Angst vor weiterer Eskalation des Bürgerkriegs im Jemen

Huthi-Rebellen in Jemens Hauptstadt Sanaa

Nach dem neuerlichen Abschuss einer Rakete von jementischen Rebellen in Richtung Saudi-Arabien wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Bürgerkriegs im Jemen. Die Rakete sei im Anflug auf die Hauptstadt Riad zerstört worden, teilte das Informationsministerium am Dienstag in Riad mit. Es beschuldigte den Iran sowie die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, hinter dem Angriff zu stecken.

Opfer habe es nicht gegeben, teilte das Ministerium weiter mit. Die schiitischen Huthi-Rebellen bestätigten den Raketenabschuss und erklärten, der Angriff habe der offiziellen Residenz des saudiarabischen Königs Salman, dem Jamamah-Palast, gegolten.

Im vergangenen Monat hatten die Huthi-Rebellen eine Rakete auf den internationalen Flughafen von Riad abgefeuert und erklärt, "Flughäfen, Häfen, Grenzübergänge und Gebiete von jeglicher Bedeutung" in Saudi-Arabien und den mit ihm verbündeten Vereinigten Arabischen Emiraten seien legitime Ziele.

Das Auswärtige Amt verurteilte den erneuten Raketenbeschuss scharf. Dies müsse "endlich ein Ende nehmen", erklärte ein Sprecher in Berlin. Eine politische Lösung des Jemen-Konflikts sei "dringend" vonnöten.

Hinter dem Bürgerkrieg im Jemen steht auch ein Stellvertreterkonflikt der rivalisierenden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien. Nach dem Abfeuern der ersten Rakete am 4. November, die vom saudiarabischen Militär abgefangen wurde, hatte das von Saudi-Arabien angeführte und von den USA unterstützte internationale Militärbündnis eine Blockade gegen den Jemen verhängt.

Ziel der Blockade war es nach saudiarabischen Angaben, iranische Waffenlieferungen an die Huthis zu unterbinden. Der Iran dementiert Waffenlieferungen an die Huthi-Rebellen. Dagegen hatte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, am Donnerstag gesagt, es gebe "unwiderlegbare" Beweise dafür, dass die am 4. November abgeschossene Rakete im Iran hergestellt worden sei.

Hilfsorganisationen beklagten, dass die Blockade die katastrophale humanitäre Situation im Jemen weiter verschlimmert habe. Zudem hat sich seit dem Tod des jemenitischen Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh am 4. Dezember die Intensität des Bombardements aus der Luft noch einmal verstärkt. Die UNO zeigte sich am Dienstag "zutiefst besorgt" über den Anstieg ziviler Opfer in der letzten Zeit. Allein vom 6. bis zum 16. Dezember seien bei saudiarabischen Luftangriffen mindestens 136 Zivilisten getötet worden, sagte ein Sprecher in Genf.

UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Kombination aus Gewalt und Blockade von wichtigen Häfen durch die Koalition habe eine "grauenerregende Lage" im Jemen geschaffen, "im wahrsten Sinne des Wortes ein Inferno für viele Jemeniten".

Seit dem Eintritt der saudiarabischen Koalition in den Krieg 2015 wurden mehr als 8750 Menschen getötet und Zehntausende verletzt. Rund 8,4 Millionen Menschen sind nach Angaben des für den Jemen zuständigen UN-Koordinators Jamie McGoldrick vom Hunger bedroht. Nach Ansicht der Vereinten Nationen handelt es sich um die schlimmste humanitäre Krise der Welt.