SAP präsentiert starke Zahlen – und blickt optimistisch in die Zukunft

SAP hat starke Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt – vor allem das Zukunftsgeschäft Cloud-Computing wächst. Trotzdem sinkt der Aktienkurs.


SAP hat am Donnerstag als erster Dax-Konzern den Finanzbericht fürs zweite Quartal veröffentlicht. Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten.

  • Der Softwarekonzern wächst weiter ordentlich: Der Umsatz stieg im Zeitraum von April bis Juli um vier Prozent auf 6,0 Milliarden Euro – mehr als von Analysten erwartet. Das Betriebsergebnis legte um 13 Prozent auf 1,044 Milliarden Euro zu. Diese Entwicklung ist vor allem dem starken Geschäft mit dem Cloud Computing zu verdanken.
  • Die Profitabilität hat sich um 0,1 Prozentpunkte verbessert – eine Kennzahl, auf die Analysten nach den hohen Investitionen der vergangenen Jahre genau gucken.
  • SAP blickt noch optimistischer in die Zukunft: Der Softwarehersteller hat das untere Ende der Spanne von Gewinn und Umsatz angehoben.


Das fällt positiv auf 

Mehr über dem Strich: SAP hat in den vergangenen Jahren massiv ins Cloud Computing investiert – immer mehr Kunden wollen Software nicht im eigenen Unternehmen laufen lassen, sondern übers Internet darauf zugreifen. Dieser Strategieschwenk machte sich bezahlt: Das Cloud-Geschäft wuchs um 30 Prozent auf 1,213 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 40 Prozent. SAP gewinne weiter Marktanteile, sagte Vorstandschef Bill McDermott. „Wir könnten nicht zuversichtlicher sein“, sagte er. „Das Cloudgeschäft fliegt.“

Gleichzeitig ist das Geschäft mit Softwarelizenzen und -support vergleichsweise stabil. Es schrumpfte zwar um zwei Prozent auf 3,73 Milliarden Euro, allerdings auch im Vergleich zu einem sehr starken Vorjahresquartal. Mit Kernprodukten wie S/4 Hana – einem Paket zur Steuerung von betriebswirtschaftlichen Abläufen – verzeichne SAP weiter zweistellige Zuwächse, betonte Finanzchef Luka Mucic.

Das Geschäft bleibt stabil, dieses Signal sendet der Softwarehersteller auch, indem er den Ausblick fürs gesamte Jahr anhebt: Das untere Ende der Umsatzspanne liegt nun bei 24, 975 Milliarden Euro, 175 Millionen Euro mehr als zuvor. Der mittelfristige Ausblick bis 2020 sieht vor, dass das Cloud-Geschäft um 200 Millionen Euro größer ausfällt.

Mehr unter dem Strich: Rechenzentren, Personal, Umstrukturierungen - die Investitionen ins Cloud Computing waren teuer. Darunter litt die Profitabilität, wie Aktionäre und Analysten immer wieder kritisierten.

Für dieses Geschäftsjahr verspricht SAP Verbesserungen, was der Konzern auch im zweiten Quartal einhielt: Die operative Gewinnmarge stieg leicht um 0,1 Prozentpunkte, im ersten Halbjahr um 0,7 Prozentpunkte. Daher hebt der Konzern die Spanne fürs Betriebsergebnis ebenfalls leicht an.

SAP biete eine Dreierkombination wie kein anderes Software-Unternehmen an, betonte McDermott: Wachstum in der Cloud, Stabilität im Lizenzgeschäft, eine Steigerung des Betriebsgewinns. Er sagte das nicht zum ersten Mal, die Aktionäre werden es trotzdem gerne hören. 


Die Zahl des Tages

SAP hat auf der Kundenkonferenz Sapphire Now ein Softwarepaket vorgestellt, mit dem Firmen alle Aktivitäten rund um ihre Kunden abwickeln können – es fasst mehrere bestehende Produkte zusammen. Ziel sei es, den Markt fürs Customer Relationship Management (CRM) „zu übernehmen“, sagte SAP-Chef Bill McDermott selbstbewusst. Eine Kampfansage an den Konkurrenten Salesforce, der mit Abstand die Nummer 1 ist.

Nun hat der Konzern erstmals aufgeschlüsselt, wie groß dieses Geschäft ist: Das Segment „Customer Experience“ steuerte im zweiten Quartal 231 Millionen Euro Umsatz bei, 57 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das macht deutlich, wie weit der große Konkurrent enteilt ist: Salesforce erwirtschaftete im abgelaufenen Quartal drei Milliarden Dollar. 

Was jetzt passiert 

Am Jahresanfang litt SAP unter dem starken Euro: Der Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg auf knapp 1,25 Dollar, ein Dreijahreshoch. Die Erträge aus den USA, dem wichtigsten Softwaremarkt der Welt, fielen in der Bilanz durch die Umrechnung in Euro deutlich geringer aus. Auch im kürzlich beendeten zweiten Quartal hat sich der Effekt noch deutlich bemerkbar gemacht.

Doch für die zweite Jahreshälfte deutet sich eine Entspannung an. Falls der Euro-Kurs auf dem Niveau vom Juni bleibe, „wird sich der negative Einfluss auflösen“, sagte Finanzchef Luka Mucic. Fürs gesamte Geschäftsjahr erwartet SAP nun, dass die Währungseffekte den Betriebsgewinn um zwei bis vier Prozentpunkte senken. 

Die Analysten trauen SAP noch viel zu – die meisten empfehlen die Aktie des Softwarekonzerns trotz des Anstiegs in den vergangenen Monaten weiter zum Kauf. Wenn sich die Aktionäre vom Optimismus anstecken lassen, den McDermott und Mucic verbreiten, dürfte der Kurs in dieser Woche über das Allzeithoch von gut 105 Euro steigen. Nach der Veröffentlichung der Zahlen verlor die Aktie zunächst. Experten halten die Zahlen zwar durchaus für gut, monieren aber, dass die Marge sich nicht besser entwickelt hat.