguay.