Nach Satire-Skandal: Helmut Schleich wehrt sich und nennt Blackfacing "Debattenimport"

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Kunstfreiheit oder Diskriminierung? Der Auftritt von Helmut Schleich in "SchleichFernsehen" erregt weiter die Gemüter. (Bild: BR)
Kunstfreiheit oder Diskriminierung? Der Auftritt von Helmut Schleich in "SchleichFernsehen" erregt weiter die Gemüter. (Bild: BR)

Wenige Wochen nach seinem umstrittenen Auftritt in der BR-Satire "SchleichFernsehen" äußert sich der namensgebende Moderator Helmut Schleich zu den erhobenen Blackfacing-Vorwürfen. Verstehen kann sie der 53-jährige Kabarettist nicht.

Es ist eine alte Diskussion in den darstellenden Künsten und ihrer Rezeption: Darf ein weißer Schauspieler sich mit schwarzer Farbe anmalen, um anschließend einen dunkelhäutigen Menschen auf der Bühne oder im Fernsehen darzustellen? Dieser als "Blackfacing" bezeichneten Technik hatte sich zuletzt der bayerische Kabarettist Helmut Schleich in seiner gleichnamigen BR-Satire "SchleichFernsehen" bedient und dafür heftige Kritik geerntet. In einem Interview mit den Regionalzeitungen "Münchner Merkur" und "tz" schoss der 53-Jährige nun zurück.

Er bedaure sehr, dass "der Diskriminierungsvorwurf stärker gewichtet wurde als die Freiheit der Kunst", erklärte Schleich. Die Aufregung um die von ihm geschaffene Kunstfigur habe ihn "in dieser Form absolut überrascht", so der gebürtige Schongauer weiter. Mit der Entscheidung der ARD-Anstalt, die Kunstfigur künftig zu streichen, könne er, nach eigener Aussage, leben: "Ich habe auch keine Lust, hier einen sinnlosen Kampf zu kämpfen", erklärte Schleich. Schade sei die Entscheidung dennoch.

Helmut Schleich ist ein Verwandlungskünstler. Besonders beliebt sind seine Auftritte als Ex-Landesvater Franz Josef Strauß - sofern kein Blackfacing im Spiel ist. (Bild: BR / Martina Bogdahn)
Helmut Schleich ist ein Verwandlungskünstler. Besonders beliebt sind seine Auftritte als Ex-Landesvater Franz Josef Strauß - sofern kein Blackfacing im Spiel ist. (Bild: BR / Martina Bogdahn)

"Hier in Deutschland spielt das Thema historisch betrachtet keine besondere Rolle"

Natürlich sei sich der Kabarettist über die historische Problematik des Blackfacings bewusst. Seiner Meinung nach handle es sich dabei allerdings um einen "Debattenimport": "Hier in Deutschland spielt das Thema historisch betrachtet keine besondere Rolle." Im Hinblick auf den von ihm dargestellten fiktiven Nachkommen des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß fuhr er fort: "Mit der Figur des Maxwell Strauß als Nachkomme von Franz Josef Strauß wollte ich ja eben genau den Export neokolonialer Strukturen aus dem globalen Norden nach Afrika persiflieren." Schleich versicherte: "Über Maxwell lacht doch keiner, weil er schwarz ist, sondern weil er unsere Strukturen spiegelt."

Anfang April war Helmut Schleich in der Rolle eines fiktiven schwarz-geschminkten Maxwell Strauß im BR Fernsehen aufgetreten. Kurz darauf war der Auftritt von zahlreichen Zuschauern in den sozialen Netzwerken, aber auch vom BR-Aufsichtsgremium als rassistisch kritisiert worden. Infolgedessen hatte sich der öffentlich-rechtliche Sender dazu entschieden, die Kunstfigur künftig aus dem Programm zu streichen. Die BR-Intendantin Katja Wildermuth kündigte zudem eine interne Debatte über Werte an. Laut Schleich habe diese bislang nicht stattgefunden.