Sanifair-Bons: Das Millionengeschäft mit den Autobahn-Toiletten

Die meisten Sanifair-Nutzer lösen ihre Wertbons nicht ein. Warum? (Bild: Tank & Rast)

Das Sanifair-System hat den Toiletten auf den Raststätten ein ordentliches Upgrade verpasst, keine Frage. Der Mutterkonzern Tank & Rast verdient mit den Wertbons Millionen – dennoch wird für die Reisenden alles teurer. Warum?

Kaum steht man vor der Autobahn-Raststätte, fängt das Kramen nach dem nötigen Kleingeld an. 70 Cent müssen diejenigen bezahlen, die ihr Geschäft lieber auf einer gepflegten und gut ausgestatteten Toilette verrichten wollen als auf einem öffentlichen Parkplatz – wo nicht nur die Ausstattung, sondern oft auch die Hygiene zu wünschen übrig lässt.

Für die 70 Cent bekommen die Sanifair-Kunden einen 50-Cent-Wertbon ausgestellt, den sie dann im Shop der Tankstellen einlösen können. Allerdings tut das kaum jemand, wie Recherchen des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nun aufzeigen.

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Demnach löst fast die Hälfte der Deutschen die Bons nicht ein. Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts INSA im Auftrag des rbb-Verbrauchermagazins „Super.Markt.“ lassen die Kunden damit jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag verfallen, der dann bei den Betreibern der WC-Anlagen verbleibt. Wenn die Rechnung von Branchen-Experten, die rbb zitiert, aufgeht, wird jede Sanifair-Anlage im Schnitt täglich von 500 Kunden genutzt. Bei 520 Anlagen in Deutschland würden demnach 20 Millionen Euro beim Mutterkonzern Tank & Rast verbleiben.

Warum werden die Wertbons nicht eingelöst?

Als Grund, warum viele Befragten ihre Bons nie oder nur sehr selten einlösen, werden die hohen Preise bei „Tank & Rast“ angegeben. Im Niedrigpreissegment ist fast nichts mehr zu finden – demnach kaufen die Reisenden lieber gar nichts als sich auf die extrem hohen Preise von Wasser, Süßigkeiten & Co. 50 Cent gutschreiben zu lassen.

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„Seit die Tank und Rast privatisiert wurde, wurde viel investiert, aber es wurde noch mehr Geld aus diesem System herausgepumpt“, sagt Herbert Quabach, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Autohöfe (VEDA) zu rbb. Das führe dazu, dass die Preise ein ganz anderes Niveau erreichten. Laut rbb zapfte das Private Equity-Unternehmen Terra Capital Partners kurz nach dem Einstieg eine Gewinnausschüttung von 400 Millionen Euro ab – was die Preise für Sprit und Waren ansteigen ließ. 2015 wurde Tank & Rast dann an ein Konsortium um Allianz Capital Partner verkauft – mit 3,5 Milliarden Euro für den dreifachen Preis, den Terra Capital bezahlt hatte.