Sarah Wiener wehrt sich gegen Veganer-Shitstorm auf Facebook

Elisabeth Müller
Freie Journalistin

Es ist ja nicht mal so, dass sie Werbung für Fleisch gemacht hätte. Wegen eines relativ harmlosen Posts über Mandelmilch wird die österreichische Starköchin Sarah Wiener auf ihrer Facebookseite von Veganern angegangen – und setzt sich zur Wehr.

Wegen eines Posts über Mandelmilch wurde die Köchin Sarah Wiener auf ihrer Facebookseite von Veganern attackiert.

Veganer haben auf vielen Social-Media-Seiten einen eher “speziellen” Ruf: Gerade im Internet werben viele Menschen, die nicht nur kein Fleisch und keinen Fisch, sondern gar keine Tierprodukte zu sich nehmen, auf eine Art für diesen Lebensstil, den viele als recht aggressiv empfinden. Das zeigte sich nun auch auf der Facebookseite der österreichischen Fernsehköchin Sarah Wiener, nachdem die einen kritischen Artikel über Mandelmilch verlinkt und dazu geschrieben hatte:

Leider enthält industriell hergestellte Mandelmilch nur ca. 2% Mandeln, dafür aber Stabilisatoren und Emulgatoren, damit sich Wasser und Fett nicht trennen. Außerdem ist sie häufig mit Zucker angereichert und ultrahocherhitzt. Hier noch eine Erklärung über die Komplexität von Fertigprodukten. Eure Sarah”

Zu Kuhmilch haben sich in den vergangenen Jahren viele Alternativen entwickelt: Neben dem Klassiker Sojamilch gibt es milchähnliche Drinks aus Kokosmilch, Hafer, Dinkel, Reis und verschiedenen Nusssorten – unter anderem eben auch Mandelmilch. Diese werden übrigens nicht nur von Veganern konsumiert. Trotzdem scheint es vor allem diese Gruppe gewesen zu sein, die sich von Wieners Post provoziert fühlte, wie sich in hunderten Kommentaren zeigte.

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Eine Userin schrieb: “SELBST WENN die mandelmilch aus geschredderten badewannenstöpseln und weißer farbe bestünde, würde ich sie dennoch echter milch vorziehen. (…) sämtliche pseudofaktischen argumentationen, die sie hier in erbärmlicher regelmäßigkeit vom stapel lassen, tragen NICHTS zur verbesserung dieser welt bei. schlimm, wie sie einer psychopathen-industrie derart in die hände spielen.”

Eine andere: “Jeder andere Drink (Milchersatz)ist besser als tierische Drüsensekrete!”

Oder: “ach ja, aber industriell hergestellt Kuhmuttermilch ist gesünder?? Vom Leid der Kühe und Kälbe mal gan abgesehen!! Schämen Sie sich, dieses Leid auch noch zu propagieren!”

Andere verlinkten Dokumentationen über das Leid der Kälber in der Milchindustrie oder gaben Rezepte für hausgemachte Mandelmilch weiter. Die Reaktionen waren so zahlreich und heftig, dass Wiener am nächsten Tag in einem weiteren Post reagierte und sie “pauschalisierend, unsachlich und zum Teil beleidigend” nannte:

Die Köchin erklärt in ihrem Post, dass es ihr um Wissensvermittlung zu Mandelmilch gegangen sei, nicht darum, Werbung für Kuhmilch oder industrielle Tierhaltung zu machen:

“1. Sorry, aber: nein, ich bekomme kein Geld von der Fleischindustrie, der Milchindustrie oder irgendeiner Firma, die mit tierischen Proteinen zu tun hat. Ich propagiere seit Jahrzehnten, dass man am besten selber frisch kochen, keine H-Milch trinken und keine Massen an Industriefleisch essen sollte. Aber eben auch keine anderen stark verarbeiteten Nahrungsmittel. Selberkochen, möglichst aus vielfältigen regionalen und saisonalen Grundnahrungsmitteln, aus ökologischem Anbau: Das ist meine ethische Grundhaltung.

2. Eine ethische Grundhaltung ist nichts, was ein kleiner Kreis von ideologisierenden und dogmatischen VeganerInnen für eine ganze Gesellschaft definieren und für sich alleine in Anspruch nehmen sollte, um andere niederzumachen und die eigene Sichtweise durchzudrücken.”

Sie weist erneut darauf hin, dass auch vegane Produkte aus industrieller Fertigung stammen können und deshalb in der Umweltbilanz vielleicht “besser”, aber nicht automatisch gut sein müssen: “Was viele hier anprangern (Massentierhaltung und Monokulturen) ist genau das System der Agroindustrie, das ich zutiefst ablehne”. Die 56-Jährige schreibt auch, sie lebe nicht dafür, sich jeden Tag für ihre eigene Existenz zu geißeln: “Die Welt besteht nicht nur aus Emissionen, Wasserverbrauch und Klimabilanz. Schwarz und Weiß. Wer seinen Fußabdruck gegen null bringen will, schafft sich am besten selbst ab. Das ist am effizientesten.”

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Und an die Internetkämpfer auf veganer Mission richtet sie zum Abschluss noch diese Botschaft: “Noch ein Extra-Tipp: Wenn ihr Menschen überzeugen wollt, dann mit Liebe und Geduld und Verständnis. Nicht mit Rufmord und persönlicher Herabwürdigung. Ihr diskreditiert damit alle liebevollen überzeugten vegan lebenden Menschen.”

Unter diesem Post gibt es einige zustimmende Kommentare, aber auch viele Erwiderungen á la “Frau Wiener, wenn Sie ihre Mitgeschöpfe mögen würden, würden Sie ab sofort vegan leben! Und irgendwann ist es mal gut die Mitmenschen “mit Liebe und Geduld” davon zu überzeugen, welche Grausamkeiten den Tieren angetan wird, nur damit sie sich ein Schnitzel reinpfeifen können!!” Diese Auseinandersetzung wohl nicht die letzte gewesen sein wird, die die Köchin mit Veganerinnen und Veganern führt…

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