Wie Sané die Bayern-Fans spaltet

·Lesedauer: 4 Min.
Wie Sané die Bayern-Fans spaltet
Wie Sané die Bayern-Fans spaltet

“FC Bayern, Stern des Südens, Du wirst niemals untergehen. Weil wir in guten wie in schlechten Zeiten zueinander stehen.”

Auch vor dem mühsamen 3:2-Sieg des FC Bayern gegen den 1. FC Köln tönte der Refrain des Münchner Stadionliedes aus den Fankehlen (vor allem) der Südkurve. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Doch wenn man es genau nimmt, ließ zumindest ein Teil der Anhängerschaft ihren Worten dieses Mal keine Taten folgen. Den “schlechten Zeiten”, in denen Leroy Sané derzeit steckt, zum Trotz, wurde der Flügelspieler mehrfach ausgepfiffen. Zudem wurde er bei seiner Auswechslung sogar mit höhnischem Applaus bedacht. (Rummenigge hat Mitleid mit Sané)

Unmutsäußerungen und Sarkasmus gegen den eigenen Spieler kamen bei vielen Protagonisten auf dem Rasen nicht gut an.

Müller und Kimmich kritisieren Fans

Der Kritik von Thomas Müller (”Das wollen wir nicht, das ist nicht schön. Da erwarte ich von den Fans mehr Unterstützung für uns Spieler”) und Joshua Kimmich (“Was gestern passiert ist, ist nicht nur unglücklich, das fand ich schon echt frech und bitter”) schloss sich sogar Gästetrainer Steffen Baumgart an.

‘’Mich stören einfach die Jungs, die da draußen pfeifen und wenn man sich die anguckt, dann können die nicht mal drei Meter geradeaus laufen’', echauffierte sich der Köln-Coach. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Was aber sagen die Protagonisten auf den Rängen? SPORT1 fragte bei zwei Fanklubs und einem Blogger des FC Bayern nach.

Manuel Hillwig (“Stern des Südens Lippe”): “Das mit Sané ist sehr sehr schwierig. Die Spieler, die bei deinem Klub unter Vertrag stehen, hat man zu unterstützen. Eigentlich bedingungslos. Man will den Klub ja auch nach vorne treiben. Aber ich könnte echt wahnsinnig werden, wenn ich sehe, dass Sané einfach stehen bleibt, nachdem er einen Ball verloren hat. Das ist so armselig. Er soll alles geben auf dem Platz. Ich mag es aber auch nicht, wenn sich alle Fans auf einen Spieler stürzen. Dieses Denunzieren ist eine Art von Mobbing. Schlimm.”

“Mund abputzen und auf geht’s”

Hans Gehrlein (“13 Höslwanger”): “Ich bin keiner, der Spieler aus dem eigenen Team auspfeift. Man muss, wenn es mal nicht so läuft, auch da zusammenhalten. Und man darf das in meinen Augen nicht überbewerten. Wenn mal die Emotionen mit einem durchgehen, dann ist es verständlich, dass man mal unzufrieden auf eine nicht gebrachte Leistung ist und schimpft. Leroy kann und wird das aushalten und wegstecken. Von einen Fußballer seiner Klasse gehe man schon davon aus, dass er professionell mit dieser Sache umgeht. Jetzt muss er halt richtig Gas geben und den Fans zeigen, dass es sein Fußballer Herz am richtigen Fleck hat. Er kann besser spielen und ich gehe ganz fest davon aus, dass wir das auch bald sehen werden. Wer die Nummer 10 beim FCB trägt, muss seiner Verantwortung auch gerecht werden. Mund abputzen und auf geht’s!”

Justin Kraft (Bayern-Blogger “Mia san rot” und Buchautor) “Pfiffe gegen eigene Spieler sind immer unangenehm und ich sehe das im Prinzip wie Julian Nagelsmann: Kein Spieler bringt absichtlich keine Top-Leistungen. Leroy Sané wird oft zu Unrecht dafür kritisiert, dass er sich nicht voll reinhänge. Seine Laufwerte und auch seine Anzahl an geführten Zweikämpfen sprechen eine andere Sprache. Sané will, aber er kann aktuell nicht, weil offensichtliche mentale Probleme ihn plagen. Selbstzweifel, fehlendes Vertrauen in die eigene Qualität und fehlendes Spielglück – er braucht nach den letzten Monaten einiges an Zeit und Geduld, vor allem aber mal wieder gelungene Aktionen. Ich bin sehr überzeugt davon, dass Nagelsmann ihn wieder hinbekommt und die Pfiffe, ähnlich wie bei Robben damals, bald vergessen sind. Die Leute, die ihn ausgepfiffen haben, sollten ihren Anspruch an Fußballer überdenken und sich selbst hinterfragen. Wir haben es hier immer noch mit einem Menschen zu tun.”

Aus allen Ausführungen ist der innere Kampf zu sehen, den derzeit wohl viele Bayern-Fans mit sich selbst ausfechten. Dem bedingungslosen Rückhalt zum eigenen Klub steht Sanés scheinbar unmotiviertes Auftreten gegenüber. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich diese Ambivalenz in den kommenden Wochen entwickeln wird.

Alles zur Bundesliga bei SPORT1:


Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.