Sarkozy wegen Libyen-Affäre in Polizeigewahrsam

Sarkozy mit Gaddafi im Juli 2007 in Tripolis

In einer Affäre um illegale Wahlkampfspenden aus Libyen ist der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy in Polizeigewahrsam genommen worden. Anti-Korruptions-Ermittler vernahmen Sarkozy am Dienstag in Nanterre westlich von Paris, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Es geht um den Verdacht, der damalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi habe 2007 Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf mitfinanziert. Die Rede ist von rund 50 Millionen Euro.

Es ist das erste Mal, dass der frühere Staatschef zu den Vorwürfen befragt wird. Untersuchungsrichter gehen bereits seit April 2013 dem Verdacht nach, dass al-Gaddafi in Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf mitmischte. Noch als Präsident nannte Sarkozy die Vorwürfe "grotesk". Der konservative Politiker hatte 2007 die Präsidentschaftswahl gegen die Sozialistin Ségolène Royal gewonnen und war bis 2012 im Amt.

In der Affäre wurde am Dienstag auch Sarkozys früherer Innenminister Brice Hortefeux vernommen. Bereits 2015 hatte die Justiz in der Sache zudem ein Strafverfahren gegen Sarkozys früheren Vertrauten Claude Guéant eingeleitet, der das Innenministerium 2011 von Hortefeux übernahm.

Guéant muss sich wegen Steuerhinterziehung und Fälschung verantworten. Die Ermittler interessieren sich insbesondere für eine Überweisung in Höhe von 500.000 Euro auf Guéants Konto. Der Beschuldigte gibt an, das Geld mit dem Verkauf von Gemälden erzielt zu haben, dies zweifelt die Justiz jedoch an. Im Wahlkampf 2007 war Guéant Sarkozys rechte Hand.

Eine weitere Schlüsselfigur in der Affäre, der Geschäftsmann Alexandre Djouhri, war diesen Januar in London festgenommen worden. Er wartet derzeit auf eine Anhörung und eine mögliche Auslieferung nach Frankreich.

Die Affäre war 2012 durch Enthüllungen der Internet-Zeitung "Mediapart" ins Rollen gekommen. In einem von dem Portal zitierten offiziellen Schreiben aus Libyen ist von rund 50 Millionen Euro Wahlkampfhilfe für Sarkozy die Rede.

Der frühere Staatschef ist auch wegen einer Reihe weiterer Affären im Visier der Justiz. Auch für den Wahlkampf 2012 muss er sich wegen illegaler Finanzierung verantworten, hier droht ihm ein Prozess. Zudem wurde wegen des Verdachts der versuchten Bestechung eines ranghohen Staatsanwalts 2014 ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.

Vor anderthalb Jahren hatte Sarkozy erfolglos ein politisches Comeback versucht. Er ging für seine Partei Les Républicains (Die Republikaner) als Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur ins Rennen, schied aber bei der Vorwahl im November 2016 gegen seinen früheren Premierminister François Fillon aus. Dieser geriet dann seinerseits in einer Scheinbeschäftigungs-Affäre unter Druck und unterlag in der Vorwahl dem später siegreichen Sozialliberalen Emmanuel Macron.