Sane hat seinen Kredit verspielt

Kerry Hau, Marcel Bohnensteffen
Leroy Sane hat es derzeit sowolhl bei Manchester City als auch in der deutschen Nationalmannschaft nicht leicht

Der Konkurrenzkampf ist groß, die Einsatzminuten sind gering: Leroy Sane hat aktuell keinen leichten Stand bei Manchester City.

Der 21-Jährige kam in allen drei Premier-League-Spielen der neuen Saison zum Einsatz. Allerdings nur einmal von Beginn an.

City-Coach Pep Guardiola bietet sich mit Neuzugang Bernardo Silva vom AS Monaco, der mit 50 Millionen Euro genauso teuer war wie Sane im vergangenen Sommer, eine Option mehr für seine ohnehin hochkarätig besetzte Offensive.

Sane muss sich also mächtig ins Zeug legen, um an seine starke Debüt-Saison (37 Spiele, neun Tore, acht Vorlagen) anzuknüpfen - und eine Chance auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr zu haben.


"Leroys Einstellung nicht immer maximal"

Für die jüngsten WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und Norwegen wurde Sane von Bundestrainer Joachim Löw nicht nominiert. Auffällig war, dass er nicht mal zum Aufgebot der U21 zählte, die ihrerseits zeitgleich Qualifikationsspiele bestritt. 

Beim DFB herrscht seit der EM 2016 eine gewisse Skepsis in Bezug auf Sane. Löw hatte damals die starke Form des Youngsters honoriert und ihn im letzten Moment in den Kader berufen. Als taktische Sonderwaffe wie einst David Odonkor. 

Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass Sane die Nominierung als Belohnung versteht, sich besonders reinhängt. Stattdessen gab sich der damalige Schalker in Frankreich auch auf dem Trainingsplatz eher gelassen und locker. 


Ein Eindruck, den er bisweilen auch in Gelsenkirchen hinterließ. "Leroy war und ist ein Junge mit einer sehr großen Gelassenheit und Lockerheit. Seine Einstellung war immer gut, aber eben nicht maximal", sagte sein Jugendtrainer Norbert Elgert einmal über ihn.

Löw quittierte Sanes Übungsleistungen mit einem Platz auf der Bank. Lediglich beim Aus im Halbfinale gegen den Gastgeber durfte Sane ran: für elf Minuten plus Nachspielzeit.

Beim DFB wächst die Skepsis

In diesem Sommer gewährte Löw dem Linksfuß eine neue Chance. In Abwesenheit vieler Stammspieler lud er den Flügelspieler für die Spiele beim Confed Cup ein.

Weil der Offensivmann es aber vorzog, eine lange fällige Operation an der Nasenscheidewand durchführen zu lassen, handelte sich Löw eine Absage ein.

"Ich wäre gerne in Russland dabei gewesen", sagte Sane. "Nun habe ich mich in Rücksprache mit den Ärzten entschieden, die Sommerpause für diesen Eingriff zu nutzen, um danach beschwerdefrei in die neue Saison zu starten."


Wenige Wochen später tauchte im Internet ein Foto von Sane auf. Darauf präsentierte er sein neues Tattoo, ein Abbild seiner selbst, das sich über seinen gesamten Rücken erstreckt.

Ein Nationalspieler, der aus medizinischen Gründen absagt und sich danach sein Ego als großflächiges Tattoo stechen lässt. Bei den Offiziellen der Nationalmannschaft kam das Foto genauso an, wie man sich denken kann.

Bierhoff: Sane wäre besser in der Bundesliga geblieben

Was die sportlichen Qualitäten angeht, war Löw bislang stets angetan von Sane. Skeptisch sieht die sportliche DFB-Führung indes Sanes England-Wechsel.

"Ich hätte es besser gefunden, wenn er sich in Deutschland weiter entwickelt hätte. Das wäre für ihn selbst sicher gut gewesen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff einmal.


Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge fällte seinerzeit ein noch schärferes Urteil. Der FC Bayern hatte sich seinerseits lange um Sane bemüht. Als der Transfer vom Tisch war, stichelte Rummenigge: "Ein junger Spieler muss sich entscheiden, ob er seine Karriere sportlich plant oder finanziell."

Am Samstag trifft Sane mit City auf Jürgen Klopp und den FC Liverpool (ab 13.30 Uhr im LIVETICKER). Ein passender Rahmen, um wieder sportlich in den Mittelpunkt zu rücken. Wenn ihn Guardiola denn ran lässt.