Sanktionen gegen Oligarchen werden zum Bumerang und bringen europäische Unternehmen in Schwierigkeiten – auch Reisekonzern Tui betroffen

Der Reisekonzern Tui hat wegen eines Großaktionärs Probleme. - Copyright: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich
Der Reisekonzern Tui hat wegen eines Großaktionärs Probleme. - Copyright: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Mit den Sanktionen gegen Russland will der Westen die russische Wirtschaft treffen. Besonders die Oligarchen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind ein Ziel in diesem Wirtschaftskrieg. Doch davon sind auch zahlreiche europäische Unternehmen betroffen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Denn die Firmen, in die die Oligarchen investiert haben, kommen durch ihre in Ungnade geratenen Aktionäre in Schwierigkeiten. Darunter ist etwa der Düngemittelkonzern Eurochem mit Sitz in der Schweiz, an dem der Milliardär Andrej Melnitschenko beteiligt ist. Infolge der Sanktionen sperrten Großbanken vorübergehend die Konten des Unternehmens. Dadurch sei es sogar schwierig geworden, den Angestellten ihre Gehälter auszuzahlen. Auch muss das Unternehmen darauf achten, dass keine Gelder an Melnitschenko weitergeleitet werden. Inzwischen hat der Oligarch seine Anteile an Eurochem an seine Frau übertragen, um die Sanktionen zu umgehen.

Auch Unternehmen in Deutschland sind betroffen. So hält der Oligarch Alexej Mordaschow rund 30 Prozent der Anteile am Reisekonzern Tui. Auch er versuchte nach den Sanktionen die Anteile an seine Frau zu übertragen. Ob sie auch wirklich die Anteilseignerin ist, prüft derzeit das Wirtschaftsministerium in Berlin.

Rechtsanwalt Viktor Winkler, Experte für Sanktionsrecht, weist jedoch auf Risiken für Tui hin: "Zum einen darf die Aktionärin nicht mehr über ihre Aktien verfügen, sie kann sie derzeit also nicht verkaufen", sagt er. Zugleich dürfe die Firma nichts unternehmen, was der sanktionierten Aktionärin, also Mordaschows Ehefrau irgendwie zum Vorteil gereicht. Sonst drohe sich das Unternehmen strafbar zu machen, so Experte Winkler. Daher müssten alle internen Aktivitäten bei Tui geprüft werden – es sei ein "ziemlicher Seiltanz" für das Unternehmen.

Ein Tui-Sprecher zu Business Insider: "Die Tui überprüft die Geschäftspartner im Hinblick auf etwaige Sanktionslisten. Dies ist auch explizit in Bezug auf die Ausweitung der Russlandsanktionen erfolgt. Dort, wo es Übereinstimmungen gab, wurde die Geschäftsbeziehungen entweder beendet oder ausgesetzt." So habe Tui beispielsweise die Lizenzverträge für die Marke „TUI Russia“ gekündigt.

"Die sanktionierten Aktienpakete unterliegen außerdem einem Bereitstellungsverbot, das heißt die Aktionäre können keine wirtschaftlichen Vorteile aus dem Aktienpaket ziehen.", so der Sprecher weiter. Er betont, dass sich Tui "vollumfänglich an die sanktionsrechtlichen Vorschriften" hält und keine "etwaige Dividenden" an die sanktionierten Aktionäre auszahlen würde. Stattdessen würden diese auf ein Sperrkonto eingezahlt. Aufgrund der Auflagen des WSF zahle die TUI derzeit ohnehin keine Dividende.

Generell sei es nicht das erste Mal, dass Tui Businesspartner überprüfe. Diese gehören "zum Tagesgeschäft und betreffen auch Sanktionen gegen andere Länder wie dem Iran, Syrien oder Nordkorea." Da die Sanktionslisten stetig aktualisiert werden, werden die kritischen Geschäftskontakte auch weiterhin regelmäßig überprüft.

toh

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