Sandra Maischberger: Jürgen Trittin im Streitgespräch mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz

Jürgen Trittin versuchte, Sebastian Kurz bei Sandra Maischberger aus der Reserve zu locken. (Bild: WDR/Melanie Grande)

Das Grünen-Urgestein Jürgen Trittin wurde bei „Maischberger“ zum Provokateur und brachte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ins Straucheln. 

Bei seiner offiziellen Berlin-Reise machte Kurz auch in der renommierten ARD-Sendung „Maischberger“ halt, die am Mittwochabend unter dem Titel „Kanzler Kurz: Wunderknabe oder politischer Scharfmacher?“ lief. Der einzige andere Gast der Sendung war die Grünen-Ikone Jürgen Trittin.

Im ersten Teil der Sendung stand Kurz der Moderatorin allein Rede und Antwort. Zur österreichischen Flüchtlingspolitik und der Koalition mit der FPÖ befragt, gab der 31-Jährige an, die Partei sei bereit, sich an das Koalitionsprogramm zu halten und habe eine pro-europäische Orientierung.

Österreichs Kanzler Kurz im Gespräch mit Sandra Maischberger. (Bild: WDR/Melanie Grande)

Während Kurz später in der Sendung kritisierte, man rede „ständig einen Rechtsruck herbei”, konterte der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin, rechtsextreme Positionen würden nur verstärkt, wenn sie von anderen Parteien übernommen würden.

Kurz mahnte, Themen wie die Flüchtlingsproblematik nicht nach den Kriterien „rechts oder links“ zu beurteilen. Vielmehr habe man das Thema früher nicht ernst genug genommen. Trittin wurde daraufhin konkreter und kritisierte vor allem auch den militarisierten FPÖ-Wahlkampfauftakt samt Marschmusik in Tirol heftig: Der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache hätte sich da „inszeniert, als würde die SS noch unterwegs sein. Da fehlten nur noch die roten Armbinden!“

Hier fehlten Kurz tatsächlich zunächst die richtigen Worte. Der Kanzler selbst habe den Auftritt gar nicht gesehen, sagte er – doch ein knapper Ausschnitt war zuvor in der Sendung gezeigt worden und obendrein wurden die Szenen kurz nach dem Auftritt in allen großen österreichischen Medien ausführlich diskutiert. Als die Moderatorin Sebastian Kurz darauf hinwies, verhaspelte sich dieser und sagte: „Äh, da jetzt kurz, genau.”

Dann gab der 31-Jährige zu bemerken: „Ich schaue nicht so sehr auf die Inszenierung. Das war eine Künstlergruppe, die schon für die Kommunisten, für die Sozialdemokraten und auch für die Volkspartei aufgetreten ist.“

Kanzler Kurz war überzeugt: Der „Rechtsruck wird herbeigeredet!” (Bild: WDR / Melanie Grande)

Trittin musste hier akzeptieren, dass Kurz sich mit Nazi-Vergleichen nicht richtig aus der Reserve locken ließ, fand aber schnell einen anderen Angriffspunkt und ging stattdessen auf die Kollegen aus Bayern los: „Ich werfe der CSU vor, dass sie die Rechten dadurch starkgemacht hat, dass sie nicht über die wirklichen Probleme der Menschen geredet hat!“

Kurz lächelte müde und erwiderte: „Ich halte es für ziemlich antiquiert, zu sagen, es gibt die Themen der Rechten und die Themen der Linken.“ Kurz weiter: „Als Politiker sollte man zu allen relevanten Fragen eine Meinung haben.“ Darauf wusste auch Trittin nichts mehr zu erwidern.

Doch eine Ansage hatte Trittin dann doch noch im Anschlag – eine These zur Flüchtlingspolitik: „Abwehr funktioniert nur, wenn man auch reinholt!“ Kurz konnte das nicht unterschreiben und konterte: „Das stimmt einfach nicht!“ Der Hauptgrund für die Migration sei eben nicht nur, dass die Menschen schlechte Lebensbedingungen in ihren Heimatländern hätten, sondern vor allem, „weil die Tür nach Europa offen war“.

Das Fazit der hitzigen Debatte: Trittin wurde zwar mehr als einmal mit der knallharten Abwehrrhetorik des österreichischen Kanzlers konfrontiert, der sich wenig beeindruckt von dessen Provokationen zeigte. Doch zwischendurch hebelte Trittin auch immer wieder Kurz’ Strategie gegenüber kritischen Fragen aus – brachte ihn zumindest einmal richtig aus der Fassung. Sandra Maischberger fungierte an diesem Abend eher als Stichwortgeberin, weniger als Moderatorin.