Satirikerin Sarah Bosetti: "Ich muss aufpassen, dass ich niemanden aus Mitleid wähle"

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In der neuen Folge "Bosetti will reden!" arbeitet sich Kabarettistin Sarah Bosetti am aktuellen Wahlkampf ab. (Bild: ZDF / Daniel Hoth)
In der neuen Folge "Bosetti will reden!" arbeitet sich Kabarettistin Sarah Bosetti am aktuellen Wahlkampf ab. (Bild: ZDF / Daniel Hoth)

Das ZDF geht mit Satirikerin Sarah Bosetti in die dritte Staffel: In "Bosetti will reden" hagelt es wieder bissige Rundumschläge gegen jegliche Idiotie der Gesellschaft. Die Auftaktfolge beschäftigt sich mit dem Wahlkampf - und lässt kein gutes Haar am Werben um Wählerinnen und Wähler.

Bissige und intelligente Satire passt in wenige Minuten: Dies beweist Kabarettistin Sarah Bosetti seit Jahren mit ihren scharfen und unterhaltsamen Kommentaren zum aktuellen Zeitgeschehen, die jedoch betont entspannt vorgetragen werden.

Mit ihrer Online-Reihe "Bosetti will reden!" trifft die 37-Jährige einen Nerv, weshalb sich das ZDF für eine Fortsetzung entschieden hat. Premiere feierte die dritte Staffel am Freitag, 10. September. Insgesamt werden acht neue, im Zwei-Wochen-Rhythmus veröffentlichte Folgen mit Sarah Bosetti in der ZDF-Mediathek sowie auf dem ZDF-Comedy-Channel auf YouTube zu sehen sein.

20 dieser pointierten Rundumschläge waren zuvor bereits online abrufbar. Sie drehen sich unter anderem um die Möglichkeiten, sich während der Corona-Krise zu bereichern oder auch um die "Frage", ob man zum "feministischen Kampftag" Frauen Blumen überreichen sollte.

Wahlkampf ist wie "Stromberg"

Nun ist die Sommerpause vorbei und in der Auftakt-Folge der dritten Staffel widmet sich Sarah Bosetti dem politischen Hauen und Stechen ums Kanzleramt. Dafür nimmt sie sich sogar etwas mehr Zeit als üblich. Sie wolle ja kein Bodyshaming betreiben, leitet die Satirikerin vor dem Intro ein, aber "schön anzusehen ist er ja nicht, dieser Wahlkampf".

Bosetti habe mit dem Wahlkampf vor allem ein Problem: "Ich kann Fremdscham nicht." Sie könne sich nicht an Peinlichkeiten anderer Menschen erfreuen, sondern leide einfach nur. "Wahlkampf ist, als würde man mich zwingen, den ganzen Tag lang 'Stromberg' zu gucken." Der Ekelchef aus der gleichnamigen ProSieben-Serie würde unter anderem im Zuge der Flutkatastrophe lachen oder andere in Werbespots für sich singen zu lassen - eindeutige Seitenhiebe auf Wahlkampf-Aufreger der vergangenen Monate. Außerdem würde sich Stromberg wie ein einseitig verliebter Stalker benehmen, dessen Liebe nur Berechnung ist. Dabei würde er nur eines wollen: "Macht".

Keine "absurden Forderungen nach einem ehrlichen Wahlkampf"

Sarah Bosetti müsse "wirklich aufpassen, dass ich niemanden aus Mitleid wähle." Das sei ihr in der Vergangenheit fast passiert, unter anderem bei Martin Schulz (SPD). Dieses Jahr käme ihrer Ansicht nach dafür Armin Laschet infrage. Die folgenden Minuten arbeitet sie sich an der CDU ab, einseitig ist der Clip allerdings nicht. "Wir wollen ja ausgewogen sein vor der Wahl", erklärt Bosetti. "Habe ich mich über irgendwen noch nicht lustig gemacht?" Sie gibt die Antwort selbst: Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, dem man ob seiner Langweiligkeit ihrer Ansicht nach sogar Skandale verzeihe.

Aber geht das nicht auch alles anders, fragt sich die Satirikerin. "Keine Angst, ich komme jetzt nicht mit absurden Forderungen nach einem ehrlichen Wahlkampf, oder einem Wahlkampf, der sich auf Inhalte konzentriert." Im Gegensatz dazu sollte es ihrem sarkastischen Vorschlag nach einen gänzlich unpolitischen Wahlkampf geben. Denn: "Politik interessiert doch keinen." Mögliche Disziplinen hat sich Bosetti auch bereits überlegt: Spülmaschine einräumen, Pflaster abziehen, ohne dass es wehtut, oder einem Kleinkind eine Strumpfhose anziehen. "Wer das kann, kann doch alles. Auch mit Putin verhandeln."

Generell zeigt sie sich genervt vom Werben um Wählerinnen und Wähler. Da würde es sich Bosettis Meinung nach doch anbieten, dem Treiben ein Ende zu setzen. Auch dafür hat sie einen konkreten Vorschlag parat: "Wenn wir heute noch unsere Briefwahl-Unterlagen abschicken, dann können die Parteien doch eigentlich morgen mit ihrem Rumgegockel aufhören."

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